# taz.de -- Regierungserklärung vor EU-Gipfel: Versuch des Auftrumpfens
       
       > Vor dem EU-Gipfel geht der Bundeskanzler auf Distanz zu den USA. Man
       > wolle sich nicht mehr unter Wert verkaufen, so Merz.
       
 (IMG) Bild: Merz im Bundestag: neue Töne gegenüber Washington
       
       Wie das zerrüttete Verhältnis zu den USA in Worte kleiden? Fast schon
       poetisch wird der Bundeskanzler in seiner Regierungserklärung am Mittwoch
       im Bundestag. „Wenn etwas zu schwinden beginnt, dann wächst auch der Wille,
       sich zu behaupten“ so Friedrich Merz frei nach Hölderlin. Merz ist an
       diesem Mittwoch auf dem Sprung zum Treffen der EU-Staatschef:innen am
       Donnerstag und Freitag und wagt mit der EU im Rücken eine kleine
       Kampfansage an die Adresse der US-amerikanischen Regierung: „Wir wollen und
       wir werden uns nicht mehr unter Wert verkaufen“. Und weiter: „Ein vereintes
       Europa ist die einzige und wichtigste Garantie für Deutschlands
       Sicherheit.“ Transatlantische Partnerschaft, pah.
       
       Seine EU-Liebesadresse richtet der Bundeskanzler aber auch direkt an die
       AfD-Fraktion, „Sie werden in Brüssel nicht gebraucht“. Nun ja, Manfred
       Weber sieht das zuweilen anders.
       
       Merz will einen Strich unter die zweifelhaften Absprachen im EU-Parlament
       zwischen der Europäischen Volkspartei und den Rechtsextremen ziehen aber
       wohl auch unter seinen [1][eigenen verunglückten Auftritt im Weißen Haus]
       vor zwei Wochen. Er spricht vom „Machtpotential der EU“, welches mit 450
       Millionen Einwohnern immerhin 100 Millionen mehr als die USA habe. Er habe
       Trump beim Besuch vor zwei Wochen gesagt, dass er „erwarte“, dass die
       Zollvereinbarung mit der EU endlich umgesetzt werde. Dieser Markigkeit wird
       sich der US-amerikanische Präsident kaum entziehen können, zumal das
       Abkommen zum Vorteil der USA ist.
       
       Eines der wichtigsten Themen, über welches die 27 Regierungschef:innen
       in Brüssel sprechen, ist die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit – mehr
       Binnenmarkt, einheitliche Regeln, weniger Bürokratie. Merz verspricht, dass
       Deutschland zum Antreiber für Bürokratieabbau werde – und hat in diesem
       Augenblick wohl schon vergessen, dass d[2][ie EVP das Lieferkettengesetz im
       vergangenen Jahr nur zusammen mit den Rechtsextremen] schleifen konnte.
       
       Die Grünen sehen die Bundesregierung auch beim Thema Energie auf dem
       falschen Pfad, Fraktionschefin Katharina Dröge spricht sogar von „Irrsinn“.
       Dass man in dieser Zeit den Menschen sage: „Kauft wieder Öl- und
       Gasheizungen, fahrt wieder mit Diesel und Benzin“, sei so, als werbe man
       für eine Droge, die einen kaputtmache.
       
       ## Viele Fragen offen
       
       Merz erneuert im Bundestag am Mittwoch aber auch seine Kritik an den
       Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Viele Fragen seien offen, „wir
       hätten abgeraten diesen Weg zu gehen.“ Aber Deutschland wurde ja nicht mal
       gefragt und ist nun, auch das bekräftigt Merz, nicht bereit, der
       Aufforderung der USA Folge zu leisten und Kriegsschiffe in die Straße von
       Hormus zu entsenden. Merz stellt aber einen deutschen Beitrag nach Ende der
       Kampfhandlungen in Aussicht und betont, dass der Krieg schnell enden müsse,
       man brauche Stabilität im Nahen Osten.
       
       Unions-Fraktionschef Jens Spahn mildert die Kritik seines Parteichefs etwas
       ab. „Die USA bleiben unsere wichtigsten Verbündeten, wir teilen viele Ziele
       auch im Nahen Osten.“ Man erwarte aber ein umsichtiges Vorgehen.
       
       Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Heidi Reichinnek, sieht einen Krieg um
       Macht und fordert die Bundesregierung auf, die US-Militärbasis Ramstein zu
       schließen und den US-Kampfflugzeugen die Überflugrechte zu entziehen.
       Allerdings muss sich Reichinnek auch heftige Kritik am
       „Antizionismus-Beschluss“ der niedersächsischen Linken anhören, bis hin zur
       steilen Behauptung Spahns, der dabei demonstrativ den Kopf um 180 Grad
       schwenkt: „Rechts und Links versinken zusammen im Morast des
       Antisemitismus.“
       
       Für AfD-Chef Tino Chrupalla steht indes fest, dass „der Krieg in der
       Ukraine ebenso wenig unser Krieg ist, wie der im Nahen Osten“, Co-Chefin
       Alice Weidel fordert, die Sanktionen für Russland zu beenden und die
       Gesprächsfäden wieder aufzunehmen. Diese Auffassung hat die AfD im
       Bundestag exklusiv. Bei Trump würden die Rechtsextremen dagegen offene
       Türen einrennen.
       
       Ein Thema des EU-Gipfels, über welches bislang Uneinigkeit herrscht, ist
       die weitere Unterstützung der Ukraine. Ungarn blockiert aktuell die
       eigentlich einstimmig vereinbarten Milliardenhilfen und wirft der Ukraine
       vor, die Reparatur der für Ungarn wichtigsten Versorgungspipeline mit Öl
       „Druschba“ zu verzögern. Merz kündigte an, sich mit „Nachdruck“ für die
       Freigabe des Kredits über 90 Milliarden Euro einzusetzen. Aber ob das den
       wahlkämpfenden Victor Orbán beeindruckt?
       
       18 Mar 2026
       
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