# taz.de -- Verhandlungen zwischen USA und Iran: Wer führt, wer bestimmt?
> Am Samstag sollen die Verhandlungen zwischen Iran und USA zu einem
> Waffenstillstand starten. Wer für die Länder am Tisch sitzen wird, ist
> unklar.
(IMG) Bild: In Teheran feierten Anhänger am Donnerstag den 40. Tag des Todes von Ayatollah Ali Chamenei
Am Donnerstagmorgen twitterte der iranische Botschafter in Pakistan, am
Abend wolle die iranische Delegation in Islamabad eintreffen. Dreißig
Minuten später meldete die Nachrichtenagentur Tasnim, die als Sprachrohr
der Iranischen Revolutionsgarden auftritt, der Tweet sei gelöscht worden.
Das lässt sich so interpretieren: Der Botschafter hatte ihn offenbar
abgesetzt, ohne vorher die Revolutionsgarden einzubinden.
Damit ist fraglich, ob am Freitag oder Samstag die Verhandlungen zwischen
Iran und den USA beginnen, in denen die Kriegsparteien über die Bedingungen
einer Waffenruhe sprechen wollen. Denn: Es ist vollkommen unklar, wer für
den Iran als Ganzes sprechen kann. Und auch aufseiten der USA sind die
Rollen noch nicht geklärt.
Politik und Diplomatie waren nie Sache der Revolutionsgarden. Nach dem Tod
des Obersten Führers Ali Chamenei in den ersten Kriegstagen befindet sich
das iranische Regime auf neuem Terrain. Es fehlt der Ausgleicher und
Entscheider, der am heutigen Donnerstag zum 40. Tag seines Todes im ganzen
Land frenetisch gefeiert wurde: eine Macht- und Mobilisierungsdemonstration
à la schiitisch. Sein Leben war genauso ein Gottesgeschenk wie sein Tod,
hatten die Revolutionsgarden in einem Aufruf zu den Feierlichkeiten
geschrieben. Nach den Kämpfen mit dem externen Feind ist die Garde offenbar
nun mit inneren Konflikten beschäftigt, die für sie vielschichtiger und
komplizierter sind.
## Angriffe auf Libanon gehen weiter
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf scheint
jedenfalls davon auszugehen, dass er die iranische Delegation führt. Obwohl
seit 40 Tagen das Internet im Land abgeschaltet ist, twittert er emsig. Am
Donnerstagmorgen schrieb er nun: „Von Anfang an haben wir den laufenden
Prozess mit Misstrauen verfolgt. Wie vorhergesagt haben die Vereinigten
Staaten erneut ihre Verpflichtungen noch vor Beginn der Verhandlungen
verletzt.“ Gemeint sind damit unter anderem „die [1][anhaltenden
israelischen Angriffe auf den Libanon]“.
Ob die Feuerpause auch für israelische Angriffe im Libanon gelten sollte,
darüber wird bereits heftig gestritten. Pakistan sagt ja, die USA sagen
nein – und der gleichen Ansicht ist natürlich die israelische Regierung,
was sie auch direkt am Mittwoch und Donnerstag mit anhaltenden Angriffen
auf das Land demonstrierte. Immerhin: Am Mittwochabend sagte J. D. Vance
vor der Presse in Budapest, er werde Netanjahu bitten, während der
Verhandlungen die Angriffe auf Libanon einzustellen. Am Donnerstag war
davon allerdings noch nichts zu merken.
Die Revolutionsgarden können die Geschehnisse im Libanon nicht ignorieren.
Dass die Hisbollah sich im jetzigen Krieg eingemischt hat und nicht wie bei
den israelischen Angriffen im Juni 2025 auf den Iran schwieg, führen viele
Beobachter auf direkte Intervention der Revolutionsgarden zurück. Manche
gehen sogar so weit und behaupten, die militärische Führung der Hisbollah
liege nach dem Tod von Hassan Nasrallah in den Händen der sogenannten
Al-Quds-Brigade der Garden.
Der iranische Parlamentspräsident Ghalibaf ist von zu Hause aus zwar ein
Gardist der ersten Stunde, machte als 17-Jähriger aber zunächst bei der
Basidsch-Miliz Karriere, bevor er zu den Revolutionsgarden wechselte.
Inzwischen hat er sich zu einem Lebemann entwickelt, der gern teure
Sonnenbrille trägt und sich bei seinen Auslandsreisen als Pilot seines
eigenen Flugzeuges filmen lässt.
## Der iranische Präsident hat nichts zu sagen
Die drei mächtigen Gardisten, die derzeit das Schicksal des Rests der
islamischen Republik bestimmen, gehörten immer zu den radikalsten: der
oberste Befehlshaber der Garde, Ahmad Vahidi, der von Interpol gesucht
wird, der neue Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Mohammad Bahger
Zolghadr, der dem ermordeten Ali Laridschani folgte, und schließlich Ahmad
Reza Radan, der gefürchtete Polizeikommandant des Landes, der bei
Massentötungen in den vergangenen 40 Jahren immer in vorderster Reihe
stand. Wo sich diese drei Personen in diesem riesigen Land befinden, weiß
niemand, alle drei müssen einstweilen in ihren Verstecken bleiben, denn ihr
Auftauchen könnte den sicheren Tod bedeuten. Auch der iranische Präsident
Massud Peseschkian tritt kaum in der Öffentlichkeit auf, doch ob im
Verborgenen oder im Tageslicht, er hat sowieso nichts zu sagen.
Und aufseiten der USA? Noch am Mittwoch hieß es, der US-amerikanische
Vizepräsident J. D. Vance werde die US-Delegation führen, er werde direkt
nach seinem Besuch bei Viktor Orbán von Budapest nach Islamabad fliegen.
Auch das ist inzwischen fraglich. Als sicher gilt nur, der pakistanische
Ministerpräsident Shehbaz Sharif wird am Verhandlungstisch sitzen, wann und
mit wem auch immer.
Und wer sich noch immer fragt, [2][warum eigentlich Pakistan zu den
Verhandlungen geladen hat]: Das Land hat eine 900 Kilometer lange Grenze
mit Iran. In Pakistan befinden sich zudem keine US-Luftwaffenstützpunkte –
im Gegensatz zu den vorigen Vermittlern in der Golfregion. Pakistan ist
außerdem stark von Ölimporten abhängig, von denen ein großer Teil über die
[3][Straße von Hormus] geliefert wird.
9 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ali Sadrzadeh
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