# taz.de -- Debatte um Kunstakademie Düsseldorf: Offene Briefe für und gegen Fioretti
> Am Mittwoch soll sich die Direktorin im Landtag zu
> Antisemitismus-Vorwürfen äußern. Die Hochschulrektorenkonferenz warnt vor
> Druck aus der Politik.
(IMG) Bild: Donatella Fioretti, die Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf
Jeder Hochschule – vertreten durch ihre Leitung – stehe das Recht zu, im
Rahmen der Gesetze selbst über die Formen des wissenschaftlichen Diskurses
zu befinden, [1][erklärte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz
(HRK), Walter Rosenthal, am Dienstag in Berlin]. Im Namen des
HRK-Präsidiums schaltete sich der Arzt und Wissenschaftsmanager damit in
die aktuelle Diskussion um die Kunstakademie Düsseldorf ein.
Politik und Gesellschaft sollten den Menschen, die an Hochschulen
Verantwortung tragen, „den nötigen Respekt entgegenbringen und den Rücken
stärken“, fügte er unter Verweis auf die [2][HRK-Entschließung „Hochschulen
als freien Diskursraum sichern“] aus dem Jahr 2024 hinzu. Dies gelte
unabhängig davon, ob wissenschaftliche oder künstlerische Diskursbeiträge
der eigenen Haltung entsprächen. „Ereignisse wie an der Kunstakademie
Düsseldorf dürfen nicht zu einem politischen Reflex führen, die
grundgesetzlich verankerte Hochschulautonomie in Frage zu stellen“, warnte
der 71-jährige.
Die aktuelle [3][Debatte um die renommierte Kunstakademie Düsseldorf] ebbt
nicht ab. Deren Direktorin Donatella Fioretti steht unter massivem
politischem Druck, seit sie an ihrer Hochschule eine studentische
Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif zuließ.
Schon im Vorfeld hagelte es scharfe Kritik an der Veranstaltung: Der
palästinensischen Künstlerin wurden Postings auf ihren Social Media-Kanälen
zu Israel und zum Krieg in Gaza vorgeworfen, die ihre Kritiker als
antisemitisch empfanden. Aufgrund der Proteste fand die Veranstaltung nicht
öffentlich, sondern rein hochschulintern statt. Die Studierenden
diskutierten mit al-Sharif im geschlossenem Rahmen über deren Filmkunst.
## Fioretti lehnt Rücktritt ab
Doch auch Wochen später kommt die Hochschule nicht zur Ruhe. Ein geplantes
Gespäch zwischen Fioretti und der Jüdischen Gemeinde der Stadt, das die
nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU)
eingefordert hatte, kam nicht zustande. Die Gemeinde verlangt die
Abberufung der Akademie-Rektorin und sagte das Gespräch kurzerhand ab,
nachdem sich Fioretti in einem Interview in der Frankfurter Rundschau zu
dem Streit geäußert hatte. Einen Rücktritt von ihrem Amt lehnt die
italienische Architektin ab.
Inzwischen gibt es einen [4][offenen Brief, in dem Fiorettis Rücktritt
gefordert wird]. Zu dessen Erstunterzeichnern gehören Düsseldorfs
Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) und der Vorsitzende der Jüdischen
Gemeinde der Stadt, Oded Horowitz. „Frau Fioretti unterstützt aktiv eine
Diskursverschiebung, die Positionen in die Mitte der Gesellschaft rücken
soll, welche vor dem 7. Oktober 2023 allenfalls in Nischen weit rechts
außen zu finden waren“, heißt es in dem Schreiben. Neben dem Rücktritt
Fiorettis fordern die Unterzeichner „eine unabhängige, neutrale
Untersuchung der Bedingungen, denen jüdische und israelische Studierende
gegenwärtig an der Kunstakademie ausgesetzt sind“. Bis Mittwoch hatten rund
900 Menschen den Brief unterschrieben.
[5][Ein anderer offener Brief, der Fioretti den Rücken stärkt], wurde am
Montag veröffentlicht. Ihn haben bisher mehr als 1.000 Wissenschaftler
sowie Künstler unterzeichnet, darunter Prominente wie der Fotograf Wolfgang
Tilmanns, die Bildkünstlerin Pola Sieverding, die Philosophinnen Susan
Neiman, Nancy Fraser und Eva von Redecker, der Publizist Diederich
Diederichsen und die Historikerin Barbara Stollberg-Rielinger, die das
Wissenschaftskolleg Berlin leitet. Auch 171 Angehörige der Kunstakademie
und Vertreter des AStA der Hochschule stellten sich hinter ihre Direktorin.
## Sondersitzung im Düsseldorfer Landtag
In ihrem Brief ziehen sie Parallelen zu den Debatten um die [6][Berlinale]
und den [7][Buchhandelspreis], bei denen es auch um Meinungsfreiheit geht.
Besonders scharf kritisieren die Unterzeichner die im
Wissenschaftsausschuss des NRW-Landtags verwendete Formulierung vom
„Deckmantel“ der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit. Diese Metapher werde
benutzt, um Freiheitsrechte unter einen Generalverdacht zu stellen.
„Riesen-Krach in Düsseldorf“, titelt das rheinische Boulevard-Blatt
Express, [8][„Über 1000 Promis verteidigen Rektorin gegen
Politik-Einmischung“].
Für diesen Mittwoch ist die Akademie-Direktorin Fioretti im Kultur- und
Medienausschuss des Landtags in Düsseldorf eingeladen, um sich in einer
Sondersitzung den Fragen der Abgeordneten zu stellen. Vertreter von CDU,
FDP und Grünen haben sich bereits sehr kritisch zum Verhalten der
Kunstakademie Düsseldorf und ihrer Direktorin geäußert.
Die Linkspartei in Düsseldorf solidarisierte sich mit der palästinensischen
Künstlerin Basma al-Sharif, deren Einladung an die Kunstakademie den
Protest auslöste. Die Linken-Bundestagsabgeordneten Lea Reisner, Lizzy
Schubert und Violetta Bock sowie die Düsseldorfer EU-Abgeordnete Özlem
Demirel stellten sich hinter Fioretti. Die Sitzung des Kultur- und
Medienausschusses des NRW-Landtags am Mittwoch ist öffentlich. Es ist nicht
davon auszugehen, dass die Diskussion um die Kunstakademie danach beendet
sein wird.
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/hrk-praesidium-mahnt-wahrung-der-hochschulautonomie-an-5166/
(DIR) [2] https://www.hrk.de/positionen/beschluss/detail/hochschulen-als-freien-diskursraum-sichern/
(DIR) [3] /Einladung-palaestinensischer-Kuenstlerin/!6150741
(DIR) [4] https://www.change.org/p/fordern-sie-die-rektorin-der-kunstakademie-donatella-fioretti-zum-r%C3%BCcktritt-auf
(DIR) [5] https://krisol-wissenschaft.org/offener-brief-kunstakademie-duesseldorf/
(DIR) [6] /Empoerung-ueber-Festival-Preistraeger/!6156743
(DIR) [7] /Wolfram-Weimer-und-die-Buchbranche/!6157097
(DIR) [8] https://www.express.de/politik-und-wirtschaft/kunstakademie-duesseldorf-ueber-1-100-promis-verteidigen-rektorin-gegen-politik-einmischung-1244721
## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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