# taz.de -- CDU-Fördergeldaffäre in Berlin: Diese Senatorin kann das nicht aussitzen
> Die gesamte Mittelvergabe war rechtswidrig: Nach dem Bericht des
> Rechnungshofes steht Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson vor einem
> Scherbenhaufen.
(IMG) Bild: Sarah Wedl-Wilson: In ihrem Amt untragbar
Für Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für die CDU) wird es eng.
Die noch nicht mal ein Jahr lang amtierende Senatorin hat mit der
[1][Fördergeldaffäre um Antisemitismusprojekte] den größten Skandal der
laufenden Legislatur des schwarz-roten Berliner Senats zu verantworten. In
der Kritik steht die freihändige Förderung von 13 Projekten „besonderer
politischer Bedeutung“ aus einem Haushaltstitel zur Bekämpfung von
Antisemitismus. Nach der Veröffentlichung eines Berichts des Rechnungshofs
am Donnerstag steht Wedl-Wilson vor einem Scherbenhaufen.
In der Fördermittelaffäre geht es um Korruption und Vetternwirtschaft, um
Verstöße gegen die Gewaltenteilung, die Landeshaushaltsordnung und um
bewussten Rechtsbruch. Sie ist ein Skandal sondergleichen, der dem
Vertrauen in rechtsstaatliches Handeln von Politik sowie dem notwendigen
Kampf gegen Antisemitismus schweren Schaden zugefügt hat.
Nach der Veröffentlichung des [2][Berichts des Landesrechnungshofes] liegt
das politische Versagen der handelnden Akteure nun offen zutage. Das gilt
insbesondere auch für Wedl-Wilson, die am Ende die rechtswidrige
Ausschüttung absegnete. Das Fazit des Rechnungshofes lässt keinen Spielraum
für Interpretationen: „Das Zuwendungsverfahren war evident rechtswidrig“,
heißt es. „Die betreffenden Zuwendungsbescheide hätten auf dieser Grundlage
nicht erlassen werden dürfen.“
Der finanzielle Schaden für das Land Berlin beträgt 2,6 Millionen Euro. Der
politische Schaden ist ungleich größer.
Denn der Bericht zerpflückt das gesamte Verfahren: Die Auswahl der Projekte
sei „nicht anhand festgelegter nachvollziehbarer Kriterien getroffen“
worden, sondern „willkürlich“ erfolgt. Die Senatsverwaltung habe
„vorschriftswidrig die Notwendigkeit und Angemessenheit der Zuwendungen
nicht beurteilt“ und dabei versäumt festzustellen, ob die Projekte dem
vorgegebenen Zweck „gegen Antisemitismus und zur Förderung des
interreligiösen Dialogs“ entsprechen. Sie habe „damit das Risiko einer
Fehlverwendung von Haushaltsmitteln geschaffen“.
Schließlich sei „mit dem Erlass der 13 Zuwendungsbescheide“ gegen die
Landeshaushaltsordnung verstoßen worden. Auch wird festgehalten: 6 der 13
Projekte, die mit 2 Millionen Euro den Löwenanteil des Geldes erhielten,
fehlte aufgrund ihrer fehlenden Gemeinnützigkeit grundsätzlich die
„Förderfähigkeit“. Währenddessen blieben viele renommierte Antragssteller,
die sich auf regulärem Weg auf eine Förderung beworben hatten, ohne Geld.
## CDU-Klüngel statt Fachkompetenz
Fasst man die Vorgänge zusammen, hat letztlich ein Klüngel innerhalb der
Berliner CDU öffentliches Geld nach Gutdünken verteilt, nach politischen
Sympathien und persönlichen Bekanntschaften. Zum Klüngel gehören der
haushaltspolitische Sprecher der Fraktion, Christian Goiny, und der
Fraktionsvorsitzende Dirk Stettner, die die Liste der Projekte, zu denen
sie teils selbst persönlichen Beziehungen pflegten, zusammenstellten und
massiv auf deren Förderung drängten.
Zur Mittäterin hat sich aber auch Wedl-Wilson gemacht, weil sie die Liste
mitgetragen und schließlich unterschrieben hat. Sie ist nicht die alleinige
Verantwortliche, aber am Ende ist sie diejenige, die sich des vom
Rechnungshof monierten Rechtsbruchs schuldig gemacht hat.
Vor allem kann Wedl-Wilson nicht behaupten, dass sie nicht gewarnt worden
wäre. Doch die Warnungen hat sie in den Wind geschlagen. Stattdessen hat
sie sich über die rechtlichen Bedenken ihrer Verwaltung und des zuständigen
Staatssekretärs Oliver Friederici hinweggesetzt. [3][]
[4][Friederici war am Dienstag vom Senat entlassen worden] –
offensichtlich, um ihm die Schuld an den nun bekannt gewordenen
Versäumnissen in die Schuhe zu schieben. Eine Begründung für den Schritt
blieben Wedl-Wilson und der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auch
am Donnerstag im Abgeordnetenhaus schuldig.
Wedl-Wilson verwies stattdessen darauf, dass sie für die Umsetzung der
Empfehlungen für ein geordnetes Vergabeverfahren, die der
Rechnungshofbericht ebenso enthält, „ein starkes Team“ brauche. Für
Friederici muss sich das wie Hohn anhören.
Wegner duckte sich derweil in der Fragestunde im Parlament weg. Er habe den
Bericht noch nicht lesen können und wolle ihn deshalb nicht bewerten, hieß
es. Stattdessen arbeitet er weiterhin an der Erzählung, die Verwaltung oder
andere Fraktionen im Abgeordnetenhaus würden sich den Zielen des
Fördertopfs in den Weg stellen. „Es wäre an der Zeit, dass das Haus
uneingeschränkt für den Schutz jüdischen Lebens eintritt“, so Wegner.
Der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener, der den Skandal im Herbst zuerst ins
Rollen gebracht hatte, sagte der taz: „Mich interessiert weniger Frau
Wedl-Wilson, sondern der Regierende Bürgermeister.“ Denn der habe im
November angekündigt, den Bericht des Landesrechnungshofes abzuwarten und
dann Konsequenzen zu ziehen.
Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp forderte in einem Statement genau dies:
„Der Regierende Bürgermeister Wegner sollte sich für das Versagen seines
Senats entschuldigen“, ließ Eralp mitteilen. Er müsse „die rechtswidrigen
Bescheide unterzeichnende und verantwortliche Senatorin entlassen, statt
zur Beruhigung den Staatssekretär zum Bauernopfer zu machen“. Ebenso dürfe
Wegner nicht die verantwortlichen CDU-Abgeordneten decken, „die am Gesetz
vorbei agiert haben“. Es sei „ein Skandal, dass die CDU mit Steuergeldern
so umgeht, als wäre es ihr privates Geld, und Mittel illegal an
Parteifreunde verteilen lässt“, so Eralp.
Die Aufklärung der Affäre wird Berlin noch eine Weile beschäftigen. Ende
Mai werden Ex-Staatssekretär Friederici, der ehemalige Kultursenator Joe
Chialo und Sarah Wedl-Wilson als Zeugen im parlamentarischen
Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses aussagen.
Ob Wedl-Wilson dann noch amtierende Senatorin ist?
23 Apr 2026
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