# taz.de -- Berlinale-Leitung: Zu viel Schlagseite
> Kulturstaatsminister Weimer plante, Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle
> zu entassen. Nicht nur in politisch heiklen Fragen ließ sie die nötige
> Haltung vermissen.
(IMG) Bild: Tricia Tuttle hier bei der Eröffnung der 76. Berlinale
Anmerkung der Redaktion: Die Trägergesellschaft der Berlinale hat am
Donnerstag über Konsequenzen aus israelfeindlichen Äußerungen bei der
Filmpreis-Verleihung am Sonntag beraten. [1][Zu einer Ablösung der
Intendantin, über die im Vorfeld spekuliert worden war, kam es nach
heftigen Protesten nicht.] (afp)
Zwei Jahre. Das ist ein Rekord. Die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle
wird bis auf Weiteres als die Leiterin mit der kürzesten Amtszeit in die
Geschichte des Filmfestivals eingehen. Tuttle war 2024 als Nachfolgerin von
Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, der ersten Doppelspitze der
Berlinale, angetreten. Schon unter den beiden hatte es am Rande von
Berlinale-Galas politische Statements zu Gaza gegeben, abgesetzt wurden sie
von der damaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth aber aus internen
Gründen. Dass Roths Amtsnachfolger Wolfram Weimer jetzt seinerseits Tricia
Tuttle entlassen will, liegt an ihrem Agieren zum Abschluss der 76.
Berlinale.
Der vom Festival für sein Spielfilmdebüt „Chronicles From the Siege“
ausgezeichnete palästinensische [2][Regisseur Abdallah Alkhatib hatte in
seiner Dankesrede am Samstag der Regierung Deutschlands vorgeworfen],
„Partner des Völkermords in Gaza“ zu sein, und angekündigt: „Wir werden uns
an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden
erinnern, der gegen uns war.“ Auch würde man sich an jeden erinnern, „der
geschwiegen hat“. Die wenig verhohlene Drohung haben einzelne Kommentatoren
ohne nähere Angabe von Gründen als Übertreibung wegzuwischen versucht. In
der Politik sah man das anders.
Israel, das mit bloß einem Film vertreten war, wurde an dem Abend von
Rednern zudem in rein kritischer Absicht erwähnt. Bei alledem blieb Tuttle
auf der Bühne eine Reaktion schuldig. Eine Woche zuvor hatte sie zur
Premiere von Alkhatibs Film für ein Foto inmitten seiner Crew mit vielen
Kufiyas und neben einer palästinensischen Flagge posiert.
Dass sie bei dem Termin zugegen war, mag zu ihrem Job gehören. [3][Dass
ihrerseits ein Kommentar zu Alkhatibs Worten ausblieb, kann man jedoch kaum
als ausgleichende Vermittlung bezeichnen]. Eine solche politische
Schlagseite, die schon während der Berlinale zu beobachten war, steht dem
Festival nicht gut zu Gesicht. Weimer ist ausnahmsweise zuzustimmen.
25 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tim Caspar Boehme
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