# taz.de -- Bedrohung durch Iran in Deutschland: Auch Anschläge im Portfolio
> Mit dem Krieg wächst in Deutschland die Sorge vor Vergeltung. Jüdische
> und israelische Einrichtungen und Exiliraner*innen sind gefährdet.
(IMG) Bild: Brandanschlag 2022 in Bochum: Die Quds-Brigaden der islamischen Revolutionsgarden waren mutmaßliche Auftraggeber
Acht Monate ist es her, [1][dass Ali S. im dänischen Aarhus festgenommen
wurde], im Auftrag der Bundesanwaltschaft. Zuvor soll der Däne mit
afghanischen Wurzeln in Berlin jüdische und israelische Einrichtungen
ausgespäht haben, einen koscheren Supermarkt, die Deutsch-Israelische
Gesellschaft und ein Büro, das auch Josef Schuster, Präsident des
Zentralrats der Juden, mitnutzt. Das Ziel, so die Bundesanwaltschaft, sei
die Vorbereitung von geheimdienstlichen Operationen gewesen, offenbar bis
hin zu Anschlägen. Und auch den Auftraggeber des 53-Jährigen meinen die
Ermittler zu kennen: einen iranischen Geheimdienst.
Der Fall um Ali S. steht exemplarisch für die Aktivitäten des iranischen
Regimes auch in Europa. Als wichtigster Handelspartner innerhalb der EU
galt Deutschland lange eher als Rückzugsgebiet, allerdings begingen Agenten
oder Helfer*innen vor allem in den Nachbarstaaten Morde oder Anschläge.
Iranische Geheimdienstler*innen spähen Oppositionelle aus und
schüchtern sie ein, planen und verüben Anschläge auf (pro)jüdische und
(pro)israelische Einrichtungen, starten Hackerangriffe – und töten
Menschen. Seit Jahrzehnten.
Zuletzt griffen iranische Agenten dafür vermehrt auf Personen aus der
organisierten Kriminalität zurück, die sie für die Taten rekrutierten. Es
sind „Wegwerfagenten“, ähnlich denen, die Russland einsetzt, um Spuren zu
den Auftraggebern zu verschleiern.
## Dezentraler Terror als Strategie des Regimes
Terrorismusexperten sehen in solchen dezentralen Auslandsaktivitäten, die
Behörden als „t[2][ransnationale Repression]“ bezeichnen, eine bewusste
Strategie der Einschüchterung und Ausdehnung des Einflusses. Aktiv
beteiligt sind dabei die Quds-Brigaden, die Auslandsoperateure der
islamischen Revolutionsgarden, ebenso wie der iranische Geheimdienst
„Ministerium für Information und Sicherheit“ (Mois). Zurückgreifen kann das
Regime dabei auch auf verbündete Anhänger*innen der Terrormiliz
Hisbollah, die in Deutschland eine starke Basis hat.
Ali S. sitzt bis heute in Haft. In der Zwischenzeit aber wurde noch ein
Kontaktmann von ihm festgenommen, Tawab M., ebenfalls in Aarhus. Der soll
bereits früher mit Waffen und Materialien für Sprengvorrichtungen zu tun
gehabt und nun Ali S. zugesagt haben, eine Person für einen Anschlag auf
jüdische Ziele in Deutschland zu finden.
Schon nach der Festnahme von Ali S. war der iranische Botschafter in
Deutschland einberufen worden – der die Vorwürfe zurückwies. Die Ermittler
aber halten daran fest und zuletzt bestätigte der Bundesgerichtshof nach
taz-Informationen den Haftbefehl gegen Ali S. Zudem veröffentlichte der
Mossad vor einigen Monaten einen Namen, wer wiederum den Dänen angeleitet
haben soll: Sardar Amar, ein Kommandeur der Quds-Brigaden, der auch
Anschläge in anderen Ländern geplant haben soll.
Für die deutschen Sicherheitsbehörden ist der Fall Ali S. ein weiterer
Beleg, wie weit iranische Geheimdienste schon zuletzt auch in Deutschland
gingen – was sich nun, nach den Angriffen der USA und Israels auf Iran,
noch verschärfen könnte. Nicht nur [3][Ron Prosor, israelischer Botschafter
in Deutschland], fürchtet auch Racheakte gegen jüdische und israelische
Einrichtungen auf europäischem Boden. Auch das [4][Bundesamt für
Verfassungsschutz warnt, dass Synagogen oder jüdische Schulen für
Vergeltungsmaßnahmen Irans infrage kommen könnten].
