# taz.de -- Der Iran-Krieg und die Golfstaaten: Keine Ruhe mehr am Persischen Golf
> Sie galten als Stabilitätsanker in einer Krisenregion: die Golfstaaten.
> Iran ist nun zum Feind geworden – und die Staaten müssen sich neu
> positionieren.
(IMG) Bild: Eine Drohne soll am Flughafen von Dubai am 16.03.2026 einen Treibstofftank getroffen haben
Keines der arabischen Golfländer wollte diesen Krieg, das lässt sich mit
einer gewissen Sicherheit sagen. Doch ob er nun, da er ausgebrochen ist, so
schnell wie möglich wieder enden muss – daran scheiden sich derzeit die
Geister.
Die Golfstaaten, auch wenn sie gern als solche zusammengefasst werden, sind
individuelle und souveräne Staaten, mit bis zum Beginn des Krieges
unterschiedlichen Beziehungen zu Iran. Manche galten als etwas
freundlicher, wenn auch nicht herzlich – etwa im Fall von Katar und Oman.
Manche als kühler und vor allem der Begrenzung bestehender Konflikte
dienend – etwa im Fall Saudi-Arabiens oder der Vereinigten Arabischen
Emirate. Allen ist gemein, dass sie sich – trotz teils massiver Konflikte
in der Vergangenheit – mit dem Regime der Islamischen Republik arrangiert
hatten.
Ein Grund dafür: Alle Golfstaaten wollen Ruhe in ihrer unmittelbaren
Nachbarschaft. Sie galten bis zum Ausbruch des Irankriegs Ende Februar als
Stabilitätsanker in einer von Konflikten geprägten Region. Von Riyadh über
Doha bis Abu Dhabi wurde dies über die Jahre aufgebaut. Die Formel dafür,
zusammengefasst: wirtschaftlich und politisch gen Westen gewandt, aber
eigenständig; ausreichend im Prozess der Liberalisierung, um ein modernes
Image pflegen zu können; durch smart genutzten Ressourcenreichtum reich und
damit mächtig genug, um sich nicht andienen zu müssen, sondern selbst
Einfluss zu nehmen.
## Angriffe und Blockade
Im Krieg zeigen sich die Schwächen und Stärken. Das größte Problem ist die
Geografie. Mit Ausnahme von Saudi-Arabien und Oman liegen die wichtigsten
Häfen der Golfländer westlich der Straße von Hormuz. Dieser Meerenge
zwischen Iran, den Emiraten und Oman hat sich derzeit Iran bemächtigt und
lässt nur noch Schiffe – bislang etwa mit Bezug zu Indien oder China – mit
seiner Genehmigung passieren.
Das ist nicht nur für die Golfstaaten ein Problem, sondern letztlich für
die ganze Welt. [1][Fast 40 Prozent des global gehandelten Rohöls passierte
Clarksons Research zufolge vor Kriegsbeginn die Meerenge.] Hinzu kamen fast
20 Prozent des raffinierten Öls, außerdem etwa 20 Prozent des weltweit
transportierten LNG (Liquified Natural Gas), Produkte wie Helium und
Dünger, erdölbasierte Chemikalien, Metalle und Halbleiter.
Saudi-Arabien verfügt über eine Pipeline, mit der es Erdöl ans Rote Meer
pumpen und so weiter verschiffen kann. Das löst aber nicht die Probleme
Katars. Und ist außerdem nur ein Bruchteil dessen, was sonst aus dem Golf
auf den weltweiten Energiemarkt fließt. Dass Iran genau das tun könnte, was
es nun tut – die Straße von Hormus blockieren –, war stets eine Befürchtung
am Golf. Und ein wichtiger Grund, einen eher deeskalatorischen Umgang mit
dem Regime zu wählen.
Nicht nur die Blockade ist derzeit ein Problem. Iran beschießt die
arabischen Golfstaaten mit Raketen und Drohnen. Die Aussage seitens
Teheran, man ziele auf US-Einrichtungen in den jeweiligen Ländern, ist
völlig unhaltbar. Zivile Infrastruktur wurde beschossen: Flughäfen,
Stromversorgung, Energieversorgung, Wohngebäude und Hotels. Zwar geht die
Zahl der Angriffe derzeit zurück – was als Zeichen gewertet wird, dass sich
das Regime seine verbliebenen Raketen und Drohnen einteilt. Doch eine
Rückkehr zum Alltag ist unter dieser Gefahrenlage nicht möglich.
