# taz.de -- Deutscher Sitz im UN-Sicherheitsrat: Die siebte Bewerbung
> Deutschland will wieder nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat
> werden. Das Problem: Für die beiden Sitze für Westeuropa gibt es drei
> Bewerber.
(IMG) Bild: Der deutsche Außenminister Johann Wadephul redet vor dem U.N. Sicherheitsrat in New York am 27. April
Außenminister Johann Wadephul (CDU) dürften die Eindrücke des
Grünen-Abgeordneten freuen. „Uns wurde von vielen Seiten, vor allem auch
den Botschaftsvertreter*innen aus den Mitgliedstaaten, eine große
Sympathie für die deutsche Bewerbung für den Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen entgegengebracht“, sagt Boris Mijatovic. Der Grüne ist
Vorsitzender des Unterausschusses im Bundestag, der für die Vereinte
Nationen zuständig ist. Als solcher war er in der vergangenen Woche mit
einer kleinen Delegation in New York. „Deutschland genießt ein hohes
Ansehen bei sehr vielen Mitgliedstaaten – das wurde uns in New York
deutlich“, so Mijatovic.
Anfang Juni wählt die [1][UN-Generalversammlung] fünf neue nichtständige
Mitglieder des Sicherheitsrats. Deutschland bewirbt sich um einen der
beiden Sitze, die Westeuropa zustehen. Doch es gibt Konkurrenz: Auch
Portugal und Österreich wollen in das bedeutende UN-Gremium.
Der [2][Sicherheitsrat] umfasst 15 Mitglieder: die fünf ständigen – USA,
Russland, China, Großbritannien und Frankreich – sowie zehn weitere, die
jeweils für zwei Jahre gewählt werden. Deutschland war bereits sechsmal
nichtständiges Mitglied, zuletzt bis 2020. Damals erhielt die
Bundesrepublik 184 von 190 Stimmen – ein klarer Vertrauensbeweis.
Diesmal könnte es schwieriger werden. Österreich und Portugal reichten ihre
Bewerbungen deutlich früher ein; Deutschland entschied sich erst Ende 2024,
vergleichsweise spät. Zudem könnten der Gazakrieg und die deutsche
Solidarität mit Israel Stimmen kosten. Kritiker werfen Deutschland vor, bei
Völkerrechtsverstößen mit zweierlei Maß zu messen.
## Deutschlands Argument: das Geld
Das sehe er so nicht, sagt der Außenminister. Die deutsche Haltung sei
ausgewogen und werde verstanden, erklärte er am Montag. Er sei
„optimistisch“ für die Abstimmung in New York. Wadephul setzt auf
Deutschlands Erfahrung, Verlässlichkeit und Rolle als einer der größten
Geldgeber der UN. 3,22 Milliarden Euro waren es 2025 laut dem Auswärtigen
Amt. „Als eine der führenden Wirtschaftsnationen weltweit und als einer der
wichtigsten Geber im UN-System setzen wir auf verlässliche Regeln und
globale Partnerschaften“, sagte der Außenminister, bevor er Ende April auch
zu einer kleinen Werbetour nach New York flog.
Unter dem Slogan „[3][Respect, Justice, Peace“ wirbt das Außenministerium
auf einer von ihm eingerichteten Webseite] für seine Kandidatur. In den gut
24 Stunden vor Ort traf Wadephul so viele Staatenvertreter wie möglich und
machte konkrete Angebote. Afrikanischen Delegierten versprach er, sich für
mehr Mitsprache ihres Kontinents bei den UN einzusetzen. Beobachter
berichten, er habe auch Gummibärchen verteilt.
„Auf der Reise wurde deutlich, wie ernst das Auswärtige Amt die Bewerbung
nimmt und aktiv im Wettbewerb ist“, so bewertet das der Grüne Mijatovic
nach seinem eigenen Trip nach New York. Er unterstütze die deutsche
Kandidatur „ausdrücklich“. Gerade in Zeiten wachsender geopolitischer
Spannungen, einem Höchststand an bewaffneten Konflikten und globalen Krisen
brauche es Staaten, die Verantwortung für den Multilateralismus, das
Völkerrecht und die völkerrechtsbasierte internationale Ordnung übernehmen.
Ob die 193 UN-Mitgliedstaaten deshalb Deutschland unterstützen, wird man am
3. Juni wissen. Für einen deutschen Sitz braucht es mindestens zwei Drittel
der Stimmen.
18 May 2026
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## AUTOREN
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