# taz.de -- Ärger um die Atommüllfässer in der Asse: Schicht im Schacht
> Das Gesetz sieht vor, dass 126.000 Fässer mit Atommüll aus dem
> Asse-Salzbergwerk geborgen werden müssen. Doch plötzlich gelten die Pläne
> nicht mehr.
(IMG) Bild: Ein Warnschild wegen radioaktiver Strahlung in der Asse: Bürgerinitiativen trauen inzwischen keinem Räumungstermin mehr
Neue Hiobsbotschaften aus dem Atommülllager Asse im Kreis Wolfenbüttel: Der
immer wieder – und zuletzt für dieses Frühjahr – angekündigte Plan für die
Bergung der Fässer mit radioaktivem Abfall aus dem maroden Bergwerk wird
erst mal nicht kommen. Die [1][Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE),
Betreiberin des maroden Atommülllagers], bestätigt zugleich, dass damit der
vorgesehene Beginn der Rückholung ab dem Jahr 2033 wohl nicht mehr zu
halten ist.
Grund für die neuerliche Verschiebung seien „Umplanungen im Ablauf“, heißt
es seitens der BGE. Der ursprüngliche Plan habe grobe Zeitabschätzungen
angenommen, die inzwischen überholt seien und sich teilweise als deutlich
zu niedrig angesetzt herausgestellt hätten. Nähere Erläuterungen gab es
nicht. Bei einer öffentlichen Veranstaltung am 14. April will die
Gesellschaft einen neuen Sachstand bekannt geben.
In das frühere Salzbergwerk Asse II wurden zwischen 1967 und 1978 rund
126.000 Behälter mit schwach und mittelradioaktivem Atommüll sowie
chemischen Abfällen gekarrt. Teilweise kippten Radlader die Fässer einfach
in die ehemaligen Abbaukammern ab.
Weil [2][die Grube instabil ist und Wasser eindringt] – täglich sind es
rund 12.000 Liter –, sollen die Abfälle nach Möglichkeit an die Oberfläche
geholt, neu verpackt und in ein noch zu bauendes Zwischenlager gebracht
werden. Die Nachbarschächte von Asse II, Asse I und Asse III waren schon
früher vollgelaufen und aufgegeben worden.
Den gesetzlichen Auftrag für die Bergung der Fässer und die Schließung des
Atommülllagers hat die BGE. Sie hatte im Jahr 2020 einen vorläufigen Plan
vorgelegt, [3][nach dem die Rückholung 2033 starten sollte]. Als ersten
großen Schritt hatte die bundeseigene Gesellschaft den Bau eines weiteren
Schachts angekündigt, um durch diesen die teils rostigen und zerbeulten
Fässer an die Oberfläche zu transportieren. Außer Baugrunduntersuchungen
ist hier aber noch nichts passiert.
## Räumung unterirdischer Atomkippe ist Neuland
Die Kosten nur bis zum Beginn der Bergung schätzte die BGE schon damals auf
mehr als drei Milliarden Euro. Die Kosten für die eigentliche Räumung sind
nicht seriös zu kalkulieren. Weltweit ist bis heute noch nie eine
unterirdisches Atomkippe leer geräumt worden.
Auch aus diesen Gründen wird seit Längerem darüber spekuliert, dass die BGE
die Rückholung der Fässer gar nicht mehr ernsthaft verfolgt. Stattdessen
setze sie darauf, das Bergwerk samt der radioaktiven Abfälle zu fluten – so
hatte sich bereits der frühere Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München,
die Schließung der Asse vorgestellt. Umweltschützer:innen und
atomkraftkritische Wissenschaftler warnen jedoch eindringlich vor einem
solchen Schritt, weil die radioaktiven Abfälle dann auf kurz oder lang in
Kontakt mit dem Grundwasser kämen.
