# taz.de -- EU-Abhöraffäre: Orbáns Regierung im Spionageverdacht
       
       > Hat Ungarn jahrelang Informationen von EU-Treffen an Russland
       > weitergegeben? Den Verdacht gab es schon lange. Nun sollen Beweise
       > aufgetaucht sein.
       
 (IMG) Bild: Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó (l.) spricht mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow (28.11.2025)
       
       dpa/ap/afp/taz | Die mutmaßliche Weitergabe von EU-internen Informationen
       durch Ungarn an Russland sorgt in Brüssel für Empörung. Eine Sprecherin der
       EU-Kommission von Ursula von der Leyen bezeichnete es am Montag als
       „äußerst besorgniserregend“, dass der ungarische Außenminister seinem
       russischen Amtskollegen vertrauliche Beratungen auf Ministerebene
       offengelegt haben könnte.
       
       „Ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedstaaten untereinander sowie
       zwischen ihnen und den Institutionen ist für die Arbeit der EU von
       grundlegender Bedeutung“, sagte sie. „Wir erwarten daher von der
       ungarischen Regierung eine Klarstellung.“
       
       Zuvor hatte die US-Zeitung Washington Post unter Berufung auf einen
       früheren ungarischen Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitsbeamte aus
       anderen europäischen Ländern berichtet, dass die Regierung von
       Ministerpräsident Viktor Orbán seit Jahren Moskau Informationen zu
       sensiblen Diskussionen in der EU übermittle.
       
       Außenminister Péter Szijjártó soll demnach sogar während der Pausen bei den
       EU-Treffen regelmäßig mit seinem russischen Amtskollegen [1][Sergej Lawrow]
       telefoniert haben, um ihn über die Inhalte dieser Gespräche zu informieren.
       
       ## Ungarn empört über Abhör-Aktion
       
       Die ungarische Regierung versuchte unterdessen den Blick darauf zu lenken,
       dass die Geheimdienst-Informationen nur über das Abhören von Ungarns
       Außenminister Szijjártó gewonnen werden konnten. „Das Abhören eines
       Regierungsmitglieds ist ein schwerer Angriff gegen Ungarn“, schrieb
       [2][Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán] bei Facebook. Er habe seinen
       Justizminister angewiesen, die Informationen im Zusammenhang mit den
       Abhör-Aktionen gegen Szijjártó zu überprüfen.
       
       Szijjártó nannte Tusks Aussagen auf X „Fake News“. „Ihr verbreitet Lügen,
       um die Tisza-Partei zu unterstützen und eine
       Pro-Kriegs-Marionettenregierung in Ungarn zu installieren. Das werdet ihr
       nicht bekommen!“, sagte er.
       
       Tisza ist die führende Oppositionspartei in Ungarn, die drei Wochen vor den
       Parlamentswahlen in Umfragen vorn liegt. Der ungarische Oppositionsführer
       und Spitzenkandidat bei der im April anstehenden Parlamentswahl, Péter
       Magyar, sprach angesichts der Berichte von „Hochverrat“. Nach derzeitigen
       Informationen arbeite Szijjártó „mit den Russen zusammen und verrät
       ungarische und europäische Interessen“, schrieb er auf Facebook.
       
       ## Wenig Überraschung aus Polen
       
       Die polnische Regierung vermutet nach Angaben von Ministerpräsident Donald
       Tusk schon lange, dass Ungarn EU-Informationen an Russland weitergibt. „Die
       Nachricht, dass Orbáns Leute Moskau über EU-Ratssitzungen bis ins Detail
       informieren, sollte niemanden überraschen“, schrieb Tusk auf X. „Wir hatten
       schon lange unsere Vermutungen. Das ist ein Grund, warum ich das Wort nur
       ergreife, wenn es unbedingt nötig ist, und dann nur so viel sage, wie
       nötig.“ Die Beziehungen zwischen Polen und Ungarn sind angespannt, unter
       anderem wegen Budapests Blockade von EU-Hilfen für die Ukraine und der
       engen ungarischen Beziehungen zu Russland.
       
       Die Spionagevorwürfe reihen sich in eine längere Liste von Anschuldigungen
       ein: Jahrelang soll die ungarische Regierung EU-Beamte überwacht haben, das
       [3][hatten das ungarische Investigativmedium Direkt36 und die belgische
       Zeitung De Tijd schon 2024 aufgedeckt]. Laut Spiegel habe [4][der
       ungarische Geheimdienst versucht, hochrangige EU-Beamte zu rekrutieren].
       Der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Freund [5][erstattete wegen Spionage im
       Oktober Strafanzeige gegen den ungarischen Regierungschef und gegen
       Unbekannt].
       
       23 Mar 2026
       
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       rekrutieren.