# taz.de -- Weimer und Leipziger Bibliotheksbau: Ein „Moratorium“, kein Stopp
> Viel Kritik folgte auf Wolfram Weimers Plan, den Erweiterungsbau der
> Nationalbibliothek Leipzig zu stoppen. Nun rudert der
> Kulturstaatsminister zurück.
(IMG) Bild: Wenn es print ist, kann das weg?
dpa/taz | Nach heftiger Kritik hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer
klargestellt, dass der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in
Leipzig noch nicht endgültig gestoppt ist. Eine abschließende Prüfung der
Planungsunterlagen durch die Bauverwaltung des Bundes stehe noch aus und
die langfristige Finanzierung sei nicht gesichert, erklärte der parteilose
Politiker in Berlin. „Das daraus resultierende Moratorium bedeutet aber
nicht, dass das Vorhaben gestrichen ist.“
Die Bibliothek hatte vergangene Woche mitgeteilt, Weimer habe sich gegen
die Realisierung des Erweiterungsbaus entschieden. Dieser sollte
langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien aufbewahren zu
können. Das ist der Auftrag der Deutschen Nationalbibliothek mit ihren
Standorten in Leipzig und Frankfurt am Main. Die Deutsche
Nationalbibliothek nimmt auch das Pflichtexemplarrecht wahr. Alle in
Deutschland erscheinenden Veröffentlichungen unterliegen einer solchen
Ablieferungspflicht.
Die Magazinkapazitäten in Leipzig sind nach Darstellung der Leitung nahezu
erschöpft. In die Planung des Erweiterungsbaus, dem nunmehr fünften
Zusatzbau in Leipzig, flossen nach offiziellen Angaben bereits rund sieben
Millionen Euro. Geplant hat das schlichte Gebäude das Dresdner
Architekturbüro Code Unique.
Mit seinem Entwurf hatte sich Code Unique 2024 in einem nichtoffenen
Wettbewerb unter 16 teilnehmenden Büros durchgesetzt. Der Bau, dessen
Fertigstellung für 2030 anberaumt war, hätte nach Weimers Darstellung
Gesamtkosten von mehr als 100 Millionen Euro erzeugt.
## Auch Weimer will „Gedächtnis der Nation“ bewahren
Der Generaldirektor der Nationalbibliothek, Frank Scholze, wurde in Weimers
Mitteilung mit den Worten zitiert: „Wir begrüßen die Entscheidung des
Staatsministers sehr, den nächsten Schritt auf dem Weg zur Realisierung des
Baus zu gehen.“ Es sei gesetzlicher Auftrag und gesamtgesellschaftliche
Verantwortung, das kulturelle Erbe im „Gedächtnis der Nation“ zu bewahren.
„Dass hierzu inzwischen ein breiter Konsens mit dem Staatsminister und der
Öffentlichkeit besteht, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft
unseres Landes“, erklärte Scholze.
Weimer selbst erklärte: „Selbstverständlich ist und bleibt der Bund der
Deutschen Nationalbibliothek als Schatzkammer unseres schriftlichen
Kulturerbes verpflichtet, ebenso wie ihrem Standort in Leipzig.“ Bei der
Umsetzung des Sammelauftrags werde man künftig auch die Möglichkeiten der
Digitalisierung stärker einsetzen. Aber man werde „gemeinsam auch in
Zukunft den Erhalt eingehender physischer Medienwerke sicherstellen“.
Die Klarstellung kommt nach tagelanger Kritik. Über einen Sprecher hatte
Weimer vergangene Woche erklärt: „Grundsätzlich strebt Staatsminister
Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek
zukünftig weitestgehend digital abzubilden.“
18 Mar 2026
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