Für Skepsis bei Kritikern sorgt auch, dass die Rückholung schon in der
Vergangenheit [4][mehrfach verzögert worden] ist. Ursprünglich geplante
Zeitrahmen verschoben sich immer weiter nach hinten. Zudem wird bemängelt,
dass Informationen über den Fortschritt, die Risiken und Kosten des
Vorhabens nicht immer klar und umfassend kommuniziert würden.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) ist sauer über die
neuerliche Verschiebung. Die unverzügliche Rückholung der atomaren Abfälle
aus der Schachtanlage Asse II sei nicht nur ein Versprechen an die Menschen
in der Region, sondern ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz, sagte er am
Wochenende dem NDR. „Ich bin empört, dass die vom Bundestag beschlossene
Räumung der Asse auf den Sankt-Nimmerleinstag-Tag verschoben werden soll,
aber stattdessen die Flutung des Bergwerks vorbereitet wird“, sagte Meyer.
Er erwarte von der Bundesregierung Druck auf die BGE, damit diese sich an
das [5][Asse-Gesetz] halte und die Räumung des Atommülls aus dem
absaufenden Bergwerk endlich angeht, betonte Meyer: „Auch die BGE ist an
vom Bundestag beschlossene Gesetze gebunden.“ Das Umweltministerium ist die
für die Rückholung zuständige Genehmigungsbehörde.
Heike Wiegel von der Bürgerinitiative „AufpASSEn“ sagte der taz, ähnlich
wie bei der Suche nach einem Endlager würden auch die Termine für die
Räumung von Asse II immer weiter verschoben: „Man kann ja inzwischen keinem
Termin mehr trauen.“
Mitglieder des Göttinger Arbeitskreises gegen Atomenergie erklärten, die
Ereignisse in und um Asse II zeigten doch, wie „grotesk und gefährlich“ die
zuletzt immer lauter vorgetragenen [6][Forderungen nach einem
Wiedereinstieg in die Atomkraft] seien. Ursula von der Leyen, Markus Söder
und andere prominente Pro-Atom-Protagonisten sollten sich doch mal trauen,
in das rissige Bergwerk einzufahren und sich unter Tage über die Probleme
mit dem Atommüll informieren zu lassen. „Stattdessen setzen diese Damen und
Herren, ohne von der Materie einen Schimmer zu haben, auf Retro-Ideen und
eine Dinosaurier-Technologie.“
15 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bge.de/de/asse/
(DIR) [2] /Probleme-im-ehemaligen-Bergwerk/!6099624
(DIR) [3] /Atommuelllager-Asse/!6023064
(DIR) [4] /Lagerung-des-Asse-Atommuells/!5906619
(DIR) [5] https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl113s0921.pdf#/text/bgbl113s0921.pdf?_ts=1773575963820
(DIR) [6] /Von-der-Leyen-will-Mini-AKWs-foerdern/!6156842
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
## TAGS
(DIR) Asse
(DIR) Anti-Atom-Bewegung
(DIR) Anti-Atom-Initiativen
(DIR) Atom
(DIR) Schwerpunkt Atomkraft
(DIR) Atommüll
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Specht der Woche
(DIR) AKW-Rückbau
(DIR) Asse
(DIR) Asse
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Castor-Atommülltransporte: „Das war ein heftiger Einsatz“
Castor-Transporte fahren durch NRW und niemanden stört’s. Christian Specht
erinnert sich an eine Anti-Atom-Demo, auf der er 1998 war. Und an nervige
Polizisten.
(DIR) Von der Leyen will Mini-AKWs fördern: Jeder Stadt ihr eigenes Atomrisiko
Die EU-Kommission will kleine modulare Reaktoren voranbringen. Dabei
bringen diese nicht weniger Gefahren mit sich als herkömmliche
Atomkraftwerke.
(DIR) Probleme im ehemaligen Bergwerk: Ursache für Salzwasserstrom in Atommülllager Asse entdeckt
Woher kommt die Lauge, die seit Jahrzehnten in das Zwischenlager fließt?
Nun gibt es Hinweise auf die Ursache – in mehreren Hundert Metern Tiefe.
(DIR) Ärger mit dem Atommüll: Rückholung von Atommüll aus der Asse in Gefahr
Die Mitarbeiter des zuständigen Amts klagen beim Umweltminister über die
„Lachnummer“ Endlagersuche. Atommüllfässer bleiben vielleicht im Bergwerk.