# taz.de -- Krieg Israel-Libanon: Erstmals direkte Gespräche in Aussicht
> Für Anfang nächster Woche soll es in Washington erste direkte
> Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon geben. Derweil gehen die
> Angriffe auf Südlibanon weiter.
(IMG) Bild: Die israelischen Angriffe im Südlibanon gehen weiter
Neue Bombardierungsdrohungen und Evakuierungsaufforderungen des
israelischen Militärs haben bei den Menschen in den südlichen Stadtvierteln
Beiruts Angst und Panik ausgelöst. Unter den von der israelischen Armee als
„rot“ markierten Vierteln waren auch Straßenzüge, die zuvor nicht von
Massenflucht vor Bombardierung betroffen waren, wie Furn el Chebbak und
Jnah. Die WHO warnte, in Jnah seien 450 Patienten in Krankenhäusern von den
Drohungen betroffen. Im roten Gebiet liegt auch das große staatliche
Rafik-Hariri-Krankenhaus.
Die Hisbollah ihrerseits hat in der Nacht zu Freitag Israel mit zwei
Raketen beschossen. [1][Bereits am Mittwoch hatte die israelische Armee im
Libanon 100 Ziele in nur 10 Minuten bombardiert]. Die Angriffe trafen die
Zivilbevölkerung ohne Vorankündigung. In Beirut wurden Wohnhäuser in zehn
dicht bewohnten Vierteln getroffen.
Hunderte flohen nach den Angriffen auf den öffentlichen Platz, auf dem
bereits andere durch den Krieg vertriebene Familien in Zelten übernachten.
Auch direkt gegenüber wurde am Mittwoch angegriffen, erzählt die
Vertriebene Fatima Zaiter. „Sie haben hier bombardiert, direkt gegenüber
von uns.“
Zynisch sagt sie: „Normal, wir sind das schon gewohnt. Ich bin nicht
wütend. Außer vielleicht über die Toilettensituation.“ Waschräume oder
Steckdosen gibt es nicht. Seit mehr als einem Monat schläft die Familie
Zaiter auf dem Parkplatz.
## Israelische Angriffe auf den Südlibanon gehen weiter
Wie so viele hatten sie kurz gehofft, bald in ihre Wohnung in Süd-Beirut
zurückzukehren, als am Mittwoch die Waffenruhe im Iran-Krieg verkündet
wurde. [2][Doch Israel verschont den Libanon nicht]. Bei den
Bombardierungen am Mittwoch wurden mindestens 303 Menschen getötet und
1.150 verletzt, zählt das Gesundheitsministerium. Darunter sind viele
Kinder und Frauen. Israelische Angriffe seit dem 2. März haben insgesamt
1.888 Menschen getötet und 6.092 verletzt.
Die Suche nach Leichen unter Trümmern ging an mehreren Orten am Donnerstag
weiter, ebenso die Identifizierung zahlreicher Toter.
Am Donnerstag gingen die israelischen Angriffe im Südlibanon weiter,
darunter Luftangriffe von Kampfjets in den Orten Kfar Dounin und Ansarieh
sowie dem Marktplatz in Bint Jbeil, der Stadt Kafra und dem Gebiet Haret
al-Baidar al Foukani. Auch der israelische Einmarsch im Südlibanon geht
weiter. Die Stadt Khiam wurde mit Panzern und Schusswaffen beschossen,
meldet die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA.
Israels Hauptfront befände sich derzeit im Libanon, sagte Generalstabschef
Eyal Zamir bei einer „Lagebeurteilung“ am Donnerstag während des
Einmarsches nahe dem Dorf Bint Jbeil im Südlibanon.
## Libanesisch-israelische Gespräche für nächste Woche angekündigt
Nächste Woche soll es direkte Gespräche zwischen dem Libanon und Israel in
Washington geben. Ein Beamter des US-Außenministeriums sagte der
Nachrichtenagentur AFP, das Ministerium werde das Treffen ausrichten. Der
israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Donnerstag
gesagt, sein Kabinett werde „direkte Verhandlungen“ mit dem Libanon
aufnehmen. Bisher hatte Israels Regierung Gesprächsangeboten aus Beirut
eine Absage erteilt.
Geholfen haben bei der Kehrtwende soll der US-Sondergesandte Steve Witkoff.
Laut hochrangigen US-Beamten soll er Netanjahu gebeten haben, die Angriffe
im Libanon zu verringern und sich an den Verhandlungstisch zu setzen.
Netanjahu soll den ehemaligen Minister für Strategische Aufklärung, Ron
Dermer, zum Verhandler für das „Libanon Dossier“ ernannt haben. Dermer gilt
als Netanjahus enger Berater und Vertrauter – zwar auf einer politischen
Hardliner-Linie, aber nicht so kontrovers in der Wortwahl.
10 Apr 2026
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(DIR) Julia Neumann
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