# taz.de -- Digitalpolitik der Bundesregierung: Geld für Digitales, aber kein Schub
> Eine Studie untersucht die Ausgaben der Bundesregierung für die
> Digitalisierung. Das Fazit ist durchwachsen und wirft Fragen zur
> langfristigen Finanzierung auf.
(IMG) Bild: Wo bleibt der Digitalisierungsschub? Glasfaserausbau in Essen 2026
Vom Gesundheitssystem über die öffentliche Verwaltung bis hin zum
Glasfasernetz – die Bundesregierung will die Digitalisierung vorantreiben.
Doch eine langfristige Finanzierung dieser Transformation fehle, so eine
Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im
Auftrag des Thinktanks Agora Digitale Transformation. Ein großer Schub für
die Digitalisierung sei nicht zu sehen, kritisiert Stefan Heumann,
Geschäftsführer von Agora Digitale Transformation, am Dienstag bei der
Vorstellung der Ergebnisse.
Die Wissenschaftler:innen haben sich für ihre Untersuchung die
Ausgaben im gesamten Digitalhaushalt 2025 angeschaut. Haushaltsposten für
die Digitalisierung sind dabei nicht nur beim in dieser Legislaturperiode
erstmals geschaffenen Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung
(BMDS) angesiedelt, sondern auch in weiteren Ministerien – von Wirtschaft
über Forschung bis Bildung. Zu den Posten aus dem Kernhaushalt kommen noch
Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds und dem Sondervermögen für
Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK).
Knapp ein Fünftel der Mittel für die digitale Transformation komme aus
diesen Sondervermögen. Das sehen die Forscher:innen als Problem. „Der
Zuwachs der Digitalausgaben ist einzig den Sondervermögen zu verdanken, in
die insbesondere einzelne große Infrastruktur-Vorhaben verschoben wurden“,
sagt Friedrich Heinemann vom ZEW. Das werfe die Frage auf, wie dauerhaft
die Mittel für die Digitalisierung gesichert sind. So sei etwa das SVIK auf
zwölf Jahre und 500 Milliarden Euro begrenzt.
## Abhängig von Big Tech
Die Studienautor:innen betonen die Wichtigkeit einer digitalen
Transformation: „Der geopolitische Kontext erhöht den Handlungsdruck für
die Politik, sich von der technologischen Abhängigkeit von Big Tech zu
lösen“, sagt Heumann.
Die Abhängigkeit wird aktuell verschärft durch einen Konflikt mit den USA:
In der EU gelten deutlich strengere Regeln für Tech-Konzerne als jenseits
des Atlantiks. Das betrifft zum Beispiel Vorgaben zum Jugendschutz, zu
Moderations- und Meldeverfahren, um illegale Inhalte von Hass und Hetze bis
zu gefälschten Produkten einzudämmen, und zu manipulativen Designs. Doch
konsequent durchgesetzt werden die Regeln derzeit nicht. Denn US-Präsident
Trump hat wiederholt gedroht, Zölle als Druckmittel gegen Länder zu
verhängen, die es ernst meinen mit Einschränkungen für Tech-Konzerne.
Bundeskanzler Merz wie auch Digitalminister Karsten Wildberger (beide CDU)
[1][sprechen sich angesichts dessen immer wieder für mehr digitale
Souveränität in Deutschland und Europa aus]. Dafür wäre einiges an
Umstellung nötig. Denn derzeit setzt etwa die öffentliche Verwaltung stark
auf US-Anbieter, vor allem auf Microsoft.
„Digitale Souveränität ist ein großes Thema für die Bundesregierung und
auch den Digitalminister“, sagt Heumann. „Aber Alternativen stärkt man
nicht, indem man über sie redet, sondern indem man in sie investiert.“ Und
das spiegelten die Ausgaben des Bundes nicht wider. Im Gegenteil: Zuletzt
sind die Ausgaben für Microsoft-Produkte sogar gestiegen. [2][Im
vergangenen Jahr gaben der Bund und dessen Zuwendungsempfänger für Lizenzen
des US-Softwarekonzerns 481,4 Millionen Euro aus].
Und das ist noch nicht einmal das gesamte Bild: Auch Länder und Kommunen
zahlen für Microsoft und andere US-Dienste. Doch eine vollständige
Übersicht darüber gibt es nicht. „Wir brauchen endlich mehr Transparenz
über die IT-Ausgaben des Bundes“, fordert Heumann. Denn Deutschland verfüge
über ausreichend Mittel – sie müssten aber besser und effektiver eingesetzt
werden. So müssten etwa Parallelinvestitionen vermieden und klare Vorgaben
für den Einsatz von Open-Source-Lösungen von europäischen Anbietern
geschaffen werden. Das BMDS wollte sich auf Anfrage nicht zu den
Ergebnissen der Untersuchung äußern.
21 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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