## Behörden sehen „hohe abstrakte Gefährdung“
Eine Sprecherin von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte,
man sei „hoch wachsam“ und [5][passe Schutzmaßnahmen im Bedarfsfall an]. Es
bestehe eine „hohe abstrakte Gefährdung“ für Einrichtungen, die Israel und
den USA nahestehen. Gleiches gelte für Personen der iranischen
Exilopposition. Für diese stehe, wenn es zu Vorfällen komme, eine
Meldestelle beim Bundesamt für Verfassungsschutz bereit.
Und der Nachrichtendienst betont, dass die Quds-Brigaden der
Revolutionsgarden sowie der iranische Auslandsnachrichtendienst in
Deutschland mit Spionage aktiv seien, aber auch auf „verdeckte militärische
und staatsterroristische Operationen“ setzten – wie eben im Fall Ali S.
Und es bleibt nicht nur bei Plänen. [6][So war bereits im Jahr 2023 ein
Deutschiraner verurteilt worden], der im November 2022 in Bochum eine
Synagoge angreifen wollte, den Brandsatz dann aber auf eine benachbarte
Schule warf. Das Gericht war überzeugt, es sei bei der Tat darum gegangen,
vor Ort ein „Klima der Verunsicherung“ zu schaffen. Im Urteil hieß es, dass
der Mann einen Auftraggeber in Iran hatte, hinter dem eine „staatliche
iranische Stelle“ steckte. Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hatten
das im Zuge des Verfahrens bereits präzisiert: die Quds-Brigaden der
islamischen Revolutionsgarden.
Unter anderem wohl dieser Fall aus Bochum schuf für die Bundesregierung die
rechtliche Grundlage, um darauf zu drängen, die Revolutionsgarden auf
[7][die Terrorliste der EU zu setzen, was nun Ende Januar auch geschah].
Oppositionelle Aktivist*innen, aber auch etwa der iranischstämmige
Grünen-Politiker [8][Omid Nouripour fordern nun in einem weiteren Schritt,
in Deutschland auch ein Betätigungsverbot für die Revolutionsgarden] zu
verhängen.
## Exil-iranische Oppositionelle im Visier
Neben jüdischen und israelischen Zielen sind vor allem Exil-Iraner*innen in
Deutschland durch iranische Nachrichtendienste gefährdet. Hier ist vor
allem der iranische Geheimdienst „Ministry of Intelligence“ (Mois) aktiv,
dem der Verfassungsschutz ebenfalls „Staatsterrorismus“ vorwirft. Es gehe
dem Dienst um die Einschüchterung und Neutralisierung von Oppositionellen,
um die Bestrafung von Verräter*innen oder Überläufer*innen, „bis hin
zur Entführung sogar Tötung der Zielperson“.
Und Iran setzt auch noch auf eine andere Karte: auf Cyberangriffe. Schon
vor einigen Jahren wurde die [9][Cyberkampagne „Charming Kitten“
identifiziert], die sich gegen iranische Oppositionelle,
Journalist*innen oder Menschenrechtsaktivist*innen auch in
Deutschland richtete. Dabei wird mit Social Engineering, dem Vortäuschen
realer Onlinekontakte, versucht, Kommunikationssysteme von Betroffenen zu
infiltrieren – teils erfolgreich. Im vergangenen Herbst traf dies etwa die
iranischstämmige Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU). In E-Mails
hatte sich eine Person als Vertreter des Zentralrats der Juden ausgegeben.
Als ein Mitarbeiter Badenbergs auf einen Link in einer E-Mail klickte,
wurde ein Rechner mit Schadsoftware infiziert.
Auch als [10][Mitte 2024 in Hamburg das „Islamische Zentrum“ durch das
Bundesinnenministerium verboten wurde], lautete der Vorwurf, dass dieses
eine direkte Vertretung des iranischen Revolutionsführers in Deutschland
sei, einen aggressiven Antisemitismus pflege und die terroristische
Hisbollah unterstütze. Der Verfassungsschutz sprach von einem „bedeutenden
Propagandazentrum des Iran in Europa“.
Exil-Iraner*innen hatten seit Jahren vor dem „Islamischen Zentrum“ (IZH)
gewarnt und davor, dass von hier aus Geheimdienstaktivitäten in Deutschland
koordiniert würden. Sie hatten lange auf eine Reaktion der Behörden warten
müssen.
## Deutschland Rückzugsort der Hisbollah
Gegen die Hisbollah wiederum wurde [11][bereits 2020 ein Betätigungsverbot
in Deutschland verhängt]. Für die libanesische Miliz gilt Deutschland
bisher eher als Rückzugsort, der für Spendensammlungen genutzt wird.
Zuletzt rechneten Sicherheitsbehörden der Hisbollah hierzulande 1.250
Anhänger zu.
