# taz.de -- CDU-Fördergeldaffäre in Berlin: „Ich brauche keinen Fachbeirat und keine Expertise“
> Die Abgeordneten Christian Goiny und Dirk Stettner sagen im
> Untersuchungsausschuss aus. Fehlverhalten weisen sie von sich,
> stattdessen attackieren sie die Verwaltung.
(IMG) Bild: Christian Goiny auf dem Weg in den Untersuchungsausschuss
Wer immer Hoffnung auf Einsicht oder gar Schuldbewusstsein, zumindest aber
auf eine aktive Mitarbeit zur Aufklärung des [1][Fördergeldskandals um
Projekte gegen Antisemitismus] hatte, wurde vom CDU-Abgeordneten Christian
Goiny bei seiner Zeugenbefragung im [2][Untersuchungsausschuss] am Freitag
enttäuscht. Der Haushaltspolitiker, dessen massiver Druck auf
Kultursenatoren und Verwaltung für die Förderung von ihm ausgewählter
Projekte öffentlich geworden war, entschied sich zum frontalen
Gegenangriff, den er schon am Vortag per Interview mit der Welt eingeleitet
hatte.
Untersucht wird die Vergabe von 3,4 Millionen Euro aus einem Topf für die
Bekämpfung von Antisemitismus im Jahr 2025, abseits der regulären
Förderstrukturen der Kulturverwaltung und einer Vergabe durch eine
Fachjury. Goiny hatte unter Mitwirkung von Fraktionschef Dirk Stettner eine
Liste von 15 Projekten zusammengestellt und auf deren Förderung gedrängt,
die schließlich von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson zum Großteil
bewilligt wurde.
Die überwiegende Mehrheit der Projekte hatte keine besondere Expertise im
Feld der Antisemitismusbekämpfung, bei vielen [3][fehlt bis heute der
Nachweis über die erfolgte Durchführung der geförderten Maßnahmen]. Im Raum
stehen Verstöße gegen die Landeshaushaltsordnung und der Haushaltsuntreue.
Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit einen Anfangsverdacht wegen Untreue
gegen Wedl-Wilson.
In der fast vierstündigen Befragung wies Goiny jedes Fehlverhalten von
sich, er habe lediglich „politische Vorschläge gemacht“. Stattdessen
attackierte er die Verwaltung. Diese habe „die Arbeit verweigert“, sei
„nicht willens und in der Lage“ die eingestellten Fördermittel von
insgesamt zehn Millionen Euro pro Jahr zu vergeben, sie habe gar
„zielgerichtet versucht, Gelder in andere Kanäle zu lenken“, etwa für
„Demokratieförderung“.
Weil dies bereits 2024 der Fall gewesen sei, habe er sich für das
Förderjahr 2025 für Projekte eingesetzt. Die Auswahl sei nach „Hinweisen
aus der Stadtgesellschaft“ zustande gekommen. Gleichwohl wurde deutlich:
Goiny kennt die Verantwortlichen dieser Projekte überwiegend persönlich, er
selbst bekam die Förderanträge geschickt und leitete sie weiter. Goiny
sagte: „Wenn ich mich einsetze als Abgeordneter, dann weil ich das möchte.
Ich brauche keinen Fachbeirat und keine Expertise.“
## Entgegen der Aktenlage
Entgegen der Aktenlage, die zeigt, dass Goiny sich gegen eine Prüfung der
Projektanträge durch die Verwaltung wendete, behauptete er nun: „Es war
mein Bestreben, dass diese Prüfung erfolgt.“ Goiny hatte Dutzende
Nachrichten an das Diensthandy von Wedl-Wilson geschickt und immer wieder
die sofortige Mittelvergabe eingefordert.
Die Weitergabe der Chats an den Untersuchungsausschuss und die
Veröffentlichung bezeichnete er als „rechtswidrig“: „Meine Tätigkeit als
Abgeordneter ist verfassungsrechtlich geschützt, ich bin nicht
auskunftsverpflichtet.“ Wieso der intensive Whatsapp-Chatverlauf Ende Juli
2025 abrupt endete und ob dieser womöglich anderswo fortgeführt würde,
wollte er nicht beantworten. Erst nach rechtlichen Hinweisen sagte er, dass
er danach nur noch „wenige Nachrichten zu anderen Themenfeldern“ per
Whatsapp an die Senatorin geschickt habe. Goinys Grundhaltung fasste er in
seinem Zeitungsinterview am Vortag zusammen: „Ich bin niemandem
rechenschaftspflichtig, warum ich mich für dieses oder jenes Projekt
einsetze.“
Auch der zweite Zeuge, der am Freitag vernommen wurde, CDU-Fraktionschef
Dirk Stettner, wollte kein Fehlverhalten erkennen: „Selbstverständlich
nimmt dieses Parlament Einfluss, nimmt die CDU Einfluss und habe ich auch
persönlich Einfluss genommen.“ Er habe mit dem damaligen Senator Joe Chialo
(CDU) darüber gesprochen, warum die bereitgestellten Mitel nicht verausgabt
wurden. Zu einem späteren Zeitpunkt nach der Zusammenstellung der
ursprünglichen Liste habe er einen Projektantrag der Urania weitergeleitet,
ohne sich damit befasst zu haben.
Stettner, der Anfang des Jahres in einem Treffen mit Goiny und Chialo über
die Projektliste gesprochen hatte und später ebenfalls in Chats Druck auf
Wedl-Wilson ausgeübt hatte, gab selbstbewusst zu Protokoll: „Ich halte die
Vorwürfe für absurd.“ Es gäbe „kein parteipolitisches Netzwerk“, und er
habe sich nicht in die Vergabe der Fördermitel eingeschaltet. Wie es zu
genau jener Liste kam und wieso genau jene Projekte relevant für den Kampf
gegen Antisemitismus seien, vermochte Stettner nicht zu beantworten.
Stattdessen suggerierte der CDU-Fraktionschef, dass die ganze Affäre einzig
ein Wahlkampfmanöver der Grünen sei und jegliche Belege für
strafrechtliches Fehlverhalten fehlen würden.
17 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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