# taz.de -- Verzwergung der SPD: Trugschluss „hart arbeitende Mitte“
       
       > Die SPD-Spitze glaubt, dass ihr Bürgergeld schuld an den Wahlpleiten ist.
       > Dabei dürfte der Niedergang eher am unsicheren Selbstbild liegen.
       
 (IMG) Bild: Die SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil am Montag nach der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz
       
       Die SPD-Spitze und der rechte Seeheimer Kreis haben den Schuldigen für die
       Wahlniederlagen der Partei dingfest gemacht: Es war das Bürgergeld. Denn
       seit diesem Sündenfall glaube das Wahlvolk, [1][die SPD interessiere sich
       nur für das „untere Fünftel“ und andere Nischenthemen.] Diese Analyse ist
       aus zwei Gründen verblüffend: Seit Monaten beteuern die Parteivorsitzenden
       Lars Klingbeil und Bärbel Bas fast täglich, Politik für „die hart
       arbeitende Mitte“ zu machen, kurzum für die normalen Leute, und nicht für
       Transferempfänger. Diese Botschaft stößt aber bei der als „arbeitende
       Mitte“ ziemlich diffus beschriebenen Zielgruppe auf taube Ohren. Offenbar
       fühlen sich WählerInnen in einer extrem individualisierten Gesellschaft als
       Vertreter des Durchschnitts nicht angesprochen, geschweige denn
       wertgeschätzt.
       
       Ein gravierender Fehler ist die Kopplung von Wahlniederlage und Bürgergeld.
       Die SPD hat in der Ampelregierung den Kampf darum gegen die Übermacht von
       Union, AfD und rechten Medien verloren. Deren Propaganda lautete, dass die
       SPD mit dem Bürgergeld dafür sorge, dass die harte arbeitende
       Krankenschwester Arbeitslose finanziere, die es sich auf der faulen Haut
       gut gehen lassen und außerdem oft keine Deutschen seien.
       
       Gegen diese Kampagne war kein Kraut gewachsen. Die Sozialdemokratie war
       meist stark, wenn sie Interessen von Unterprivilegierten und Mittelschicht
       verband. Daran war kaum zu denken.
       
       Dass man Kämpfe verliert, kommt vor. [2][Haarsträubend aber ist, wenn eine
       Partei nach einer Niederlage die Agitation ihrer Gegner übernimmt] – eine
       Art politisches Stockholmsyndrom. Genau das tut die SPD-Spitze mit den
       Beteuerungen, nur noch für die arbeitende Mitte da zu sein und nicht mehr
       für Bürgergeldempfänger. Die Union reißt derzeit vieles ein, wofür die
       Scholz-Regierung stand. Linken NGOs wird das Geld gestrichen, die
       Wärmewende wird rückabgewickelt. Die SPD beobachtet diese Abwicklung teils
       ratlos – und beteiligt sich auch noch daran. Sich Asche auf das Haupt zu
       schütten, wirkt nicht souverän, sondern verunsichert. Wer wählt eine Partei
       mit einem unsicheren Selbstbild?
       
       24 Mar 2026
       
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