# taz.de -- Timothée Chalamet disst Oper und Ballett: Wenn der Shitstorm zum Kulturförderprogramm wird
       
       > Der Schauspieler sagt, niemand interessiert sich für Oper und Ballett.
       > Das ist die beste Werbung – und es stimmt auch: Die Kunstformen sind
       > super elitär.
       
 (IMG) Bild: Womöglich die beste Werbung für Oper und Ballett: Der Schauspieler Timothée Chalamet zweifelt öffentlich an der Daseinsberechtigung elitärer Kunstformen
       
       Noch nie wurde im Internet so viel über die Daseinsberechtigung von Oper
       und Ballett diskutiert. Nicht, weil die Neuinterpretation einer Mozart-Arie
       whack war oder die Tutus im Schwanensee zu kurz – das sind sonst die heißen
       Themen der Opern- und Ballettwelt, oder? –, sondern weil der
       US-amerikanische Schauspieler Timothée Chalamet gegen die alten Kunstformen
       ausgeteilt hat.
       
       „Ich möchte nicht in der Oper oder im Ballett arbeiten“, sagte er, „Dinge,
       die am Leben erhalten werden müssen, obwohl sie allen egal sind.“ Bei
       [1][einem von Variety und CNN ausgerichteten Gespräch] zwischen ihm und
       seinem Kollegen Matthew McConaughey sprach der 30-Jährige über seine
       Motivation beim Schauspielen, da rutschte ihm dieser Satz raus.
       
       „Mist, ich hab gerade 14 Cent Zuschauereinnahmen verloren“, witzelte er
       weiter. Manche wollen darin jetzt sogar den Grund erkennen, warum Chalamet,
       der für seine Darstellung des Marty Mauser in „Marty Supreme“ für den Oscar
       als bester Hauptdarsteller nominiert ist, wohl nicht gewinnen wird. [2][Der
       Auftritt habe seiner Kampagne geschadet.]
       
       Dabei ist Chalamets Diss womöglich nicht weniger als die beste Werbung für
       Ballett und Oper, die es seit deren Erfindung irgendwann im 15. bzw. 16.
       Jahrhundert gegeben hat. Dutzende Promis verteidigten die Genres, darunter
       Jamie Lee Curtis, die [3][ein Video teilte], in dem Chalamet dafür
       kritisiert wird, KI nicht als gemeinsamen Feind zu erkennen. Eva Mendes
       fand mit [4][„I Care!“] tröstende Worte und Doja Cat nannte Ballett
       [5][„fucking beautiful“].
       
       ## Opernhäuser nutzen seine Aussagen für Content
       
       Ein Kommentar nach dem anderen erschien außerdem in Zeitungen, darüber,
       dass der Schauspieler ganz falsch liegt, er [6][Philister ist, dazu noch
       respektlos], und dass ihn die Oper überleben wird. Und auch einige Kanäle
       von Opern- und Balletthäusern [7][nutzen die ganze Aufmerksamkeit], um
       [8][Content] rund um den Chalamet-Shitstorm zu posten oder seine Aussagen
       öffentlich zu kritisieren.
       
       Dass aus zwei Sätzen überhaupt eine derartige Kontroverse, eine
       eskalierende Kulturdebatte werden konnte, ist beeindruckend. Timothée
       Chalamet interessiert sich nicht für Oper und Ballett – who cares?
       
       Aber, na gut. Etwas solidarischer könnte sich Chalamet mit seinen
       Künstlerkolleg_innen schon zeigen. Schließlich strotzt Kino, die Kunstform,
       die er für relevant genug hält, um seine Karriere darauf zu bauen, auch
       nicht gerade vor wirtschaftlicher Sicherheit. [9][Überall auf der Welt
       schließen Kinos], Filme nehmen ständig zu wenig Geld über verkaufte Tickets
       ein und [10][Schauspieler_innen betteln bei Preisverleihungen förmlich
       darum, dass Leute Filme noch auf der großen Leinwand sehen].
       
       ## Wenigstens sind nicht alle Antworten unauthentisch und von PR-Berater
       vorbereitet
       
       Ganz falsch liegt Timothée Chalamet mit seiner Kritik trotzdem nicht. Oper
       und Ballett sind nicht gerade Unterhaltungsformen, die besonders zugänglich
       sind. Wenn Tenöre mit halsigen Stimmen und in pompösen Kostümen um Frauen
       werben, ist das für die meisten weder inhaltlich besonders ansprechend noch
       preislich. Nicht nur die sauteuren Tickets muss man sich leisten können,
       sondern auch die drei Plus-Stunden Zeit, die dafür draufgehen, und den
       Anzug oder das Kleid, um zwischen den überwiegend schnöseligen, alten
       Leuten nicht aufzufallen.
       
       „Damn, I just took shots for no reason“, also: „Verdammt, ich hab grade
       komplett grundlos ausgeteilt“, sagte er im Gespräch mit McConaughey noch,
       weil er natürlich merkte, wie unnötig und aus dem Nichts sein Kommentar
       plötzlich kam. Und das macht ihn schon wieder sympathisch. Wenigstens sind
       nicht alle Antworten unauthentisch und von PR-Berater_innen vorbereitet –
       sonst gäbe es solche Kulturdebatten gar nicht erst.
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=424w9fJRgYk
 (DIR) [2] https://www.elle.com.au/culture/entertainment/oscars-predictions-2026-timothee-chalamet-michael-b-jordan/
 (DIR) [3] https://x.com/filmstofilms_/status/2030126988975841662
 (DIR) [4] https://www.instagram.com/reels/DVgga9mCAWq/
 (DIR) [5] https://people.com/doja-cat-blasts-timothee-chalamet-ballet-opera-comments-11921834
 (DIR) [6] https://www.welt.de/kultur/article69ad4058161cd9d527cd84bd/respekt-vor-der-oper-timothee-chalamet-kann-von-richard-gere-noch-etwas-lernen.html
 (DIR) [7] https://www.instagram.com/p/DVec9QnlE9T/
 (DIR) [8] https://www.instagram.com/p/DVjn2oGAbgD/
 (DIR) [9] https://www.fastcompany.com/91498440/amc-theaters-closing-2026-list-doomed-cinema-locations-grows
 (DIR) [10] https://www.instagram.com/reels/DTafVbFjfoB/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Valérie Catil
       
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