# taz.de -- Weimers Kampf gegen Literatur: Keine Kultur, kein Konservativer
> In die Deutsche Nationalbibliothek gehören gedruckte Bücher. Kurz vor der
> Leipziger Messe bringt Weimer die komplette Branche gegen sich auf.
(IMG) Bild: Ist nach Ansicht von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer schon groß genug: die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig
In der Biblioteca Laurenziana zu Florenz befindet sich ein unschätzbar
wertvolles Objekt. Der Codex Amiatinus ist eine der ältesten
Bibel-Handschriften der Welt. Er stammt aus dem 8. Jahrhundert. Die
illuminierte Schrift glänzt seit weit über eintausend Jahren.
Elektronische Datenträger sind eine Erfindung der letzten 60 Jahre. Niemand
weiß, wie haltbar diese Instrumente sein werden. Aber schon heute findet
sich kaum mehr ein Rechner, der in der Lage wäre, die Inhalte einer
Floppy-Disk zu laden. Dabei sind die Dinger erst 1969 erfunden worden. Ob
die elektronischen Datenträger von unseren Nachfahren auch in eintausend
Jahren noch gelesen werden können?
Aber Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verkündet das Aus für den dringend
nötigen Erweiterungsbau der [1][Deutschen Nationalbibliothek] und empfiehlt
stattdessen, dass die Bibliothek lieber elektronische Ware sammeln soll. Er
tritt damit ganz nebenbei 7 Millionen Euro in die Tonne, die schon für die
Planung des Gebäudes geflossen sind. Weimers Entscheidung räumt mit dem
Missverständnis auf, beim Kulturstaatsminister handele es sich um einen
[2][konservativen Kopf].
Konservativ ist es natürlich nicht, mal eben ein seit dem 17. Jahrhundert
verbreitetes System der Pflichtexemplare abzuschaffen. Konservativ war auch
nicht Weimers Entscheidung, linken Buchhandlungen einen Preis
vorzuenthalten. Wer konservativ denkt, will bewahren. Wer konservativ
handelt, ist ein Verfechter der Meinungs- und Gedankenfreiheit. Weimer
dagegen ist lediglich ein [3][Kulturbanause], dessen Interesse für
Gedrucktes nicht über das Sammeln von Geldscheinen hinausgeht.
Mit seinen Entscheidungen hat er das Kunststück fertiggebracht, eine ganze
Branche just vor der [4][Leipziger Buchmesse] gegen sich aufzubringen. Das
hat für eine bemerkenswerte Klarheit gesorgt, die sich sicherlich auf den
erwarteten Auftritt des Kulturstaatsministers bei der Messe-Eröffnung am
Mittwochabend niederschlagen wird. Dafür sei ihm an dieser Stelle
ausdrücklich gedankt.
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Deutsche-Nationalbibliothek-in-Leipzig/!5946763
(DIR) [2] /Kulturstaatsminister-Wolfram-Weimer/!6157080
(DIR) [3] /Kommender-Kulturstaatssekretaer-Weimer/!6085041
(DIR) [4] /Schwerpunkt-Leipziger-Buchmesse/!t5031096
## AUTOREN
(DIR) Klaus Hillenbrand
## TAGS
(DIR) Wolfram Weimer
(DIR) Kulturinstitut
(DIR) Bibliothek
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Meinungsfreiheit
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Leipziger Buchmesse
(DIR) Wolfram Weimer
(DIR) Leipzig
(DIR) Schwerpunkt Leipziger Buchmesse
(DIR) Wolfram Weimer
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Wolfram Weimer auf der Buchmesse: Unfreundlicher Empfang für den Kulturkampf-Staatsminister
Kulturstaatsminister Weimer wird bei der Eröffnung der Leipziger Buchmesse
ausgebuht. Der Börsenverein erneuert seine Generalkritik an dem Politiker.
(DIR) Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat
Kulturstaatsminister Weimer trifft unpopuläre Entscheidungen und entzieht
sich dann der öffentlichen Auseinandersetzung. Wie feige ist das denn?
(DIR) Weimer und Leipziger Bibliotheksbau: Ein „Moratorium“, kein Stopp
Viel Kritik folgte auf Wolfram Weimers Plan, den Erweiterungsbau der
Nationalbibliothek Leipzig zu stoppen. Nun rudert der Kulturstaatsminister
zurück.
(DIR) Wolfram Weimer und die Buchbranche: Chronik eines Desasters
Ein Kulturstaatsminister, der zur Buchmesse die Buchbranche geschlossen
gegen sich aufbringt, hat ein Problem. Und ist selbst eines. Wie es dazu
kam.
(DIR) Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig: Weimer rasiert Leipziger Bibliothekspläne
Der Kulturstaatsminister stoppt einen Erweiterungsbau der
Nationalbibliothek in Leipzig. Begründung: Das Sammeln von Druckwerken sei
nicht mehr zeitgemäß.
(DIR) Weimer und der autoritäre Kulturkampf: Störende Zwischentöne
Die Erregungsroutinen aktueller Debatten sind mit einem tief autoritären
Charakter imprägniert. Am Ende der Straße wartet auf uns die Welt der
Trumps.