# taz.de -- Iran-Krieg: Es droht ein neues Massaker an der Bevölkerung
       
       > Unter dem Druck von Wirtschaft und Öffentlichkeit will Trump ein
       > schnelles Ende des Krieges. Das Regime sollen die Iraner selbst stürzen.
       > Nur wie?
       
 (IMG) Bild: Das iranische Regime funktioniert noch: Die Polizei kontrolliert die Straßen von Teheran, um jegliche Proteste zu unterdrücken
       
       Wenn es bei aller Unbedarftheit, mit der sich die USA in diesen Krieg
       gestürzt haben, so etwas wie einen vagen Fahrplan gab, dann war es
       folgender: Durch anhaltende Luftschläge sollte das iranische Regime derart
       geschwächt werden, dass ein Aufstand im Inneren eine realistische Chance
       hat, die Islamische Republik zu stürzen. Die Iraner sollen sich letztlich
       selbst befreien.
       
       Auf dem Papier klingt das gut. Und zumindest bei einem Punkt dürften sich
       die meisten einig sein: Eine Welt ohne die Islamische Republik wäre eine
       bessere. Seit Jahrzehnten finanziert und baut Teheran radikalislamische
       Milizen auf, die die ganze Region destabilisieren. Und erst im Januar
       beging das Regime ein Massaker an der eigenen Bevölkerung, [1][mit bis zu
       30.000 getöteten Demonstranten].
       
       Allein, der Plan scheint nicht aufzugehen: Das Regime ist nach Ayatollah
       Ali Chameneis Tod nicht zusammengebrochen – dafür sind seine Strukturen zu
       komplex – und auch niemand, der mit den USA einen Kompromiss eingehen
       könnte – dafür ist das Regime zu ideologisch. Teheran leistet weiter
       massive Gegenwehr und [2][indem es die Straße von Hormus blockiert], hält
       es die Weltwirtschaft im Würgegriff. Die Kosten des Krieges steigen.
       
       ## Trump stellt Kriegsende in Aussicht
       
       Angesichts dessen scheint Trump den Krieg bald beenden zu wollen. So
       stellte er es jedenfalls am Dienstag in Aussicht. Ob man ihm das angesichts
       seiner erratischen Politik abnehmen darf, ist zweifelhaft. Doch es gibt
       noch andere Anzeichen, die auf ein baldiges Ende des Krieges deuten.
       
       So richtete sich der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu am
       Mittwoch auf X an die iranische Bevölkerung: „In den kommenden Tagen werden
       wir die Bedingungen schaffen, damit ihr euer Schicksal in die Hand nehmen
       könnt. (…) Wenn der Moment gekommen ist, geben wir den Stab an euch
       weiter.“ Zeitgleich verkündete [3][Reza Pahlavi, Sohn des Schahs und
       aktuell der einflussreichste iranische Oppositionspolitiker]: „Wir befinden
       uns jetzt in der entscheidenden Phase unseres Kampfes. (…) Bald folgt mein
       finaler Aufruf.“ Damit dürfte ein Protestaufruf an die Bevölkerung gemeint
       sein. Bereits am 8. und 9. Januar folgten mehrere Millionen Iraner Reza
       Pahlavis Aufruf. Das Regime reagierte mit einem Massenmord.
       
       Vieles lässt befürchten, dass es dieses Mal noch schlimmer kommen könnte.
       Gespräche mit Menschen in Iran zeigen, dass vor allem die Jüngeren bereit
       sind, noch einmal auf die Straße zu gehen. „Wir haben nichts zu verlieren“,
       sagen sie, oder auch: „Es ist unsere einzige Chance, unser Land zu
       befreien.“
       
       Ein überhastetes Ende des Krieges birgt das Risiko, die Menschen abermals
       ins offene Messer laufen zu lassen. Denn obwohl Kasernen zerbombt sind,
       sind die Befehlsketten im Sicherheitsapparat relativ intakt. Auch die
       wichtigsten Drahtzieher der Repression, vom Polizeichef Ahmad-Reza Radan
       und IRGC-Chef Ahmad Vahidi bis hin zum De-facto-Machthaber Ali Laridschani,
       sind noch am Leben und aktiv. In den letzten Tagen richteten sie sich
       wiederholt mit Drohungen an ihr eigenes Volk: Wer auf die Straßen gehe,
       werde als Feind behandelt, sagte etwa Polizeichef Radan am Mittwoch.
       
       Dennoch halten Trump und Netanjahu an ihrem Plan fest: Den Gnadenstoß soll
       das iranische Volk dem Regime selbst versetzen. Für sie gibt es nichts zu
       verlieren. Im besten Fall gelingt der Sturz; im schlimmsten Fall kommt es
       zu neuen Massentötungen und einer weiteren Isolation Teherans. Auch das
       wäre im Interesse Netanjahus und Trumps. Damit lastet das volle Risiko auf
       den Schultern der einfachen Bevölkerung.
       
       12 Mar 2026
       
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 (DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6158834
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