# taz.de -- Finanzsenator und Kultursenator: Eine pragmatische Lösung
> Stefan Evers als Berliner Kultursenator zu berufen, wirkt
> widersprüchlich. Aber er ist der, den die CDU gerade braucht: Ein
> erfahrener Verwalter, der die Lage beruhigt.
(IMG) Bild: Faust oder Mephisto? Finanzsenator Stefan Evers (CDU) ist nun auch Kultursenator
Dass es auf die Kulturszene erst mal wie das maximale Schreckensszenario
wirken könnte, war zu erwarten: Den Finanzsenator Stefan Evers (CDU) auch
für das Kulturressort verantwortlich zu machen, und das in Zeiten von
Kassen, die leerer denn je sind, scheint nicht so ganz zu passen. Evers sei
nun „Faust und Mephisto in einer Person“, reagierte der Chef des Berliner
Ensembles gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Durchaus nachvollziehbar. Denn wie soll Kultursenator Evers die Interessen
von Opern, Künsten und freier Szene verteidigen, wenn der Finanzer Evers
vielleicht unangenehme Fragen stellen muss? Etwa, warum jede Karte in der
Staatsoper [1][durchschnittlich mit 251,60 Euro aus dem Landeshaushalt
bezuschusst] wird, während es an den nicht minder berühmten Häusern in
München und Dresden deutlich weniger ist, wie jüngst Bild öffentlich
machte.
Aber ist eine neue Kürzungswelle tatsächlich zu erwarten? Evers wird zwar
auch knapp drei Monate über den Wahltermin fürs Abgeordnetenhaus am 20.
September hinaus zuständig sein, weil eine neue Koalition frühestens im
Dezember stehen dürfte. Er wird aber gerade vor und wegen der Wahl nicht
unnötig in Konflikte gehen. Dabei profitiert er davon, dass der aktuelle
Landeshaushalt bis Ende 2027 gilt und darum in diesem Jahr kein neuer mit
neuen Einschnitten zu beschließen ist.
Evers wird vielmehr das tun, was nun angesagt ist: Klarheit und Ordnung ins
Förderwesen bringen und [2][die Debatte um die Unterstützung von Projekten]
gegen Antisemitismus beruhigen. Dafür bringt er seine Einblicke als
Finanzsenator und seine Organisationsfähigkeiten als langjähriger
Generalsekretär des CDU-Landesverbands mit.
## Kein kulturferner reiner Finanzer
Und auch wenn Evers Filmfan ist und gerne entsprechende Zitate in seine
Reden einbaut: Es ist durchaus davon auszugehen, dass er mit einem Hopper
nicht nur den US-Schauspieler und „Easy Rider“-Darsteller Dennis verbindet,
sondern auch den Maler und anderen „Nighthawks“-Erschaffer Edward. Und dass
er auch sonst mit dem Kulturbetrieb vertraut ist.
Wobei [3][Evers’ Blick auf die Berliner Finanzen] durchaus ein sehr trüber
sein kann: „Winter is coming“, beschrieb er die Lage vor eineinhalb Jahren
mit der Ankündigung trüber Zeiten aus „Game of Thrones“. Und im Vergleich
zur Bewältigung der Haushaltsmisere müsse man sich „Sisyphos hier als
glücklichen Menschen vorstellen“, [4][hatte er schon vorher mal
formuliert].
Dass nicht an seiner Stelle, wie zu Wochenbeginn vermutet, Ex-Justizsenator
Thomas Heilmann das Kulturressort übernimmt und so nach zehn Jahren wieder
in die Landespolitik zurückkehrt, dürfte auch an den CDU-Kreisvorsitzenden
liegen. Die tagten am Dienstagabend mit Regierungschef Kai Wegner, der auch
CDU-Landesvorsitzender ist. Und könnten zu dem Schluss gekommen sein, dass
ihnen der von Parteiposten wie Kabinettsbesoldungen unabhängige Heilmann
letztlich zu unabhängig und frei schwebend ist.
Nicht dass Evers bloß Parteisoldat ohne eigenen Standpunkt wäre. Aber von
ihm als Teil des bisherigen schwarz-roten Senats ist nicht zu erwarten,
dass er nun in irgendeiner Weise den Laden aufmischen würde. Das wäre auch
das, was die CDU fünf Monate vor der Wahl am wenigsten braucht. Ihre
Strategie dürfte sein: die Dinge beruhigen, frühere Fehler vergessen
machen, keine neuen begehen – und darauf hoffen, dass es möglichst kurz vor
dem 20. September die politische Konkurrenz ist, die ins Stolpern kommt.
29 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bild.de/politik/inland/xxl-zuschuss-aus-steuergeld-diesen-sitz-in-der-oper-sponsert-berlin-mit-251-60-euro-69d35e9e85a7e040c8734583#:~:text=XXL-Zuschuss%20aus%20Steuergeld:%20Diesen%20Sitz%20in%20der%20Oper%20sponsert%20Berlin%20mit%20251,60%20Euro&text=%E2%80%9EBerlin%20investiert%20im%20Vergleich%20zu%20anderen%20St%C3%A4dten,seine%20Kulturlandschaft%20zu%20tragen%E2%80%9C,%20best%C3%A4tigt%20Berlins%20Finanzsenator
(DIR) [2] /Gefoerderte-Antisemitismusprojekte/!6127489
(DIR) [3] /Berliner-Landesfinanzen/!6045701
(DIR) [4] /Berliner-Abgeordnetenhaus/!6010465
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
## TAGS
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Schwarz-rote Koalition in Berlin
(DIR) Stefan Evers
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Sarah Wedl-Wilson
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Neue Umfrage zur Berlinwahl: Kai Wegner stürzt ab
Lange war die CDU unangefochten vorne in den Umfragen. Nach der
Fördergeldaffäre fällt sie auf unter 20 Prozent. Knapp dahinter Grüne und
Linke.
(DIR) Konsequenz aus CDU-Fördergeldaffäre: Berlins Finanzsenator macht Kultur noch nebenher
Stefan Evers (CDU) soll bis zur Wahl die Kulturverwaltung übernehmen. Seine
Vorgängerin war über die Affäre mit Antisemitismusgeldern gestolpert.
(DIR) Fördergeldaffäre: Keine Panik bei der CDU
Regierungschef Kai Wegner steht in seiner Partei in der Kritik, gilt aber
weiter als Spitzenkandidat. Kultursenator könnte Thomas Heilmann werden.
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre in Berlin: Diese Senatorin kann das nicht aussitzen
Die gesamte Mittelvergabe war rechtswidrig: Nach dem Bericht des
Rechnungshofes steht Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson vor einem
Scherbenhaufen.