# taz.de -- Bundesrat stoppt 1.000-Euro-Bonus: Undurchdacht und ungerecht
> Die Regierung wollte Arbeitgebern eine steuerfreie Entlastungszahlung
> ermöglichen, der Bundesrat stimmt dagegen. Gut so! Diese Prämie gehört
> begraben.
(IMG) Bild: Die 1.000-Euro-Prämie kommt doch nicht – für niemanden
Diese Woche, in der die Bundesregierung seit einem Jahr im Amt ist, hat für
sie schlecht begonnen – und geht mit einer Niederlage zu Ende. Am Anfang
der Woche standen gegenseitige Schuldzuweisungen, am Freitag ließ der
Bundesrat dann die [1][1.000-Euro-Prämie für Arbeitnehmer*innen
durchfallen] – also eine von zwei Maßnahmen, auf die sich das schwarz-rote
Bündnis bei seinem letzten Koalitionsausschuss in der Villa Borsig
überhaupt verständigen konnte.
Doch während sich die Koalition die erneuten Streitigkeiten besser gespart
hätte, ist es richtig, dass der Bundesrat die Prämie ausgebremst hat. Auf
den ersten Blick klingt es zwar gut, dass die Arbeitgeber ihren
Beschäftigten einen steuerfreien Entlastungsbonus von 1.000 Euro zahlen
können, um diese angesichts der hohen Energiepreise zu entlasten. Aber es
ist ungerecht – und könnte so die ohnehin weit verbreitete Unzufriedenheit
in der Bevölkerung sogar weiter befeuern.
Die kurzfristig beschlossene Prämie war, wenn überhaupt, schlecht
vorbereitet, undurchdacht – und von Anfang an ein Fehler. Denn sie wäre
überhaupt [2][nur bei einem kleinen Teil der Bevölkerung angekommen]. Das
liegt einerseits an der Grundkonstruktion: Beschäftigte großer,
finanzstarker Unternehmen hätten bessere Chancen auf die freiwillige Prämie
gehabt als Mitarbeiter*innen kleinerer Betriebe, die sich eine Zahlung
vielleicht gar nicht leisten können. Rentner*innen und Erwerbslose,
Studierende und Selbstständige wären ohnehin leer ausgegangen.
## Arbeitgeber und Gewerkschaften wurden nicht gefragt
Aber weil die Bundesregierung – anders als die Ampel, die 2022 zu Beginn
des Ukrainekriegs zu einer ähnlichen Maßnahme gegriffen hatte – Arbeitgeber
und Gewerkschaften im Vorfeld nicht einbezog, wurde umgehend nach der
Verkündung klar: [3][Auch viele große Unternehmen würden angesichts der
angespannten Wirtschaftslage nicht zahlen.] Das Pendant der Ampel, die
sogenannte Inflationsausgleichsprämie, war immerhin noch bei mehr als 80
Prozent der Tarifangestellten angekommen.
Dass die Länder [4][bei dem Schnellschuss nicht einbezogen] wurden, ein
großer Teil der Steuermindereinnahmen aber ihr Problem wäre, hat die
Ablehnung im Bundesrat verstärkt. Dass ein Teil der Wirtschaft nach dem
Vorstoß der Bundesregierung richtig sauer war, dürfte zudem dazu
beigetragen haben, dass auch CDU-geführte Länder jetzt auf die Bremse
getreten sind. Aufgabe des Kanzleramts wäre es gewesen, einen Kompromiss
herbeizuführen – oder zumindest dafür zu sorgen, dass der Bundesrat das
Thema vertagt. Nach der schlechten Vorbereitung der Prämie liegt hier ein
weiteres Versagen.
Die Bundesregierung kann jetzt den Vermittlungsausschuss anrufen und noch
einmal verhandeln. Lieber nicht: Besser wäre es, etwa mit einer
Einmalzahlung all jene gezielt zu fördern, die es angesichts steigender
Preise am dringendsten brauchen.
8 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sabine am Orde
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