# taz.de -- Ebola in der DR Kongo: WHO meldet 750 Verdachtsfälle
       
       > Der Kongo kämpft gegen Ebola. Erfahrung mit der Krankheit hat das Land
       > reichlich. Doch die Kapazitäten sind ein Problem, sagt ein deutscher
       > Helfer.
       
 (IMG) Bild: Mitarbeitende des Internationalen Roten Kreuzes vor einem Krankenhaus in Rwampara
       
       dpa | Hunderte von Verdachtsfällen, immer mehr bestätigte Infektionen und
       die Sorge vor einer Ausbreitung in die Nachbarländer: Bei dem
       Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo steigen die Fallzahlen
       weiter an. Mittlerweile gibt es nach Angaben der
       Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 750 Verdachtsfälle und 177
       mutmaßliche Todesfälle in dem zentralafrikanischen Land. Es gebe zwar
       Fortschritte bei Überwachungsmaßnahmen und Labortests, schrieb WHO-Chef
       Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. Doch Gewalt und Unsicherheit behinderten
       die Bekämpfung der Epidemie.
       
       82 Infektionen und 7 Todesfälle wurden laut Tedros im Labor bestätigt. Die
       WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich
       höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle registriert und gemeldet
       werden. Im Nachbarland Uganda seien bis auf zwei bekannte Infektionen
       bislang keine weiteren neuen Fälle gemeldet worden, hieß es weiter.
       
       Sie geht davon aus, dass die tatsächliche [1][Zahl der Infektionen deutlich
       höher liegt,] weil nicht alle Krankheitsfälle gemeldet werden.
       
       Im Nachbarland Uganda teilte das Gesundheitsministerium mit, dass außer den
       bislang bekannten zwei Fällen bei kongolesischen Staatsbürgern keine neuen
       Infektionen bekannt geworden seien. Einer der Patienten war gestorben. Die
       zweite Patientin sei am Mittwoch zum zweiten Mal negativ auf das Virus
       getestet worden und befinde sich weiter in Behandlung.
       
       ## Seltener Bundibugyo-Typ des Ebolavirus
       
       Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa
       CDC im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den
       Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten
       Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Der Ausbruch des seltenen
       Bundibugyo-Typs des Ebolavirus, für die es weder einen Impfstoff noch eine
       Therapie gibt, macht die Lage besonders schwer einzudämmen.
       
       Ebola-Fieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche
       Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit
       Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer
       [2][Ebola-Epidemie in Westafrika] mehr als 11.000 Menschen gestorben.
       
       Eine Woche nach Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs in der kongolesischen
       Ituri-Provinz befinden sich Experten, Gesundheitspersonal und Helfer im
       Wettlauf gegen die Zeit. „Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und
       Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten“, sagt
       Maximilian Gertler, Epidemiologe der Berliner Charité und für Ärzte ohne
       Grenzen (MSF) bereits mehrfach im Ebola-Einsatz in Afrika.
       
       Doch wegen der fragilen Sicherheit in der Konfliktregion und logistischer
       Anforderungen im zweitgrößten Land Afrikas sei gerade dies sehr
       kompliziert. „Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in
       Ebola-Ausbrüchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu
       unterstützen“, so Gertler über das Vorgehen von MSF. Parallel dazu müsse
       medizinisches Personal ausgebildet und in den Einsatz gebracht werden.
       
       Immerhin gelte für den Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo: In
       der Region gibt es viele Erfahrungen mit Ebola. „Kein Land auf der Welt hat
       so viele dieser Ausbrüche gehabt“, betont Gertler.
       
       ## Enorme logistische Herausforderungen
       
       Die Größe der betroffenen Region, die an Uganda und den Südsudan grenzt,
       und das Ausmaß der Epidemie eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe
       durch die Gesundheitsbehörden stellen eine enorme logistische
       Herausforderung dar. Dabei kann nicht unbedingt auf vorhandene Strukturen
       gesetzt werden. Der Kongo ist ein riesiges Land, fast siebenmal so groß wie
       Deutschland, und viele Gebiete sind wenig entwickelt und von großer Armut
       geprägt. „Man muss alles selbst organisieren, auch den Diesel für die
       Generatoren“, so Gertler. „Dafür haben wir Notfalllager in verschiedenen
       Orten der Region, in Kinshasa, in Kisangani und anderen Orten.“
       
       „Gegenwärtig ist Ärzte ohne Grenzen zum Beispiel dabei, tonnenweise
       Schutzausrüstung und logistisches Material wie Generatoren, Kühlgeräte und
       natürlich zusätzliches Personal in die Region zu bringen, um zusätzliche
       Zentren aufzubauen“, erläutert der Berliner Mediziner. Teams seien
       unterwegs in größeren Städten wie Bunia, Butembo oder Goma, um Orte für die
       Errichtung solcher Zentren zu identifizieren.
       
