# taz.de -- Rücktritt der Berliner Kultursenatorin: Berliner CDU ohne Kopf und Kultur
       
       > Nach dem Bericht des Rechnungshofs war Sarah Wedl-Wilson nicht zu halten.
       > Berlins CDU-Regierungschef Wegner geht nun doppelt angeschlagen in den
       > Wahlkampf.
       
 (IMG) Bild: Au Backe. Jetzt hat auch Berlins Regierender Kai Wegner ein Problem an derselben
       
       Den letzten Grund dafür, dass Sarah Wedl-Wilson falsch in diesem Amt ist,
       lieferte Berlins Kultursenatorin am Dienstag. Mit der [1][Entlassung ihres
       Staatssekretärs Oliver Friederici] feuerte die von der CDU nominierte
       Senatorin ausgerechnet jenen Mann, der auf die Einhaltung von Regeln
       pochte.
       
       Wedl-Wilson hat die Regeln dagegen gebrochen. Das bescheinigte ihr am
       Donnerstag [2][der Berliner Landesrechnungshof in ungewöhnlicher
       Deutlichkeit]. Nun hat die Kultursenatorin am Freitag Berlins Regierenden
       Bürgermeister Kai Wegner (CDU) um ihre Entlassung gebeten.
       
       Es gibt Rücktritte, die verschaffen denen, die selbst in eine Affäre
       hineingezogen werden könnten, etwas Luft. Sarah Wedl-Wilsons Demission wird
       nicht dazu führen. Selbst wenn Kai Wegner mit Konsequenzen gedroht haben
       sollte, sollten formale Fehler gemacht worden sein, steckt auch er nun
       mittendrin in der CDU-Fördergeldaffäre.
       
       Denn der Donner, den Wedl-Wilson am Freitag ausgelöst hat, war schon länger
       herangerollt, und er wird noch lange nachhallen. Das rotzfreche Auftreten
       des CDU-Fraktionschefs im Abgeordnetenhaus, Dirk Stettner, und des
       finanzpolitischen Sprechers der Fraktion, Christian Goiny, im
       Untersuchungsausschuss des Landesparlaments zur Affäre um nicht geprüfte
       Förderungen für Projekte gegen Antisemitismus hat gezeigt, dass das Problem
       tiefer liegt.
       
       ## Kai Wegner kann kein Krisenmanagement
       
       Statt in Demut übten sich die beiden Abgeordneten in Selbstherrlichkeit.
       Offenbar glaubt die Berliner CDU, nach Gutsherrenmanier den Daumen über
       förderfähige Projekte heben und senken zu können. Fachliche Expertise? Doch
       nicht bei uns! Das erschüttert nicht nur den Glauben an parlamentarisches
       Handeln. Es erweist auch dem Kampf gegen Antisemitismus einen Bärendienst.
       
       Nachdem das Blaming-Spiel mit der Entlassung von Staatssekretär Friederici
       und dem Rücktritt von Senatorin Wedl-Wilson in sich zusammengebrochen ist,
       steht nun Kai Wegner im Fokus der Affäre. Er hat nicht nur Wedl-Wilson
       ernannt. Er hat die Affäre auch laufen lassen. Sein lauwarmer Hinweis auf
       die Einhaltung formaler Regeln zeigt, dass Kai Wegner die Dynamik der
       Fördergeldaffäre unterschätzt hat. Tennis-Kai hat wieder einmal gezeigt,
       dass er kein Krisenmanagement kann.
       
       Spöttisch könnte man sagen, dass die Berliner CDU [3][nach dem Abgang von
       Kultursenator Joe Chialo vor einem Jahr] und dem seiner Nachfolgerin jetzt
       einfach keine Kultur kann. Doch die Partei, die in Umfragen derzeit noch
       vorn liegt, ist nicht nur kultur-, sie ist auch kopflos. Ende September
       wird in Berlin ein neues Landesparlament gewählt.
       
       Das Rennen um das Rote Rathaus ist wieder offen.
       
       24 Apr 2026
       
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