# taz.de -- Streit um Berlinale-Chefin: Unterstützung für Tricia Tuttle
> Kulturschaffende verteidigen die Berlinale-Chefin: Der
> Kulturstaatsminister will sie wohl für fehlende Kritik an
> pro-palästinensischem Regisseur feuern.
(IMG) Bild: Festivalchefin Tricia Tuttle
[1][Die ungewisse Zukunft der Berlinale] treibt die Filmbranche um, und
nicht nur sie. Am Mittwoch hatte die Meldung, Tricia Tuttle könnte als
Chefin der Berliner Filmfestspiele entlassen werden könnte, für Aufregung
gesorgt. Von einer eilig einberufenen Sondersitzung der Trägergesellschaft
der Berlinale ist die Rede gewesen. Die Bild-Zeitung meldete,
[2][Kulturstaatsminister Wolfram Weimer] wolle dabei Tuttle entlassen.
Viele Medien sprangen darauf an, auch die taz.
Die Meldung hat sich allerdings am Donnerstagvormittag als voreilig
erwiesen. Die Sondersitzung des Aufsichtsrats fand tatsächlich statt, doch
sie blieb ohne Ergebnis. Tuttle wurde nicht entlassen, es wurde aber noch
nicht entschieden, ob sie im kommenden Jahr Leiterin der Berlinale bleibt.
„Die Gespräche über die Ausrichtung der Berlinale werden in den kommenden
Tagen zwischen der Intendantin, Tricia Tuttle, und dem Aufsichtsratsgremium
fortgesetzt“, ließ der Kulturstaatsminister in einer Pressemitteilung
verbreiten. Doch die Debatte um die Ausrichtung der Berlinale, neben Cannes
und Venedig eines der drei großen Filmfestivals weltweit, bleibt – und mit
ihr die Debatte um Meinungsfreiheit und den Einfluss, den die Politik auf
Kulturinstitutionen nehmen soll, kann und darf.
Noch während des Festivals [3][musste sich Tuttle den Vorwürfen in einem
offenen Brief stellen], sich an der institutionalisierten Zensur
palästinensischer Stimmen zu beteiligen. Zum Abschluss der Filmfestspiele
war ihr dann vorgeworfen worden, die Preisrede von Abdallah al-Khatib
unkommentiert gelassen zu haben. Der syrisch-palästinensische Regisseur
hatte der Bundesregierung Beteiligung am Völkermord vorgeworfen. Tuttle
selbst hatte während des Festivals mehrfach die Berlinale als unabhängigen
Diskursraum verteidigt.
## Unterstützung von Tom Tykwer und Ilker Çatak
Mit dieser Ausrichtung stellen sich jetzt viele Player des Kulturbetriebs
eindeutig hinter sie. In einem offenen Brief zur Zukunft der Berlinale, der
innerhalb weniger Stunden von 700 Filmleuten unterzeichnet wurde, unter
anderen von Ilker Çatak, Nicolette Krebitz, Ari Folman und Tom Tykwer,
heißt es: „Gerade in Zeiten globaler Krisen brauchen wir Orte, die
Widerspruch aushalten. Die Unabhängigkeit kultureller Institutionen schützt
nicht nur künstlerische Freiheit, sondern die demokratische
Diskursfähigkeit insgesamt. Wenn jede Kontroverse institutionelle
Konsequenzen nach sich zieht, wird aus Diskurs Kontrolle.“
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) schrieb in seiner Eigenschaft
als Präsident des Bühnenvereins: „Es ist fatal, dass die Zukunft von Tricia
Tuttle an der Spitze der Berlinale überhaupt infrage steht. Unter ihrer
souveränen Leitung standen bei der Berlinale in diesem Jahr herausragende
Filme im Mittelpunkt einer Welt voller Krisen. Das Festival war deshalb
nicht nur notgedrungen auch ein Ort der Kontroverse.“
Und Deniz Yücel sagte als Sprecher des PEN-Berlin: „Abdallah al-Khatibs
Äußerungen sind durch die Meinungsfreiheit gedeckt – so wie es
selbstverständlich auch das Tragen der Kufiya und das Zeigen der
palästinensischen Flagge ist. Und nichts davon kann man Tricia Tuttle
ankreiden.“
Und weiter heißt es: „Wolfram Weimer lag darin richtig, gegen [4][die
Ausladung des israelischen Dirigenten Lahav Shani] und den diskutierten
[5][Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest] zu protestieren. Wir
appellieren an Herrn Weimer, auch diesmal für die richtige Seite – für die
Freiheit der Kunst – Partei zu ergreifen und sich nicht zum Totengräber der
Berlinale zu machen.“
26 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berlinale-Chefin-darf-erstmal-bleiben/!6158159
(DIR) [2] /Kommender-Kulturstaatssekretaer-Weimer/!6085041
(DIR) [3] /Konflikt-um-Gaza-auf-der-Berlinale/!6155498
(DIR) [4] /Muenchner-Philharmoniker-gecancelt/!6113344
(DIR) [5] /Israel-darf-an-ESC-teilnehmen/!6135609
## AUTOREN
(DIR) Dirk Knipphals
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) Tricia Tuttle
(DIR) Kulturpolitik
(DIR) Film
(DIR) Wolfram Weimer
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Kunstfreiheit
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
(DIR) Schwerpunkt Berlinale
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kuturpolitiker über Berlinale-Diskussion: „Das engt die Künste ein“
Selbst wenn die Demokratie unter Druck steht: Die Kunst nur noch Genehmes
äußern zu lassen, wäre falsch, sagt Bühnenvereinspräsident Carsten Brosda.
(DIR) Wolfram Weimer und die Berlinale: Autoritäre Machtmarkierung
Auch wenn Tricia Tuttle vorerst Festival-Leiterin bleibt – das Vorgehen des
Kulturstaatsministers wirkt als Warnung an die gesamte Kulturszene.
(DIR) Berlinale-Chefin: Intendantin Tuttle darf erst mal bleiben
Krisensitzung im Kanzleramt hat vorerst keine Konsequenzen. Filmschaffende
hatten vehement gegen eine drohende Entlassung von Tuttle protestiert.
(DIR) Druck von Kulturminister Wolfram Weimer: „Dann kann man die Berlinale gleich beerdigen“
Muss Festivalchefin Tricia Tuttle ihren Posten räumen? In der Filmbranche
regt sich großer Protest, Preisträger İlker Çatak kündigt einen Boykott an.
(DIR) Berlinale-Leitung: Zu viel Schlagseite
Kulturstaatsminister Weimer plante, Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle zu
entassen. Nicht nur in politisch heiklen Fragen ließ sie die nötige Haltung
vermissen.