# taz.de -- Irankrieg und Trump: Auch im Chaos braucht es Taten, nicht nur Worte
> Auch wenn unklar ist, was der Irankrieg am Ende bringt, ein Schritt ist
> getan. Die deutsche Regierung hingegen macht das gleiche wie immer:
> nichts.
(IMG) Bild: Mit gutem Beispiel voran: Australien gewährte iranischen Fußballerinnen Asyl
Lange wollte ich diese Reise antreten: das Grab meiner Uroma in Israel
besuchen, es überhaupt wiederfinden. Doch immer wieder krachten grausame
Ereignisse dazwischen: der Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023,
[1][Kriege wie jetzt, gegen Iran].
Auch wenn militärische Interventionen gegen das Regime richtig erscheinen,
bleibt die Bedrohung durch Iran aktuell real. Dass US-Präsident Donald
Trump daran seinen Anteil trägt, ist keine neue Erkenntnis. Selten waren
seine Sprunghaftigkeit und sein Ego so folgenreich.
[2][Trump kündigt Kriege an], verspricht, sie zu beenden, er bricht sie ab,
verschiebt sie. Seit der jüngsten Eskalation vor einer Woche hat Trump
seine Aussagen über die Kriegsziele in Iran mehrfach geändert: iranische
Atomanlagen zerstören. Nein, doch lieber die Flugabwehr. Ein Regimewechsel,
vielleicht mithilfe bewaffneter Kurden. Der Einsatz wird Wochen dauern.
Tage? Steht kurz vor dem Ende. Oder doch nicht. Alles wechselt, manchmal
stündlich.
Aus der Ferne lässt sich darüber leicht spotten. Ein Präsident, der selbst
nicht genau weiß, wovon er spricht. Nur eine weitere schräge Episode der
US-amerikanischen Politik. Doch davon hängen Leben ab: das der Iraner, die
nicht wissen, ob der Krieg ihre Lage verschlimmern oder endlich zum Guten
verändern wird; das der Israelis, die immer wieder in Schutzräume rennen
müssen, während Raketen aus Iran und dem Libanon einschlagen.
## Wandel durch Handel
Wenn ich auf dieses Chaos blicke, denke ich unweigerlich an die vergangenen
Jahre. An eine Zeit, in der Weltpolitik noch nicht in diesem Maß von der
Laune eines US-Präsidenten abzuhängen schien, Europa dennoch wenig tat, um
das iranische Regime ernsthaft unter Druck zu setzen. Stattdessen setzte
man auf eine vertraute Formel: Wandel durch Handel und Annäherung.
Kurze Zeit nach der Unterzeichnung des Iran-Atomdeals 2015 reiste der
damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach Teheran und belebte die
wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum autoritären Regime wieder.
Vier Jahre später schickte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
„herzliche Glückwünsche“ zum 40. Jahrestag der islamischen Revolution nach
Teheran. Aktivisten, Frauenrechtlerinnen, Oppositionelle warnten vor dem
Regime – oft vergeblich. Wie viele wurden in dieser Zeit verhaftet,
gefoltert, hingerichtet?
Ich denke auch an [3][Annalena Baerbock]. Als Außenministerin kündigte sie
eine „feministische Außenpolitik“ an. Für Frauen, die später während der
„Frau, Leben, Freiheit“-Proteste unter Lebensgefahr auf die Straßen gingen,
blieb es bei großen Worten. Wie mutig sie seien, durften sich die
Iranerinnen anhören. Die Islamische Revolutionsgarde wurde, wie von vielen
Exiliranern und Aktivisten im Land gefordert, dennoch nicht von den
Europäern als Terrororganisation eingestuft.
Das ginge auch gar nicht, behauptete Baerbocks Außenministerium damals.
Dabei stimmte das nicht. Auch heute, als Präsidentin der
UN-Vollversammlung, bleibt es bei Appellen zur Diplomatie. Als hätte
Diplomatie nicht längst gezeigt, wie wenig sie ausrichten kann.
Was hätte Europa verhindern können, hätte es Iran früher als das behandelt,
was er ist: ein menschenverachtendes, mordendes Mullah-Regime? Sechzehn
Jahre nach der Unterzeichnung des Iran-Atomdeals erkennt Kanzler Friedrich
Merz: Appelle hätten nichts gebracht, weil man nicht bereit war, Interessen
notfalls militärisch durchzusetzen.
Gut so. Nun muss er Wege finden, die Iraner zu stützen, gerade weil Trump
unberechenbar ist und seine Unterstützung jederzeit enden kann. Ein
Beispiel: Australien gewährte iranischen Fußballerinnen Asyl. Europa muss
jetzt nachziehen. Merz muss beweisen, dass seine Einsicht Taten folgen,
nicht nur Worte.
14 Mar 2026
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