# taz.de -- Steigende Spritpreise: Reiche glaubt weiter an die freie Marktwirtschaft
       
       > Die Wirtschaftsministerin will bis April ein schärferes Kartellrecht.
       > Doch schnelle Entlastungen für Autofahrende sind nicht vorgesehen. Ein
       > Q&A.
       
 (IMG) Bild: Sieht „keine Versorgungsengpässe“: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Dienstag
       
       Wie ist die Lage an der Tankstelle? 
       
       Die Preise steigen nach Angaben des ADAC weiter, allerdings langsamer.
       Benzin und Diesel kosten mehr als zwei Euro pro Liter. Solange die Meerenge
       [1][Straße von Hormus im Persischen Golf blockiert ist, bleiben die
       Ölpreise unter Druck]. Allerdings: Im europäischen Vergleich sind die
       Preise an deutschen Tankstellen am höchsten und am stärksten gestiegen.
       [2][Einer Greenpeace-Studie zufolge machen die Konzerne seit Ausbruch des
       Krieges pro Tag 21 Millionen Euro mehr Gewinn als vorher]. Auch die Preise
       für Gas und Heizöl steigen. Beim Gas haben Verbraucher:innen in der
       Regel langfristige Verträge, sodass sie zumindest nicht sofort davon
       betroffen sind. Wer mit Öl heizt, sollte – wenn möglich – mit der Befüllung
       des Tanks erst einmal abwarten.
       
       Sind hohe Spritpreise gut fürs Klima? 
       
       Bis jetzt gibt es keine Hinweise darauf, dass Leute wegen der teuren
       Spritpreise weniger Auto fahren. Pendler:innen könnten theoretisch auf
       öffentliche Verkehrsmittel umsteigen – aber die derzeitige Lage der
       Deutschen Bahn und vieler Verkehrsbetriebe lädt dazu nicht wirklich ein.
       Auch dass Warentransporte wegen hoher Spritkosten auf die Schiene verlagert
       werden, ist sehr unwahrscheinlich. Aber gerade für Transporte sind die
       besonders stark gestiegenen Dieselpreise problematisch. Sie verteuern
       Lebensmittel und andere Waren und befeuern so die Inflation.
       
       Was unternimmt die Bundesregierung gegen die hohen Preise an den
       Tankstellen? 
       
       Die Koalition hat bislang nicht vor, in den Markt einzugreifen und sinkende
       Preise zu erzwingen. „Wir wollen keine staatlichen Preise festlegen“, sagte
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Dienstag vor
       Journalist:innen. „Aber wir wollen sicherstellen, dass der Wettbewerb
       funktioniert.“ Dazu bringt sie zurzeit ein Gesetzespaket auf den Weg.
       
       Was ist vorgesehen? 
       
       Künftig sollen Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise anheben
       dürfen, Senkungen bleiben jederzeit möglich. So sollen
       Verbraucher:innen die Preise besser vergleichen können. Außerdem wird
       das Kartellrecht erweitert. „Das Kartellamt bekommt eine verschärfte
       Missbrauchsaufsicht“, sagte Reiche. Die Wettbewerbshüter:innen sollen
       Preisaufschläge im Großhandel schneller prüfen und eingreifen können. „Wir
       kehren die Beweislast um“, sagte sie. Künftig müssen die Ölkonzerne
       gegenüber dem Kartellamt begründen, warum stark steigende Preise
       gerechtfertigt sind – und nicht die Wettbewerbshüter darlegen, warum das
       nicht der Fall ist.
       
       Wann kommt dieses Gesetzespaket? 
       
       Noch in dieser Woche soll es in erster Lesung im Bundestag beraten werden.
       Nach Reiches Angaben soll es spätestens Anfang April verabschiedet werden
       und dann schnell in Kraft treten.
       
       Bringen diese Maßnahmen überhaupt etwas? 
       
       Wenn Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise anheben, könnte das
       sogar kontraproduktiv sein. Der ADAC etwa fürchtet, dass die Konzerne die
       Preise vorsorglich besonders stark anheben, wenn sie das nur noch einmal am
       Tag dürfen. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela
       Schwesig (SPD), glaubt generell nicht, dass diese Vorgabe etwas bringt.
       „Das Beste wäre, den spekulativen Anstieg der Benzinpreise kartellrechtlich
       zu untersagen“, forderte sie.
       
       Zwar müssen die Ölkonzerne gegenüber dem Kartellamt künftig offenlegen, wie
       die Preise zustande kommen. Aber nach wie vor muss das Kartellamt beweisen,
       dass bei der Preisgestaltung ein Missbrauch der Marktstellung oder
       Preisabsprachen eine Rolle spielen. Das ist schwierig und keine Sache von
       wenigen Tagen – und die Konzerne werden sich gegen Eingriffe wehren.
       
       Macht die Regierung sonst noch was, um die Preise schnell zu senken?
       
       Nein, mehr unternimmt die Regierung zumindest im Moment nicht. „Wir wissen
       nicht, wie lange die Krise dauert, und wir haben keine
       Versorgungsengpässe“, sagte Reiche. Dabei gibt es auch in der SPD und der
       Union Rufe nach wirksamen Maßnahmen. Ministerpräsidentin Schwesig etwa
       fordert eine Senkung der Energiesteuern, also einen Tankrabatt wie 2022,
       und eine Übergewinnsteuer, um die immensen Profite der Ölkonzerne
       abzuschöpfen.
       
       Ihr Amtskollege aus Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), ruft ebenfalls nach
       einem Tankrabatt. Die beiden haben in diesem Jahr noch Landtagswahlen zu
       bestreiten. Auch Forderungen nach Aussetzen der CO2-Abgabe auf Sprit oder
       die Einführung eines Preisdeckels, wie ihn Ungarn und Kroatien eingeführt
       haben, werden vielfach erhoben. Grüne und Linkspartei haben jeweils
       Maßnahmenkataloge gegen die hohen Preise vorgelegt, unter anderem wollen
       sie ebenfalls eine Übergewinnsteuer.
       
       Die Bundesregierung gibt zwar Teile der nationalen Ölreserve frei. Aber
       nicht, um die Preise zu senken, sondern um den USA einen Gefallen zu tun.
       Die hatten darauf gedrängt, dass die 32 Mitglieder der Internationalen
       Energieagentur insgesamt 400 Millionen Barrel Öl auf den Markt bringen. Ob
       das zu niedrigen Öl- und anschließend sinkenden Spritpreisen führt, ist
       ungewiss.
       
       Was müsste jetzt getan werden? 
       
       Die aktuelle Krise zeigt, dass die anhaltende Abhängigkeit von fossilen
       Kraftstoffen so schnell wie möglich beendet werden muss. Darauf weisen
       Umweltverbände, Ökonom:innen und Sicherheitspolitiker:innen hin.
       Grüne und Linkspartei fordern den weiteren Ausbau der erneuerbaren
       Energien, der den nötigen klimafreundlichen Strom für die weitere
       Elektrifizierung des Heizens durch Wärmepumpen sowie des Verkehrssektors
       durch E-Autos ermöglicht. Doch dieser Ausbau ist bedroht, wenn
       [3][Gesetzesvorhaben der Bundesregierung tatsächlich umgesetzt werden, etwa
       die Förderung von Dachsolaranlagen beschnitten wird].
       
       17 Mar 2026
       
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