       Derzeit mobilisiert Ärzte ohne Grenzen zudem Logistik aus der Hauptstadt
       Kinshasa, aus dem Nachbarland Uganda und auch aus Europa. Die Organisation
       verfügt über vorbereitete Ebola-Kits. Die kann man sich vorstellen wie
       Container mit vorbereiteter Packliste, die in Lagerhäusern von Ärzte ohne
       Grenzen deponiert sind – zum Beispiel in Kinshasa, aber auch in Bordeaux
       und Brüssel, und die direkt ins Gebiet geflogen werden können. Darin sind
       Schutzausrüstung, Betten, Zelte, Matten, Infusionen, aber auch logistisches
       Material wie Generatoren, Computer und dergleichen mehr, um vor Ort die
       Arbeit direkt aufnehmen zu können.
       
       ## Ständig neue Verdachtsfälle – Isolierkapazitäten teils erschöpft
       
       Dabei sind mancherorts die [3][bestehenden Kapazitätsgrenzen bereits
       erreicht]. „Im Moment hören wir von vielen unserer Teams und anderen
       Gesundheitseinrichtungen, dass sich bei ihnen ununterbrochen Verdachtsfälle
       vorstellen, für die keine Isolierkapazitäten vorhanden sind“, sagt Gertler,
       der in ständigem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort steht.
       „Dann steht für diese Patienten unter Umständen keine Behandlung zur
       Verfügung. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese
       Infizierten weitere Infektionen auslösen.“
       
       ## „Die kommenden Tage sind entscheidend“
       
       Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist angesichts des
       schnellen Anstiegs der Verdachtsfälle besorgt. „Der Ausbruch breitet sich
       rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind
       und in denen häufig Grenzübertritte stattfinden“, so Ariel Kestens von der
       IKRK-Delegation in Kinshasa. „Jetzt ist schnelles Handeln und die enge
       Zusammenarbeit mit den Gemeinden von höchster Priorität, denn die kommenden
       Tage sind entscheidend.“
       
       ## Kontaktverfolgung und Aufklärungskampagnen
       
       Die Behandlung von Ebola-Patienten und die Isolierung von Verdachtsfällen
       sind nur eine Säule im Kampf gegen die Epidemie – und dabei sehr personal-
       und materialaufwändig. Um die Ausbreitung von Ebola einzudämmen, sind aber
       auch die Teams sogenannter Contact Tracer wichtig. Sie identifizieren die
       Infektionsketten, also die Kontaktpersonen von bekannten Fällen. Diese
       Personen werden registriert, in einer Datenbank erfasst und idealerweise
       jeden Tag kontaktiert, um festzustellen, ob sie gesund sind.
       
       Solange sie gesund sind, sind die Kontaktpersonen, etwa Familienangehörige,
       nicht ansteckend bei normalem Umgang. „Aber bei Fieber müssen sie
       schleunigst und unter sicheren Bedingungen in ein Isolations- und
       Behandlungszentrum gebracht werden“, so Gertler. Die Kontaktpersonen müssen
       nach ihrem letzten Kontakt mit einem Ebola-Patienten 21 Tage lang
       nachverfolgt werden.
       
       Wichtig ist außerdem die Gesundheitsaufklärung für die örtliche
       Bevölkerung. Hierfür sind derzeit Freiwillige des kongolesischen Roten
       Kreuzes im Einsatz. Sie gehen in den besonders betroffenen Regionen von Tür
       zu Tür und klären über die Verbreitung von Ebola auf. Auch über ein
       Rundfunkprogramm der Organisation werden Ratschläge zu Symptomen erteilt –
       und nicht zuletzt dazu aufgerufen, bei Verdachtsanzeichen schnell Hilfe zu
       suchen.
       
       22 May 2026
       
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