# taz.de -- Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat
       
       > Kulturstaatsminister Weimer trifft unpopuläre Entscheidungen und entzieht
       > sich dann der öffentlichen Auseinandersetzung. Wie feige ist das denn?
       
 (IMG) Bild: Kein Rundgang dieses Jahr mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer über die Leipziger Buchmesse
       
       Ausgeladen ist ausgeladen. Das hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer
       offenbar so schnell geschnallt, wie er selbst Ausladungen ausspricht. Und
       streicht mal flugs seinen Rundgang über die Buchmesse in Leipzig.
       Ausgeladen hatte ihn der frühere Leipziger Literaturprofessor Alfonso de
       Toro – und das ganz [1][ohne Hilfe des Verfassungsschutzes], sondern einzig
       [2][mit einem offenen Brief]. De Toro findet, der „Herr Staatsminister“
       passe nicht zu einer „toleranten und vielfältigen Stadt wie Leipzig“.
       
       Wohlwollend könnte man schlussfolgern, Weimer sei gar nicht so unbelehrbar,
       wie manche vielleicht glauben, er hört auf einen Professor in Rente. Aber
       so einfach ist das natürlich nicht. Vielmehr darf man davon ausgehen, dass
       Weimer zu jenen Menschen gehört, die gern austeilen, aber nicht einstecken
       können. Auf Pfiffe hätte sich Weimer gefasst machen müssen, sobald er am
       Donnerstag nur einen Fuß auf das Messegelände gesetzt hätte. Zu übermäßig
       ist die Kritik an seinen [3][bislang prominentesten Entscheidungen]: Umgang
       mit der Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, Streichung dreier linker Buchläden
       von der Liste des Buchhandlungspreises, sein [4][Vielleicht-Nein zum
       Erweiterungsbau der Nationalbibliothek].
       
       Offensichtlich will er sich nicht anhören, was andere dazu zu sagen haben,
       er ist er zu feige, sich öffentlichen Debatten zu stellen. Auf diese Rolle
       als Kulturstaatsminister war er vermutlich nicht vorbereitet. Allerdings
       sollten aktive Politiker:innen ein wenig härter im Nehmen sein, das
       hätte ihm mal jemand vor Amtsantritt ins Ohr flüstern sollen. Denn was
       Politiker:innen auch immer machen, Angriffe kommen fast immer, in der
       Regel härter als vermutet.
       
       Sich grämen dürfen sie gern heimlich. Aber als Repräsentant:innen der
       Politik, für die sie angetreten sind, sollten sie dafür öffentlich gerade
       stehen und sich den Debatten stellen, die sie angezettelt haben. Weimer ist
       nicht nur ein rechtskonservativer Kulturkämpfer, er ist ein rückgratloser
       rechtskonservativer Kulturkämpfer.
       
       18 Mar 2026
       
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