# taz.de -- Buchhandelspreis ohne Verleihung: Ein unwürdiges Ende
> Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat die Veranstaltung zum Deutschen
> Buchhandlungspreis abgesagt. Nicht nur dem Preis hat er nachhaltig
> geschadet.
(IMG) Bild: Wolfram Weimer hat nicht nur ein Problem: Die Absage der Verleihung der Buchhandlungspreise
Es gehört gar nicht viel Herumspekuliererei dazu, um festzustellen: Die
diesjährige Verleihung der Buchhandlungspreise wurde keineswegs deshalb
abgesagt, weil „die Debatte um die Nicht-Berücksichtigung von drei
Juryvorschlägen den eigentlichen Sinn der Veranstaltung – nämlich die
Auszeichnung und Ehrung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend zu
überlagern“ drohe – [1][so die offizielle Begründung des
Kulturstaatsministers]. Sie wurde vielmehr deshalb abgesagt, weil sich
Wolfram Weimer den auf der Veranstaltung zu erwartenden Protesten gegen
sich nicht aussetzen wollte. Sie wären in der Tat massiv geworden. Für den
19. März, den Donnerstagnachmittag der Leipziger Buchmesse, war der Termin
angesetzt. Weimer hätte sich dem massiven Unmut der – man darf es ruhig so
sagen – gesamten Literaturbranche stellen müssen.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Kurt-Wolff-Stiftung, PEN
Berlin und PEN Deutschland, viele Verlage und Buchhandlungen, nicht zuletzt
[2][auch die unabhängige Jury des Buchhandlungspreises] haben bereits gegen
die Eingriffe des Kulturstaatsministers in die Unabhängigkeit der
kulturellen Szene protestiert. Für die Preisverleihung waren längst
Statements und Solidaritätsbekundungen mit den ausgeschlossenen
Buchhandlungen angekündigt.
Dem wollte sich Weimer offenbar nicht aussetzen, was man als Notbremse
werten muss, aber durchaus auch als feige bezeichnen kann. Er hat die
Veranstaltung gecancelt. Die 115 übrigen Buchhandlungen bekommen die
Preisurkunden jetzt per Post zugestellt und ihr Preisgeld von jeweils 7.000
Euro schnöde aufs Konto überwiesen. Das ist das ziemlich unwürdige Ende
eines Preises, der eigentlich dazu ins Leben gerufen wurde, dem
engagierten, unabhängigen Buchhandel Anerkennung zu erweisen.
## Selbstverständliche Handelspartner
[3][Was Weimer mit seinen Streichungen anrichtet,] hat er offensichtlich
vollkommen unterschätzt. Erstens sind die drei linken Buchhandlungen, um
die es geht, restlos in den Literaturbetrieb integriert, sie sind
selbstverständliche Handelspartner aller eingesessenen Verlage und gut in
die engagierte Zivilgesellschaft ihrer jeweiligen Kieze in Berlin, Bremen
und Göttingen integriert. Wer sie zu Staatsfeinden machen möchte – und
darum geht es ja bei verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen, die
angeblich vorliegen sollen –, muss schon eine extrem rechte Brille
aufhaben. Zweitens geht es eben keineswegs um diese Buchhandlungen allein.
Ohne Not hat Wolfram Weimer vielmehr [4][die Unabhängigkeit der
Literaturszene insgesamt zur Disposition] gestellt. Er hat eine
unabhängige, nach inhaltlichen und kulturellen Maßstäben entscheidende Jury
beschädigt. Er hat den Buchhandlungspreis im Grunde versenkt. Und er hat
Befürchtungen geweckt, dass von nun an der Verfassungsschutz bei allen
Kulturpreisen, allen Stipendien, allen Stadtschreiberstellen, allen
geförderten Tagungen und Veranstaltungen, überhaupt also immer erst einmal
grünes Licht geben muss, bevor die Preisträgerinnen und Preisträger
verkündet werden können.
Offenbar haben wir also derzeit einen Kulturstaatsminister, der entweder
die Folgen seiner Handlungen nicht einschätzen kann, weil er sich in der
Kulturszene gar nicht gut auskennt. Oder einen, der der Kulturszene
insgesamt mit Misstrauen begegnet. Oder einen, für den beides gilt. In
jedem Fall erscheint es kaum vorstellbar, dass Wolfram Weimer sein Amt noch
fruchtbar wird ausüben können.
10 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dirk Knipphals
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