# taz.de -- Geheimdienst-Chef in Iran getötet: An der Spitze des Regimes verdächtigt wohl jeder jeden
> Geheimdienstminister Ismail Chatibzadeh wurde bei einem israelischen
> Angriff getötet. Das zeigt, wie sehr der Mossad den iranischen
> Geheimdienst unterlaufen hat.
(IMG) Bild: Die Beerdigung von Ali Laridschani in Teheran: beinahiger Zusammenbruchs des iranischen Geheimdienstes?
Was Israel in diesen Tagen bei seinem Vorgehen gegen die Islamische
Republik zustande bringt, wird Militärhistoriker mit Sicherheit lange Zeit
beschäftigen. Vieles wird man nicht erfahren, bis es in einigen Jahrzehnten
in den Memoiren eines Mossad-Agenten preisgegeben wird. Blickt man auf die
Details, wie [1][Ali] Laridschani, Chef des Nationalen Sicherheitsrats, und
Geheimdienstminister Ismail Khatibzadeh von Israel getötet wurden, drängt
sich der Eindruck [2][eines beinahigen Zusammenbruchs des iranischen
Geheimdienstes] auf. [3][Der einer war Chefstratege] und der andere der
oberste Geheimnisträger des Landes. Beide befanden sich vier Dekaden lang
im inneren Kern der Entscheidungsträger.
Wie tief in dieses System eingedrungen wurde, welche Menge an Informationen
Israel erreicht hat, ist überwältigend, fast unglaublich. Laridschani hatte
sich in einer Wohnung im Teheraner Vorort Pardis versteckt. Das ist ein
Stadtteil, der seinen Bewohnern als Albtraum gilt: Häuser ohne
Eigentumsurkunden, erschwerter Zugang zu kommunalen Dienstleistungen,
ständiger Lärm. Laridschani wurde am Dienstag dort zusammen mit seinem
Sohn, seiner Tochter sowie einem seiner Stellvertreter und mehreren
Leibwächtern getötet.
Einige Stunden später und zehn Kilometer weiter wurde der
Geheimdienstminister Ismail Chatibzadeh in einem Haus in einer verwinkelten
Gasse im Stadtteil Zaferānieh getötet. Fast gleichzeitig wurde Gholamreza
Soleimani, Chef der gefürchteten paramilitärischen Verbände Basij, in einem
Zeltlager im Zentrum der Stadt ausfindig gemacht und liquidiert.
## Drohnenschmuggel und Geheimquellen
Ein Berg von Informationen muss diesen drei Attentaten vorausgegangen sein,
bevor die Raketen gezündet wurden. Und die Informanten müssen in so hohen
Positionen gewesen sein, dass nun an der Spitze des Regimes wohl jeder
jeden verdächtigt. Und das ist wiederum psychologischer Krieg, der wohl
jeden im System verunsichern wird.
Der Mossad verfügt – nach allem, was man bislang weiß – über ein großes
Netz an klandestinen Mitarbeitern, das schon seit Jahren flächendeckend
gegen die Islamische Republik agiert und sich offenbar aus mehreren
iranischen Quellen speist.
Das, was wir dieser Tage erleben, ist der zweite Krieg innerhalb von neun
Monaten, bei dem Israel schon am ersten Tag die wichtigsten Leute
eliminiert. Vor dem Krieg im vergangenen Juni hatte man im Vorfeld [4][eine
geheime Basis errichtet, auf der man Drohnen lagerte, die zuvor ins Land
geschmuggelt worden waren]. Die präzisionsgesteuerten Waffen wurden in der
Nähe iranischer Boden-Luft-Raketensysteme positioniert und beim Beginn der
Offensive eingesetzt. Die iranische Luftabwehr war damit praktisch
neutralisiert.
## Wer verriet Ali Chamenei?
Man muss sich die Namen und Positionen in Erinnerung rufen, [5][die im
Krieg 2025] schon am ersten Tag eliminiert wurden: Generalmajor Mohammad
Bagheri, Stabschef der iranischen Streitkräfte und Architekt der iranischen
Doktrinen für Drohnen- und Cyberkriegsführung. Generalmajor Hossein Salami,
Kommandeur der Revolutionsgarden. Generalmajor Gholam Ali Rashid, Leiter
der Militäroperationen. Abbasi Dawani, Schlüsselfigur der Nuklearplanung.
Mehdi Tehranchi, [6][der Kernphysiker, der geheime Forschungen leitete].
Fast alle dieser hochrangigen Militärs wurden in unterschiedlichen
Stadteilen in ihren Schlafzimmern getötet, um kurz nach Mitternacht.
Ähnlich verhält es sich beim aktuellen Krieg. Schon am ersten Tag wurde der
mächtigste Mann des Landes samt seiner wichtigen Militärberater und fast
seiner gesamten Familie getötet. Und das an einem Samstagsvormittag. Dass
Israel an Shabbat und am helllichten Tag angreifen würde – damit hatte Ali
Chamenei nicht gerechnet, als er an diesem Tag alle seine Berater bei sich
versammelte. Dabei rechnete er wohl schon damit, dass jederzeit der Krieg
beginnen könnte, denn zuvor hatten die Verhandlungen mit den USA
ergebnislos geendet.
Wer aber informierte Israel von diesem Treffen im Hause Chamenei? Jahre
werden wir wohl warten müssen, bis wir es erfahren.
18 Mar 2026
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