# taz.de -- Friedrich Merz und der Irankrieg: Der Kanzler hat eine Eingebung
> Wegen des Irankriegs kritisiert der Bundeskanzler Trump und Netanjahu nun
> mit deutlichen Worten. Endlich findet Friedrich Merz zu den Tatsachen.
(IMG) Bild: Lange Leitung: Bundeskanzler Friedrich Merz
Es gibt diese Momente, in denen sich Friedrich Merz ereifert und
Erkenntnisse ausspricht, die ihm scheinbar blitzartig gekommen sind. Die
Aussage, dass es in Iran keine militärische, sondern nur eine politische
Lösung geben werde, fällt in diese Kategorie von Einsichten. Vor gerade
einmal zwei Wochen hatte sich der Kanzler noch [1][von Trump einspannen
lassen, über Spanien zu ätzen,] das sich als einziges EU-Land auch ganz
praktisch gegen die US-Angriffe stellt. Nun fährt Merz zumindest rhetorisch
einen anderen Kurs.
Die Erkenntnis sickert langsam, dafür umso wirksamer bei ihm ein. Und sie
dürfte für einen CDU-Kanzler besonders schmerzhaft sein: Die USA und Israel
haben sich kopflos in einen Krieg gestürzt, dessen Folgen für fast alle
Menschen in der Region brutal und für den Rest der Welt nicht absehbar
sind. Merz lässt den verbitterten Transatlantiker raushängen, der darüber
enttäuscht ist, über den Einsatz der USA nicht vorher informiert worden zu
sein. Jetzt sollen Trump und Netanjahu also gucken, wo sie bleiben,
[2][deutsche Schiffe gibt es jedenfalls nicht!]
Dass man den USA die Nutzung der Basis in Ramstein für den
völkerrechtswidrigen Krieg verbietet, steht nicht zur Debatte. Was aber in
der Diskussion oft untergeht: Die Heuchler aus Russland und China können
nun wiederum den USA und der EU vorwerfen, Predigten über die
internationale regelbasierte Ordnung seien reine Heuchelei – sobald eigene
Interessen auf dem Spiel stehen. Wo diese Interessen liegen, lässt sich
aktuell hervorragend bei den Übergewinnen von US-Energiekonzernen sehen,
die von den steigenden Weltmarktpreisen für ihr teures Schiefergas massiv
profitieren. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass
auch europäische Kriegsschiffe in der Straße von Hormus amerikanische
Ölgeschäfte absichern sollen.
Tatsächlich hat dieser Krieg das Potenzial, die Autorität Washingtons
weiter zu unterminieren – mit der Folge, dass Trumps Erzrivalen aus
[3][China sich immer glaubhafter als die wahren Hüter von Völkerrecht] und
nationaler Souveränität gegenüber der Weltgemeinschaft präsentieren können.
Das kann in niemandes Interesse sein. Die Fehler der anderen zu benennen,
das hat Merz mit Blick auf Israel und die USA geschafft. Eine Antwort
darauf, welche eigenen Strategien er für Deutschland und die EU in dieser
Gemengelage sieht, ist er schuldig geblieben. Ein materialistischer Blick
auf die weltpolitische Lage könnte auch anderen im Kanzleramt die Augen
öffnen.
17 Mar 2026
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