Neben dem Verbot der Hisbollah und des IZH hatte die Bundesregierung im
Herbst 2024, als Reaktion auf die Hinrichtung des Deutschiraners Djamshid
Sharmahd in Iran, [12][alle drei iranischen Generalkonsulate in Deutschland
schließen lassen]. Heute ist nur noch die Botschaft in Berlin geöffnet.
Nun, nach den Angriffen auf Iran und dessen Gegenschlägen, wurden
Schutzmaßnahmen vor allem von jüdischen Einrichtungen nochmal hochgefahren.
[13][Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte, man tue „alles“, um die
öffentliche Sicherheit zu gewährleisten]. „Wir werden antisemitische oder
antiamerikanische Angriffe auf deutschem Boden nicht dulden.“
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, betonte: „Gelingt es,
das Regime in die Knie zu zwingen, hätte das – von bedrohten Minderheiten
und oppositionellen Exil-Iranern bis zu Angriffen auf unsere kritische
Infrastruktur – unmittelbare Auswirkungen für die Sicherheit in ganz
Deutschland.“ Und die jüdische Gemeinschaft in Deutschland könnte „ohne
iranische Terroragenten ihrem Ziel eines sichtbaren Lebens ohne
Schutzschild endlich einen bedeutenden Schritt näherkommen“.
3 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mutmasslicher-Spion-festgenommen/!6097599
(DIR) [2] https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/glossareintraege/DE/T/transnationale-repression.html
(DIR) [3] https://x.com/Ron_Prosor/status/2028445382410146270
(DIR) [4] /Anschlagsrisiko-nach-Angriffen-auf-Iran/!6158948
(DIR) [5] /Anschlagsrisiko-nach-Angriffen-auf-Iran/!6158948
(DIR) [6] /Anschlaege-auf-Synagogen-in-NRW/!5899893
(DIR) [7] /Iranische-Revolutionsgarde/!6150005
(DIR) [8] https://x.com/nouripour/status/2028420734532399245
(DIR) [9] /Bundesamt-fuer-Verfassungsschutz/!5949566
(DIR) [10] /Islamisches-Zentrum-verboten/!6022771
(DIR) [11] /Verbot-der-Hisbollah-in-Deutschland/!5682314
(DIR) [12] /Nach-Ermordung-von-Jamshid-Sharmahd/!6046335
(DIR) [13] /Anschlagsrisiko-nach-Angriffen-auf-Iran/!6158948
## AUTOREN
(DIR) Konrad Litschko
(DIR) Jean-Philipp Baeck
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Bundesamt für Verfassungsschutz
(DIR) Alexander Dobrindt
(DIR) Zentralrat der Juden
(DIR) Sicherheit
(DIR) Terrorismus
(DIR) Iranische Revolutionsgarden
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Iranische Revolutionsgarden
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Neuer Chef der Revolutionsgarden im Iran: Wahnhafter Israelhass
Ahmad Vahidi ist der neue Kopf der mächtigen Iranischen Revolutionsgarden.
Er ist ein Hardliner im Geiste des getöteten Ajatollahs Chamenei.
(DIR) Rechtsprofessor Kai Ambos über Irankrieg: „Das Völkerrecht ist kein Wunschkonzert von Professoren“
Der Angriff der USA und Israel ist eindeutig völkerrechtswidrig, sagt Kai
Ambos. Das kann auch Merz in Schwierigkeiten bringen.
(DIR) Zentralrat bejubelt Irankrieg: Einfach mal die Klappe halten
Der Zentralrat der Juden bejubelt den amerikanisch-israelischen Krieg gegen
Iran. Seine Stellungnahme hätte er dem israelischen Botschafter überlassen
sollen.
(DIR) Anschlagsrisiko nach Angriffen auf Iran: Erhöhte Gefahr für Jüdinnen und Juden in Deutschland
Die Polizei verstärkt den Schutz jüdischer und israelischer Einrichtungen.
Der Verfassungsschutz sieht auch US-Standorte und Exil-Iraner*innen in
Gefahr.
(DIR) Europäische Iranpolitik: Die Sanktionen gegen die iranischen Revolutionsgarden wirken
Wer die jüngst beschlossene EU-Maßnahme als Symbolpolitik abtut, übersieht
ihre Folgen. Die entscheidende Frage ist: Was ist der nächste Schritt?
(DIR) Mutmaßlicher Spion festgenommen: Iran plante wohl Anschläge auf jüdische Ziele in Deutschland
In Dänemark wurde ein Mann festgenommen, der im Auftrag Irans jüdische
Ziele in Deutschland ausgekundschaftet haben soll. Die Ermittler vermuten
Anschlagspläne.