# taz.de -- Neue Regierung in Chile: Rechte Restauration
       
       > Mit José Antonio Kast rückt Chile nach rechts. Damit erhöht sich die Zahl
       > autokratisch agierender Staatschef:innen erneut.
       
 (IMG) Bild: Hat die breite Unterstützung der Bevölkerung: Chiles neuer Präsident José Antonio Kast
       
       Mit dem [1][Amtsantritt von José Antonio Kast] beginnt in Chile eine neue
       politische Phase: eine rechtskonservative Restauration. Zum ersten Mal seit
       dem Ende der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet im Jahr 1990 zieht ein
       Präsident in den Regierungspalast La Moneda ein, der sich offen auf diese
       politische Tradition bezieht. Dass Kast seine Präsidentenschärpe mit dem
       Nationalwappen besticken ließ – ein Symbol, das zuletzt Pinochet getragen
       hatte –, steht symbolisch für diese Rückkehr zum neoliberalen
       Autoritarismus. Die politische Phase des progressiven Aufbruchs, die die
       soziale Revolte 2019 eingeleitet hatte, ist damit endgültig beendet.
       
       Kasts breite Unterstützung in der Bevölkerung lässt sich nicht nur mit
       einem ideologischen Rechtsruck erklären, sondern ist auch ein Ausdruck
       enttäuschter Menschen über gewünschte ausbleibende Veränderungen. Der linke
       Präsident Gabriel Boric hatte einst große Hoffnungen auf sozialen Wandel
       geweckt. Doch Prozess, der aus der Revolte hervorgegangen war, scheiterte.
       Dieses Vakuum konnte Kast nutzen. Viele Chilen*innen sorgen sich über
       steigende Kriminalität und wirtschaftliche Unsicherheit. Kast hat diese
       Ängste aufgegriffen und politisch instrumentalisiert. Indem er die Proteste
       von 2019 für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes
       verantwortlich macht und sie mit Kriminalität und Chaos gleichsetzt, kann
       er sich erfolgreich als Retter der verloren geglaubten Ordnung
       präsentieren.
       
       Mit seiner Rhetorik, die von Begriffen wie Familie, Gott und Vaterland
       geprägt ist und ein Freund-Feind-Schema reproduziert, das Migrant*innen
       als Gegner einer vermeintlichen Ordnung kriminalisiert, reiht er sich in
       den Diskurs der globalen Rechten ein. Kast ist Teil einer internationalen
       Allianz rechter, rechtslibertärer und rechtsextremer Politiker*innen, zu
       denen auch [2][Javier Milei in Argentinien], Giorgia Meloni in Italien und
       die AfD in Deutschland gehören. Außerdem bekommt US-Präsident Donald Trump
       mit Kast einen neuen strategischen und ideologischen Partner auf dem
       lateinamerikanischen Kontinent, auf dem er seine Einflusssphäre ausweiten
       will, um China zurückzudrängen. Kasts Amtsantritt markiert deshalb nicht
       nur einen politischen Richtungswechsel im Land, sondern auch einen
       möglichen neuen Abschnitt im geopolitischen Ringen zwischen den USA und
       China in Lateinamerika.
       
       Ob mit Kasts Regierung wirklich eine „neue Ära“ beginnt, wie er behauptet,
       hängt auch von der Stärke der Opposition im Parlament und auf der Straße
       ab. Viele seiner Vorhaben brauchen Mehrheiten im Kongress, die er nicht
       sicher hat. Gleichzeitig mobilisiert der neue Präsident Widerstand der
       sozialen Bewegungen: Hunderttausende demonstrierten zuletzt am
       [3][feministischen Kampftag in Santiago de Chile]. Frauen und queere
       Menschen fürchten, dass der rechtsextreme Präsident ihre hart erkämpften
       Rechte einschränken wird. Sie werden sich gegen den autoritären Backlash
       wehren.
       
       12 Mar 2026
       
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