# taz.de -- Angegriffenes Mullah-Regime: Die Rolle der Aseris in Iran
> Der getötete Staatslenker Ali Chamenei war Aseri, Präsident Massud
> Peseschkian ist ebenfalls aserischer Abstammung. Wieviel Macht hat die
> Minderheit in Teheran?
(IMG) Bild: Irans Präsident Peseschkian: einer von mehreren Aseris in der iranischen Staatsführung
In Iran leben mehr Aseris als im Nachbarland Aserbaidschan selbst: laut
Schätzungen zwischen 15 und 20 Millionen. Aserbaidschan zählt dagegen nur
rund zehn Millionen Einwohner. Damit sind die turksprachigen Aseris die bei
weitem größte Minderheit in Iran mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern.
Und auch die einflussreichste: wirtschaftlich, militärisch und politisch.
So kontrollieren die Aseris große Teile des Teheraner Basars, dem
bedeutendsten Marktplatz des Landes. Die iranische Region Aserbaidschan ist
eine der reichsten Irans und militärisch bedeutend.
Aber vor allem spielen Aseris im Mullah-Regime, das Israel und die USA
stürzen wollen, eine wichtige Rolle. Der beim [1][Angriff am Samstag]
getötete geistliche Führer der Islamischen Republik, [2][Ali Chameini], war
aserischer Abstammung, so wie Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh, der
ebenfalls getötet wurde.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian, der nun zusammen mit Irans
Oberstem Richter Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und einem Mitglied des
Wächterrats die Führung des Landes nach Chameinis Tod übernehmen soll, ist
Aseri, ebenso Vize-Außenminister Vahid Jalalzadeh und der ehemalige
Wirtschafts- und Finanzminister Abdolnaser Hemmati, der bis Ende 2025 im
Amt war.
## Militärische Bedeutung als Machtfaktor
Die Aseris spielen zudem innerhalb der iranischen Streitkräfte eine
bedeutende Rolle. Die aserbaidschanische Region im Nordwesten des Landes
ist militärisch äußerst wichtig. Täbris, die Hauptstadt der Provinz
Ost-Aserbaidschan, ist ein logistischer Knotenpunkt, der den nordwestlichen
Korridor absichert. Dort befinden sich wichtige militärische Einrichtungen
und Luftverteidigungssysteme.
Daher ist die Integration der Aseris in der iranischen Staatsführung auch
von strategischem Interesse für das Regime in Teheran. Denn dadurch gelingt
es, separatistische Bewegungen in der Region zu reduzieren. In der Tat sind
diese innerhalb der aserischen Bevölkerung gering ausgeprägt, da sich viele
Aseris als zentraler Teil Irans ansehen.
1979 unterstützten die Aseris die Islamische Revolution, die zur Absetzung
von Schah Mohammad Reza Pahlavi führte, die iranische Monarchie beendete
und den Beginn der heutigen Islamischen Republik Iran einläutete. Zum einen
fühlten sich die ebenfalls schiitischen Aseris ideologisch dem
Revolutionsführer Ruhollah Musawi Chomeini nah. Zum anderen waren sie in
der Pahlavi-Dynastie, die auf persischen Nationalismus setzte, Repressalien
ausgesetzt gewesen. Ihre zuvor florierende Region verarmte. Dabei war Schah
Mohammad Reza Pahlavi selbst mütterlicherseits aserbaidschanischstämmig
gewesen.
## Aseris werden dennoch unterdrückt
Doch auch bei den heutigen iranischen Machtverhältnissen werden die Aseris
unterdrückt. So verbietet das Regime die Verwendung von Aseri-Türkisch in
Schulen und Behörden. Es gibt Berichte, dass sich im iranischen
Staatsfernsehen über den aserischen Akzent lustig gemacht wird.
Gegen jegliche separatistische Bewegungen wird hart vorgegangen. So werden
auch politische Aktivisten, die sich für kulturelle oder sprachliche Rechte
einsetzen, verfolgt, verhaftet und gefoltert.
An den [3][Protesten gegen das Teheraner Regime] beteiligten sich
dementsprechend auch die Aseris aktiv, sowohl bei den
Jina-Mahsa-Amini-Protesten im Jahr 2022 als auch bei den jüngsten Protesten
zum Jahreswechsel 2025/2026, bei denen Tausende getötet wurden.
## Misstrauische Beziehung zu Aserbaidschan
Die Regierung im Nachbarland Aserbaidschan vermied es, zu den Protesten
offiziell Stellung zu nehmen. Denn die Beziehungen zwischen Baku und
Teheran sind angespannt und von großem Misstrauen geprägt. Die Mullahs
befürchten, Baku könnte nationalistische Bewegungen innerhalb der
iranischen Aseris schüren.
Zudem stellt die aserbaidschanische Außenpolitik für Teheran ein
Sicherheitsrisiko dar. Baku arbeitet militärisch eng mit der Türkei, den
USA – und Israel zusammen. So ermöglichte Aserbaidschan israelische
Geheimdienstkooperationen im Grenzgebiet und ließ sich von Israel
hochrüsten. Folglich erhöhte sich auch die Unsicherheit für das
[4][militärisch unterlegene Armenien], mit dem Iran gute Beziehungen
pflegt, um einen sicheren Transportkorridor durch den Südkaukasus nach
Russland aufrechtzuerhalten.
2 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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