# taz.de -- Anschlagsrisiko nach Angriffen auf Iran: Erhöhte Gefahr für Jüdinnen und Juden in Deutschland
       
       > Die Polizei verstärkt den Schutz jüdischer und israelischer
       > Einrichtungen. Der Verfassungsschutz sieht auch US-Standorte und
       > Exil-Iraner*innen in Gefahr.
       
 (IMG) Bild: Ein Mann betritt hinter Polizeiabsperrband die jüdische Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte
       
       Berlin taz | Nach dem [1][Angriff auf den Iran] und dem Tod des Diktators
       Ali Chamenei warnen Sicherheitsexperten und -behörden vor
       Vergeltungsschlägen auch in Deutschland. Sie sehen insbesondere jüdische
       Einrichtungen, Synagogen und auch jüdische Schulen in Gefahr. Seit die USA
       und Israel am Samstagmorgen mit Luftangriffen auf den Iran begannen, haben
       die deutschen Landespolizeiämter den Schutz dieser Einrichtungen erhöht.
       Auch US-Standorte und Exil-Iraner*innen sind im Visier iranischer Agenten.
       
       Der [2][Terrorismus- und Nahostexperte Matthew Levitt] warnte gegenüber der
       taz davor, dass das iranische Regime mit Angriffen und Attentaten auch in
       Europa reagieren könnte. „Iranische Operationen im Ausland sind definitiv
       Teil des Instrumentariums des Regimes, um auf Angriffe, einschließlich
       Krieg, zu reagieren“, erklärte Levitt der taz. Der US-Amerikaner ist
       Programmdirektor für Terrorismusbekämpfung und Nachrichtendienst am
       Washington Institute for Near East Policy und war zuvor Anti-Terror-Analyst
       beim FBI.
       
       Levitt erinnert an konkrete Erkenntnisse, die im Jahr 2016 gewonnen wurden.
       Damals habe ein Mann aus dem Libanon, der später verhaftet und verurteilt
       wurde, dem FBI erzählt, dass er zu einer Schläferzelle gehöre. „Auf die
       Frage, unter welchen Umständen er glaube, dass er beauftragt werden könnte,
       Operationen in den Vereinigten Staaten durchzuführen, antwortete er, dass
       dies geschehen würde, wenn die Vereinigten Staaten gegen den Iran in den
       Krieg ziehen würden“, so Levitt. Und dieses Szenario ist laut dem
       Terrorismusexperten nicht auf die USA beschränkt. „Das Regime führt solche
       Angriffe durch, wo immer es kann, auch in Europa.“
       
       ## Verfassungsschutz warnt vor Vergeltungsmaßnahmen des Iran
       
       Sicherheitsbehörden in Deutschland scheinen dieses Szenario entsprechend
       ernst zu nehmen. Aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz hieß es am Sonntag
       gegenüber der taz: „Es muss angenommen werden, dass auch jüdische
       Einrichtungen des öffentlichen Lebens wie Schulen oder Synagogen als
       Angriffsziele für etwaige Vergeltungsmaßnahmen infrage kommen.“ Für
       Einrichtungen, die Israel und den USA nahestehen, erwarte man eine
       „weiterhin hohe abstrakte Gefährdung“. Dazu zählten etwa diplomatische
       Vertretungen oder militärische Standorte.
       
       Zudem seien exil-iranische Oppositionelle und deren Umfeld im Visier
       iranischer Geheimdienste. „Zwar sind bis dato keine gewalttätigen Vorfälle
       gegen iranische Oppositionelle in Deutschland bekannt, dafür aber in
       anderen Staaten Westeuropas“, hieß es vom Bundesamt. Man gehe auch davon
       aus, dass iranische Geheimdienste regimekritische Kundgebungen in
       Deutschland beobachteten, um oppositionelle Akteure auszuspähen und zu
       identifizieren.
       
