# taz.de -- Endlagersuche in Skandinavien: Schweden schwört auf Kupferkapseln
       
       > Die schwedische Atomindustrie setzt auf eine von ihr entwickelte
       > Endlagermethode. Trotz Zweifeln ist das erste Endlager seit 2025 im Bau.
       
 (IMG) Bild: Schwedens Umweltministerin Romina Pourmokhtari (links) beim Baustart des Endlagers in Forsmark 2025
       
       Wohin mit dem tödlichen Müll? In Schweden sind sich Kraftwerksbetreiber und
       Staat sicher, die Antwort gefunden zu haben. Nach Jahrzehnten der Planung,
       der Debatten und des politischen Hin und Her, zeigte sich Klima- und
       Umweltministerin Romina Pourmokhtari (Liberale) vor gut einem Jahr
       strahlend beim Spatenstich für eines der ersten [1][Endlager] überhaupt.
       
       Unweit des AKW-Standorts Forsmark, 140 Kilometer nördlich von Stockholm,
       wird nun an einem riesigen unterirdischen Tunnelsystem gebaut. In 500 Meter
       Tiefe soll hier Schwedens radioaktiver Abfall liegen, bis er in ungefähr
       100.000 Jahren harmlos geworden sein soll. „Historisch“ nannte die
       Ministerin damals den Spatenstich – und nicht nur für Schweden, auch für
       den Rest der Welt. „Wir zeigen, dass wir tatsächlich diese Methode
       entwickelt haben und nun anfangen, sie auch anzuwenden“, sagte sie.
       Genehmigt hatte das Anfang 2022 ihre sozialdemokratische Vorgängerin –
       unter Kritik von Umweltschutzverbänden.
       
       Der radioaktive Abfall aus den bis dato zwölf schwedischen Kernkraftwerken,
       insgesamt 12.000 Tonnen, soll in 6000 Kupferkapseln verpackt und in dem
       Tunnelsystem abgelegt werden. Die zuständige, den AKW-Betreibern gehörende
       Atommüllgesellschaft SKB nennt das System KBS-3, nach dem dritten und
       finalen Entwurf für die Endlager-Pläne von 1983. KBS entspricht auch den
       drei Schutzbarrieren des Konzepts: Kupfer, Bentonit und schwedischer
       Felsen.
       
       Eine fünf Zentimeter dicke Kupferschicht umschließt die fünf Meter langen
       Kapseln und ihren Stahlkern. Das Kupfer soll die Behälter gegen Korrosion
       schützen. Gelagert werden sie in dem Tonmineralgemisch Bentonit, das als
       Puffer mögliche Erschütterungen im Berg abfedern soll. Wenn – geplant ist
       das für 2090 – die letzte Kapsel dort abgelegt wurde, soll das Endlager
       versiegelt werden.
       
       ## Doppelte Sicherung gegen Lecks
       
       Das Bentonit soll dann langsam das Grundwasser aufnehmen und die Hohlräume
       füllen. Wunschgemäß würde diese Masse, sollte wider Erwarten doch ein
       Sprung in einer Kupferkapsel entstehen, Wasser am Eindringen in den
       Behälter hindern und radioaktives Material daran, in den Berg zu
       entweichen. Und sollte, erneut wider Erwarten, doch radioaktives Material
       durch die Bentonitschicht dringen, würde der Felsen selbst es mit seinen
       Mikroporen aufhalten. So der Plan.
       
       Zweifel gab und gibt es vor allem an der von SKB behaupteten Beständigkeit
       der Kupferkapseln. Statt unendlicher Haltbarkeit befürchten
       Korrosionsexperten hier einen entscheidenden Schwachpunkt, mit möglichen
       Undichtigkeiten schon nach 100 Jahren. Greenpeace hatte nach der erteilten
       Baugenehmigung der schwedischen Regierung vorgeworfen, sie lasse sich ohne
       Rücksicht auf die Folgen vor den Karren der Atomlobby spannen.
       
       Gebaut wird nun so oder so. Und da die liberal-konservative Regierung mit
       Unterstützung der rechten Schwedendemokraten derzeit alles [2][für eine
       zweite Blüte der schwedischen Atomkraft-Ära] tut, ist die Geschichte wohl
       noch lange nicht auserzählt. Kommen wie staatlich gewünscht und hoch
       gefördert neue Kernkraftwerke hinzu, braucht Schweden mehr
       Endlager-Kapazitäten. Deren hohen Kosten lassen Investoren zögern. Der
       Staat will sich deshalb an künftiger Atommüll-Entsorgung mit
       Milliardensummen beteiligen.
       
       21 Apr 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
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