# taz.de -- Debatte über Demokratieförderung: Die AfD dankt, eine Sozialdemokratin schämt sich
> Der Bundestag debattierte am Freitag über die Einschnitte bei „Demokratie
> leben“. Die CDU bekam dabei mehr Zuspruch von rechts als vom
> Koalitionspartner.
(IMG) Bild: Am Freitag protestierten Campact-Aktivist:innen vor dem Bundestagsgebäude, während drinnen über den Umbau von „Demokratie leben“ debattiert wurde
Was machen, wenn der Koalitionspartner Mist baut? Für Mitglieder der
Regierungsfraktionen gibt es in solchen Fällen drei Optionen: a)
dagegenhalten, b) lavieren oder c) die Klappe halten. Im Bundestag mussten
sich am Freitag mal wieder SPD-Abgeordnete zwischen den drei Varianten
entscheiden. Auf Antrag der Linken wurde dort nämlich über die Einschnitte
diskutiert, die die Union [1][derzeit beim Förderprogramm „Demokratie
leben“ plant].
Zwei Redebeiträge standen den Sozialdemokrat*innen in der Debatte
zu. Der hessische Abgeordnete Felix Döring hielt den ersten und entschied
sich für Ansatz b). Die Pläne aus dem Haus von Familienministerin Karin
Prien (CDU) verteidigte er zunächst gegen Kritik aus der Opposition. So sei
es „eine halbe Nummer drüber“, angesichts der Ankündigungen Priens vom
Projekt „Demokratie sterben“ zu sprechen. Die Koalition bekenne sich zu
„Demokratie leben“, auch „wenn die Vorstellungen manchmal ein Stück weit
auseinandergehen, wie sich das im politischen Handeln konkret ausdrückt“.
Dann folgte subtil verpackte Kritik. Döring nannte Projektträger [2][wie
HateAid] oder die Frauenhauskoordinierung. „Gerade in diesen Zeiten ein
ganz großes Thema und gerade da wäre es ein schwieriges politisches Signal
zu sagen: Da geht es nicht weiter“, sagte Döring. Aber Prien habe ja schon
klargestellt, das sich Träger, deren Förderung gestrichen wird, neu
bewerben können.
Das „ein oder andere Fragezeichen“ habe er in Hinblick auf die Aussage der
Ministerin, das Förderprogramm erfülle seine Ziele nicht. Wissenschaftliche
Evaluierungen sprächen „eine andere Sprache“. Über die Zukunft des
Förderprogramms will er mit Prien und der Zivilgesellschaft „in einen
konstruktiven Austausch kommen und bleiben“.
Was das im Klartext heißen könnte? Eine freie Übersetzung bot
[3][Grünen-Fraktionsvize Misbah Khan] an, die direkt nach dem
SPD-Abgeordneten sprach. „Was es nicht gibt, sind eine transparente
Strategie, ein überzeugendes Konzept“, sagte sie. „Das haben wir übrigens
gerade auch, wer es nicht verstanden hat, vom Kollegen Döring gehört.“
## Esken ist „beschämt“
Ohne Dolmetscherin kam später in der Debatte die zweite Rednerin der SPD
aus. Ex-Parteichefin Saskia Esken wählte Variante a) und ging den
Koalitionspartner offen an. Durch Priens Pläne würden langfristig zugesagte
Finanzierungen vorzeitig auslaufen. Selbst wenn sich die betroffenen Träger
neu bewerben könnten: „Diese Aufkündigung sorgt in der Zivilgesellschaft
für Verunsicherung.“ Betroffenen Projektmitarbeiter*innen böte der
Hinweis auf eine neue Bewerbung „wenig Trost und noch weniger Sicherheit“.
Mühsam aufgebaute Strukturen fielen in sich zusammen.
Konkret nannte auch Esken die Organisation HateAid, die gegen Hass und
Gewalt im Internet arbeitet. Aktuell zeige der Fall von Collien Fernandes,
wie wertvoll die Arbeit der Initiative sei.
Dass sich der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß auf Social Media darüber
freut, dass die Förderung vermutlich ausläuft, zeige eines: „Wie
erfolgreich die Kampagnen von rechts außen mittlerweile bis ins bürgerliche
Lager hineinwirken.“ Die Organisation „im Duktus der AfD als
linksaktivistisch zu bezeichnen und das mögliche Ende der Förderung zu
feiern, beschämt mich“, sagte Esken weiter.
## Dankeschön von der AfD
Die Debatte eröffnet hatte zuvor die Linken-Abgeordnete Clara Bünger. Der
Union warf sie vor, genau das zu machen, was die AfD wolle: „demokratische
Grundwerte als verdächtig markieren“. Der SPD als Koalitionspartner warf
sie vor, „eine Politik mitzutragen, die die Zivilgesellschaft schwächt und
am Ende nur der AfD hilft“.
Auch Ministerin Prien selbst sprach in der Debatte. Teile des
Förderprogramms seien „ohne jeden Zweifel erfolgreich“, sagte sie. Allen
Engagierten danke sie ausdrücklich. Die CDU-Politikerin wiederholte aber
auch, dass sich „nicht alles in der Praxis bewährt“ habe. Die geplante
Reform sei Ausdruck eines „lernfähigen Systems“.
Mehr Zustimmung als vom Koalitionspartner erhielt sie dafür in der Debatte
von der AfD. „Ein herzliches Dankeschön an Frau Prien“ sprach zum Beispiel
der Abgeordnete Kay Gottschalk aus. Aus Sicht der AfD ist für die Union
allerdings auch noch Luft nach rechts: Denn eigentlich, so etwa der
Abgeordnete Martin Reichardt, müsse das Programm „gänzlich abgeschafft
werden“.
„Demokratie leben“ wurde 2014 von der damaligen Großen Koalition
eingerichtet, auch als Reaktion auf die Morde des NSU. Das Fördervolumen
beträgt aktuell 200 Millionen Euro im Jahr. Prien hat angekündigt, das
Projekt umzubauen und schon bis zum Jahresende mehr als 200
Demokratieprojekte auslaufen zu lassen. Eine Petition dagegen erreichte auf
der Plattform Campact innerhalb von zwei Tagen bis Freitagnachmittag
[4][knapp 45.000 Unterschriften].
28 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Umbau-des-Programms-Demokratie-Leben/!6164747
(DIR) [2] /Einreiseverbot-wegen-Zensur-Vorwurf/!6141394
(DIR) [3] /Gruene-Vize-Fraktionsspitze-Misbah-Khan/!6108267
(DIR) [4] https://weact.campact.de/petitions/kein-kahlschlag-der-demokratiearbeit/
## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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