# taz.de -- Krieg im Nahen Osten: Iran sollte das Existenzrecht Israels anerkennen
       
       > Ob es zu einem Waffenstillstand im Nahen Osten kommt, hängt von vielen
       > Faktoren ab. Schon jetzt steht fest: Das Mullah-Regime wird aus dem Krieg
       > gestärkt hervorgehen.
       
 (IMG) Bild: Mit der Sperrung der Straße von Hormus hat der Iran die Weltwirtschaft als Geisel genommen
       
       Unmittelbar vor den Gesprächen zwischen den USA und Iran in Islamabad, die
       am Samstag offiziell beginnen sollen, streiten die beiden darüber, worauf
       sie sich bei ihrem von Pakistan jüngst vermittelten Waffenstillstand
       geeinigt hatten. Gilt der auch für den Libanon? Darauf bestehen Iran und
       Pakistan, was Israels Premier Benjamin Netanjahu aber mit Unterstützung des
       US-Präsidenten ablehnt und dort massive Angriffe auf von Iran finanzierte
       Hisbollah-Stellungen veranlasste.
       
       Umgekehrt warf US-Präsident Donald Trump Iran vor, weiter die für die
       globale Ölversorgung wichtige Straße von Hormus zu blockieren. [1][Das
       begründet Teheran mit Israels fortgesetzten Angriffen auf den Libanon.]
       Irans Präsident Massud Peseschkian nannte die in Islamabad geplanten
       Verhandlungen deshalb schon „sinnlos“.
       
       War es zeitweilig unklar, ob die Gespräche stattfinden, sieht es jetzt
       danach aus. Mutmaßlich auf Druck Washingtons bot Netanjahu dem Libanon
       Gespräche für nächste Woche an. Wenngleich er weiter darauf besteht, die
       Hisbollah anzugreifen. Trump beschwichtigte, Netanjahu habe zugesagt, die
       Angriffe zu reduzieren. Das könnte reichen, dass Irans
       Verhandlungsdelegation nach Pakistan reist. Das maximal zu erwartende
       Ergebnis ist ein stabilerer und langfristigerer Waffenstillstand, sofern
       man sich darauf einigen kann, was er genau beinhaltet: vor allem die
       Öffnung der Straße von Hormus im Tausch gegen ein Ende von Israels
       Angriffen auf den Libanon. Schon das klingt nach Mission Impossible.
       
       Eine Schwäche des Waffenstillstands wie der Verhandlungen ist zweifellos,
       dass Israel nicht daran beteiligt ist – wie auch nicht der Libanon oder
       andere betroffene Länder mit Ausnahme Saudi-Arabiens. Netanjahu hatte laut
       [2][Recherchen der New York Times] Trump zum Iran-Angriff angestiftet und
       war wohl von der Kehrtwende des US-Präsidenten überrascht, die
       hauptsächlich aus innenpolitischen Gründen stattfand. Der Krieg ist in den
       USA unbeliebt, widerspricht Trumps Wahlversprechen und könnte seinen
       Republikanern im November bei den Midterms eine Wahlniederlage bescheren.
       
       ## Trump hat sich verkalkuliert
       
       Trump hat sich mit dem Angriff auf Iran, das sich nicht wie Venezuela nach
       dem Enthauptungsschlag seinem Diktat fügte, verkalkuliert. Nur mit
       Luftangriffen ist das Regime nicht zu besiegen. Doch beim Einsatz von
       Bodentruppen drohen Verluste, die der US-Bevölkerung kaum zu vermitteln
       sind. Trump hat Teherans Widerstandsfähigkeit und asymmetrische
       Kriegsführung unterschätzt. Für die vom Regime mutmaßlich angestrebten,
       aber noch nicht verfügbaren Atomwaffen hat es einen effektiven Ersatz
       gefunden. Die Sperrung der [3][Straße von Hormus] ist jetzt Irans
       „Atombombe“, mit der die Weltwirtschaft als Geisel genommen und die USA
       vorgeführt werden können.
       
       Trumps schrille Drohungen der Auslöschung von Irans Zivilisation sind
       verpufft. Die Waffenruhe ermöglicht ihm jetzt, verbal abzurüsten. Doch je
       näher die US-Wahlen kommen, desto schwieriger wird es für ihn, den Krieg
       bei einem Scheitern des Waffenstillstands wieder zu eskalieren. Die Zeit
       arbeitet für Irans Diktatur. Für sie ist jeder Tag ein Gewinn. Netanjahu
       dagegen braucht die Fortsetzung des Krieges für den eigenen Machterhalt,
       solange seine Kriegsziele nicht erreicht sind. Beim Südlibanon favorisiert
       er ein mit Gaza vergleichbares Vorgehen, das schon dort Israel keine
       nachhaltige Sicherheit gebracht hat.
       
       Die Waffenruhe ist kein Frieden, sondern nur eine Pause, in der verhandelt
       werden kann. Nachhaltigen Frieden kann es erst geben, wenn Iran das
       Existenzrecht Israels anerkennt und Israel seinerseits nicht den Nahen
       Osten unter Umgehung des Völkerrechts zu seinen Gunsten verändern will.
       Doch dafür bräuchte es die Bereitschaft Israels und Irans, berechtigte
       Interessen der Gegenseite anzuerkennen. Das ist bei Israels rechtsradikaler
       Regierung, die immerhin noch abgewählt werden kann, so wenig vorstellbar
       wie bei Irans Mullah-Diktatur.
       
       Die wurde durch den jetzigen Krieg politisch gestärkt, in dem sie jetzt mit
       der Straße von Hormus die Kontrolle über 20 Prozent der Weltölexporte
       bekam. Der Krieg hat wieder bestätigt, dass ein Regimechange nicht von
       außen herbei gebombt werden kann. Die Chance des Waffenstillstands liegt
       allein darin, den Irrweg des Krieges zu beenden. Dauerhafter Frieden ist
       nicht in Sicht, Gewalteskalationen sind hingegen jederzeit möglich.
       
       10 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Krieg-im-Libanon/!6169387
 (DIR) [2] https://www.nytimes.com/2026/04/07/us/politics/trump-iran-war.html
 (DIR) [3] /-Nachrichten-im-Irankrieg-/!6169385
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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