# taz.de -- Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig: Weimer rasiert Leipziger Bibliothekspläne
       
       > Der Kulturstaatsminister stoppt einen Erweiterungsbau der
       > Nationalbibliothek in Leipzig. Begründung: Das Sammeln von Druckwerken
       > sei nicht mehr zeitgemäß.
       
 (IMG) Bild: „Kopfpilz“: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos, für CDU)
       
       Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die Bücher – das ist offenkundig
       eine schwierige Verbindung. Als wäre [1][das anhaltende Gezerre um den
       Buchhandelspreis] nicht genug, bringt Weimer nun die Bibliotheksszene gegen
       sich auf – ausgerechnet in Leipzig, eine Woche vor Start der Buchmesse.
       
       Am Donnerstag hatte die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig mitgeteilt,
       dass sich der Kulturstaatsminister gegen den seit Jahren geplanten
       Erweiterungsbau entschieden hat. Als „hochfunktionales und klimastabiles
       Magazin“ sei es darauf ausgelegt gewesen, „die sichere Aufbewahrung von
       derzeit rund 35,5 Millionen Medienwerken für etwa 30 Jahre zu
       gewährleisten“, so die Bibliothek, die [2][seit 1913 nahezu sämtliche
       Publikationen in deutscher Sprache archiviert]. Täglich gehen nach ihren
       Angaben rund 13.100 neue Werke ein, davon 3.300 in analoger Form.
       
       Mag sein, der Magazinbau sei trotzdem ein vorgestriges und angesichts der
       Baukosten umso überflüssigeres Vorhaben, befand jetzt sinngemäß Weimer.
       „Zur Begründung seiner Entscheidung erklärte der Staatsminister, die
       Sammlung körperlicher Medienwerke bis weit in die Zukunft hinein sei nicht
       mehr zeitgemäß; die Deutsche Nationalbibliothek solle sich stärker auf die
       digitale Sammlung konzentrieren“, teilte die Bibliothek mit. Ein Sprecher
       Weimers bestätigte die Angaben.
       
       Dabei schreibt Weimer doch selbst so gern Bücher. „Warum die Rückkehr der
       Religion gut ist“ etwa. Oder das „Konservative Manifest“. Nicht zu
       vergessen sein lyrisches Frühwerk, der längst nicht mehr erhältliche
       Gedichtband „Kopfpilz“ von 1986, [3][in dem der heutige Staatsminister
       Berichten zufolge reichlich herumschweinerte]. „Kopfpilz“ befindet sich
       laut dem Bibliothekskatalog übrigens nicht unter den über 50 Millionen
       Medieneinheiten im Bestand. Schwer bedauerlich eigentlich.
       
       ## „Handstreichartiger Stopp“
       
       Doch zurück zu den von Weimer rasierten Leipziger Bibliotheksplänen. Denn
       die dazugehörige Empörung folgte am Freitag von allen Seiten. „Früher war
       gerade den Konservativen die physische Bewahrung von Kulturgut wichtig,
       wofür steht konservative Kulturpolitik heute?“, zeigte sich der
       Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, fassungslos.
       
       Auch der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) kritisiert die irritierende
       Begründung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit
       deutlichen Worten. „Gerade gedruckte Bücher – ebenso wie andere physische
       Medienformen – sind fundamentale Träger von Kultur, Wissen und Geschichte“,
       sagte BVDM-Hauptgeschäftsführerin Kirsten Hommelhoff. Ihre dauerhafte
       Sicherung sei „für Forschung, Kulturwissenschaft und gesellschaftliche
       Erinnerung essenziell“.
       
       Ähnlich Peter Kraus vom Cleff, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins
       des Deutschen Buchhandels, der zudem von einem „handstreichartigen Stopp“
       und einer „völlig falschen Entscheidung“ sprach. Der Bau werde nicht nur
       dringend benötigt, er sei auch „lange, sorgfältig und kostenbewusst“
       geplant.
       
       Die Gesamtkosten waren ursprünglich mal mit 130 Millionen Euro angesetzt.
       Inzwischen sei es jedoch gelungen, „30 Millionen Euro unter den
       ursprünglich bewilligten Kosten zu kalkulieren“, so die Bibliotheksleitung.
       Bereits am Donnerstag hatte die Deutsche Nationalbibliothek Weimer daran
       erinnert, dass in die Planungen für die Erweiterung schon rund 7 Millionen
       Euro geflossen sind.
       
       13 Mar 2026
       
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 (DIR) Rainer Rutz
       
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