# taz.de -- Zentralrat der Juden und Iran: Eine anmaßende Unterstellung
       
       > Darf sich der Präsident des Zentralrats der Juden über den Angriff auf
       > Iran positiv äußern? Eine Replik auf einen taz-Kommentar.
       
 (IMG) Bild: Menschen jubeln auf einer Iran-Demonstration auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor
       
       „[1][Einfach mal die Klappe halten“], fordert die taz-Journalistin Susanne
       Knaul in Richtung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland.
       Sie wirft ihm vor, den Krieg gegen das iranische Regime „bejubelt“ zu
       haben. Doch tatsächlich waren es andere, die jubelten – allen voran
       iranische Frauen. Die wohl mutigsten Feministinnen unserer Zeit. Nicht zu
       verwechseln mit jenen Gratismutigen, die aus sicherer Berliner Distanz nur
       dann Haltung demonstrieren, wenn Opfer und Täter in ihr aktivistisches
       Weltbild passen.
       
       In [2][Iran selbst tanzten und sangen sie auf den Balkonen der Städte und
       weinten vor Freude] – ein Ausdruck der Hoffnung auf Freiheit nach
       Jahrzehnten der Unterdrückung. Ob diese wahrhaft starken Frauen sowie die
       vielen demokratisch gesinnten Iranerinnen und Iraner weltweit nach Ansicht
       der taz-Journalistin ebenfalls „einfach mal die Klappe halten“ sollten,
       bleibt offen. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, erklärte im
       Übrigen lediglich, dass das „Ende des Regimes in unserem nationalen
       Interesse“ liege. Eine sachliche Feststellung, angesichts der bestehenden
       Bedrohungslage eine nachvollziehbare Einordnung.
       
       Als wäre das nicht genug, schreibt Frau Knaul zudem: „Musste das sein,
       fragen sich vermutlich vor allem die, die dem Judentum angehören.“ Diese
       Behauptung wirkt weniger wie eine fundierte Recherche, sondern vielmehr wie
       ein unbelegtes Bauchgefühl – eine anmaßende Unterstellung. Anmaßend, weil
       sie meint, stellvertretend für Jüdinnen und Juden sprechen zu dürfen. Über
       Jüdinnen und Juden wird in der öffentlichen Debatte generell häufig
       gesprochen, aber deutlich seltener mit ihnen. Wer hingegen tatsächlich das
       Gespräch in jüdischen Gemeinden in Deutschland sucht, stellt schnell fest,
       dass Frau Knauls Bauchgefühl vermutlich nicht der Realität entspricht.
       Viele begrüßen es ausdrücklich, wenn sich der Präsident des Zentralrats
       klar positioniert.
       
       Insbesondere wenn wir von einem Regime sprechen, das am 8. und 9. Januar
       innerhalb von [3][nur etwa 48 Stunden mutmaßlich rund 32.000 unschuldige
       Demonstrierende ermordet] hat. Das Homosexuelle hinrichten lässt, Frauen
       unterdrückt und Menschen, die nicht in sein radikal-islamistisches,
       rückwärtsgewandtes Weltbild passen, in Foltergefängnissen verschwinden
       lässt. Dessen erklärtes Ziel die Vernichtung der rund 7,5 Millionen in
       Israel lebenden Jüdinnen und Juden ist. Das das sadistische Massaker und
       die Entführung Unschuldiger rund um den 7. Oktober 2023 nicht nur
       tolerierte, sondern aktiv finanzierte. Ganz zu schweigen von der Hisbollah,
       die Israel mit Waffen dieses Regimes beschießt, ist „einfach mal die Klappe
       halten“ keine angemessene Haltung. Im Gegenteil: Gerade unter diesen
       Umständen ist es richtig und notwendig, dass jemand, der ein Amt innehat,
       das ihn legitimiert, für Juden zu sprechen, sich klar äußert.
       
       Angesichts der Tatsache, dass das Mullah-Regime für Jüdinnen und Juden die
       größte Bedrohung seit der NS-Zeit darstellt, sollte man speziell in
       Deutschland besonders vorsichtig sein, bevor man Jüdinnen und Juden in
       dieser Angelegenheit den Mund zu verbieten versucht. Anstatt mit
       vorschnellen Urteilen daherzukommen, wäre es angesichts der eigenen
       Geschichte wohl ratsam, diese Lektion in diesem Zusammenhang zunächst
       selbst zu beherzigen.
       
       8 Mar 2026
       
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