       Aus dem Bundesinnenministerium hieß es, die Sicherheitsbehörden des Bundes
       stünden in engem Austausch sowohl untereinander als auch mit den Behörden
       der Länder. Das Bundeskriminalamt unterstütze die Länder in ihrer
       Erkenntnislage auch hinsichtlich des Demonstrationsgeschehens, erklärte ein
       Sprecher.
       
       ## Polizeien verstärken Schutz gefährdeter Einrichtungen
       
       Der Schutz jüdischer, israelischer und US-amerikanischer Einrichtungen ist
       grundsätzlich die hoheitliche Aufgabe der Länder. In Berlin wurden laut
       einer Polizeisprecherin vorsorglich weitere Einsatzkräfte für den Schutz
       besonders sensibler Einrichtungen mobilisiert. Man beobachte die Lage sehr
       genau. Für die Hauptstadt bestehe nach derzeitigem Stand allerdings „keine
       akute Gefährdung“, hieß es von der Polizei.
       
       Ähnlich äußerten sich die Sicherheitsbehörden und Polizeien anderer Länder.
       „Je nach Lagebewertung wird die Polizei Bremen gegebenenfalls Kräfte
       verstärken“, erklärte beispielsweise die Polizei Bremen der taz.
       
       Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) wiederum erklärte, dass man
       die Sicherheitsvorkehrungen erhöht habe. Hessens Polizei habe schon seit
       Samstagvormittag auf die Ereignisse reagiert und den Schutz potenziell
       gefährdeter Grundstücke und Gebäude verstärkt. Im Hinblick auf
       Demonstrationen appellierte er an die Teilnehmer*innen, friedlich zu
       bleiben. „Wir werden nicht zulassen, dass internationale Konflikte auf
       unseren Straßen mit Gewalt oder rechtswidrigen Mitteln ausgetragen werden“,
       [3][sagte Poseck der FAZ].
       
       ## Zahlreiche iranische Attentate in Deutschland und Europa
       
       Iranische Attentäter und Spione sind seit Jahren in Deutschland und Europa
       aktiv und haben Terroranschläge begangen. Einer der bekanntesten Fälle ist
       das sogenannte Mykonos-Attentat, bei dem im Auftrag des iranischen
       Geheimdienstes 1992 vier kurdisch-stämmige Exil-Iranerinnen in einem
       griechischen Restaurant in Berlin erschossen wurden.
       
       Auch in den letzten Jahren [4][wurden Geheimdienstaktionen bekannt]. 2015
       etwa kundschaftete ein iranischer Spion den SPD-Politiker und ehemaligen
       Wehrbeauftragten Reinhold Robbe als mögliches Ziel eines Anschlags aus.
       [5][2022 versuchte ein von den islamischen Revolutionsgarden beauftragter
       Attentäter einen Brandanschlag auf die Synagoge in Bochum]. 2025 [6][wurde
       ein mutmaßlicher iranischer Agent in Dänemark festgenommen, weil er in
       Deutschland jüdische Einrichtungen als Anschlagsziele ausspioniert haben
       soll], darunter Einrichtungen des Zentralrats der Juden und koschere
       Supermärkte.
       
       Europaweit haben die iranischen Geheimdienste zuletzt verstärkt auf
       Kriminelle gesetzt, die sie mit Agententätigkeiten wie mit Terroranschlägen
       beauftragten.
       
       1 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Iran/!t5007776
 (DIR) [2] /Politik-Analyst-ueber-Mullah-Herrschaft/!6102707
 (DIR) [3] https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/angriff-auf-iran-hessen-erhoeht-sicherheitsvorkehrungen-an-juedischen-einrichtungen-200584610.html
 (DIR) [4] /Iranischer-Geheimdienst/!5475436
 (DIR) [5] /Terror-der-Revolutionsgarden-des-Iran/!6037542
 (DIR) [6] https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/Pressemitteilung-vom-01-07-2025.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jean-Philipp Baeck
       
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