## Iran ist „unser Feind geworden“
Dass Iran befähigt ist, am ganzen Arabischen Golf anzugreifen, war seinen
Nachbarn immer bewusst. Saudi-Arabien hatte das etwa 2019 an zwei Ölanlagen
erfahren müssen. Ganz zu schweigen [2][von der Iran-unterstützten
Huthi-Miliz im Jemen, mit der Riyadh und Abu Dhabi sich einen
ausgewachsenen Krieg lieferten.] Sie sind Teil eines Netzes von
pro-iranischen Milizen, „Achse des Widerstands“ genannt. Diese war stets
Teil der iranischen Verteidigungs- und Machtstrategie.
Dass die Golfländer nun heftig attackiert werden – obwohl etwa
Saudi-Arabien und die Emirate deutlich machten, dass die USA für einen
Angriff auf Iran ihren Boden nicht nutzen dürften – sorgt für Frustration.
Abdulaziz Sager, Direktor des Gulf Research Center in Saudi-Arabien, sagt:
„Als sie begonnen haben, uns zu bombardieren, sind sie unser Feind
geworden. Es gibt keinen anderen Weg, sie zu beschreiben.“ Aus Katar und
den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen ähnliche Töne.
## Waren die Angriffe auf die Golfstaaten ein Fehler?
Mit seiner Strategie, die Golfstaaten anzugreifen und so Druck auf die
Weltwirtschaft und die USA aufzubauen, könnte Iran einen vielleicht
existenziellen Fehler begangen haben. Darüber, wie nun weiter mit dem
Regime umzugehen ist, scheint bislang keine Einigkeit am Golf zu herrschen:
Katar pocht auf ein baldiges Kriegsende und eine Rückkehr zum
Verhandlungstisch. Oman äußert sich ebenso.
Aus anderen Golfstaaten kommen wiederum gegenteilige Signale. Es besteht
die Sorge, dass ein verwundeter und geschwächter, aber eben nicht besiegter
Iran, in der Zukunft erst recht zum Problem werden könnte. Dass das Regime
an atomarer Bewaffnung arbeiten würde – und dafür braucht es keine
ausgewachsene Atombombe. Ein herkömmlicher Sprengkörper mit nuklearer
Beigabe, eine sogenannte Dirty Bomb, wäre bereits ein Bedrohungsszenario.
Auch an seinen Verteidigungsstrukturen – und damit an Raketen und Drohnen,
die wiederum die Golfstaaten erreichen – dürfte es dann wieder mit
Hochdruck arbeiten.
Iran dürfte aus der derzeitigen Blockade der Straße von Hormus gelernt
haben: Die Strategie wirkt. Die Welt ächzt. Abdulaziz Sager sagt: „Wenn die
USA sich zurückziehen, bevor die Aufgabe vollendet ist, werden wir uns dem
Iran allein gegenüber stellen müssen.“ Das Misstrauen gegenüber der
Islamischen Republik – immer ein Pariah-Staat gewesen – ist größer als je
zuvor.
## Es herrscht auch Misstrauen gegenüber Israel
In den Krieg eintreten will aber bislang keines der Golfländer – vielleicht
auch, weil die USA und Israel das Regime weiter empfindlich treffen.
Täglich werden Angriffe auf die Verteidigungsstrukturen vermeldet, erst
kürzlich der wichtige [3][Regime-Kopf Ali Laridschani] getötet. Ein
möglicher Einstieg in den Krieg könnte als „letzter Ausweg“ belassen
werden.
Auch wenn es im Interesse der Golfstaaten ist, dass Iran sie künftig nicht
mehr angreifen kann: Eine rückwirkende Zustimmung zum Ausbruch des Krieges
ist nicht zu bemerken. Ein weiterer Grund: Während mit den USA alle
Golfstaaten verbündet und in engem Austausch sind, [4][haben zu Israel nur
wenige Beziehungen. ]
Auch die Ziele von USA und Israel sind unterschiedlich: Die USA wollen wohl
vor allem gegen das Raketen- und Drohnenprogramm Irans vorgehen sowie das
nach den Angriffen 2025 noch im Land verbliebene angereicherte Uran
sicherstellen. Israel hingegen scheint auf einen Regime-Change zu setzen –
und damit auch auf eine ungewisse, potenziell in der ganzen Region für
Unruhe sorgende Zukunft. [5][Hinzu kommt: Welches andere Land außer Iran
hatte in den vergangenen Jahren in einer Hauptstadt eines Golflandes
angegriffen? Richtig, Israel.]
Hinweis: Im Text fand sich eine missverständlich formulierte Stelle zur
geographischen Lage der Golfstaaten im Verhältnis zur Straße von Hormus.
Wir haben das angepasst.
18 Mar 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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