# taz.de -- Globale Knebelregel: Wie die USA Frauen*rechte weltweit beschneiden
> Heute tritt die „Global Gag Rule“ in Kraft. Sie verbietet Förderung von
> Organisationen, die sich für Diversität, Queere- und Frauenrechte
> einsetzen.
(IMG) Bild: Trump verschärfte die „Global Gag Rule“ bereits in seiner ersten Amtszeit. Diese Aktivist*in protestierte schon 2017
Sie ist wieder da – und wie alles in US-Präsident Donald Trumps zweiter
Amtszeit kommt sie noch krasser: die „[1][Mexico City Policy“,] auch
„Global Gag Rule“ genannt. Diese „Globale Knebelregel“ verbietet es, dass
US-Finanzmittel an Organisationen im Ausland gehen, die über Abtreibung
informieren oder sie vornehmen – auch wenn die Programme über andere Kanäle
finanziert werden. Am Donnerstag tritt sie in verschärfter Form in Kraft.
Eingeführt hat die Regel der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan schon
1984. Seitdem wird sie je nach politischer Gesinnung der Präsidenten ein-
und ausgesetzt. Trump hat sie ausgeweitet auf die gesamte Auslandshilfe des
Außenministeriums. Sie gilt nun auch für US-Organisationen, Organe der
Vereinten Nationen und ausländische Regierungen, die Gelder von den USA
erhalten.
Außerdem geht sie weit über das Thema Abtreibung hinaus. Auch
Organisationen, die „Gender-Ideologie“ und „diskriminierende
Gleichstellungsideologie“ betreiben, sich für Rechte von queeren Menschen
oder für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion (auf Englisch abgekürzt mit
DEI) in ihren Organisationen einsetzten, dürfen nicht gefördert werden.
Von Trumps erster Amtszeit, als die Regel wieder eingesetzt wurde, gibt es
[2][viele Daten dazu,] wie sich das auswirkt. Insgesamt hatten Frauen
weniger Zugang zu Familienplanung, Verhütungsmitteln und
Gesundheitsversorgung im Allgemeinen. Auch die gesundheitliche Versorgung
von Babys und Kleinkindern verschlechterte sich. Ebenso der Zugang zu
HIV-Medikamenten. Die Anzahl von unsicheren Abtreibungen mit
Gesundheitsfolgen stiegen.
## Fördermittel in Höhe von 30 Milliarden betroffen
„Es ist zu erwarten, dass diese bisher extremste Version der Global Gag
Rule die Sicherheit und Gesundheit von marginalisierten Gruppen, darunter
auch Überlebende sexualisierter Gewalt, weiter verschlechtert“, sagt
Stephanie Johanssen von Ärzte ohne Grenzen Deutschland der taz.
Ärzte ohne Grenzen ist nicht direkt von den Restriktionen betroffen, weil
die Hilfsorganisation keine Gelder der US-Regierung annimmt. Johanssen
erwarten aber, dass der Bedarf von Patient*innen in Not infolge der
US-Regel stark steigen wird, wenn die ohnehin zu geringe Anzahl an
Anlaufstellen begrenzt wird.
„In Krisenkontexten zählt jede Minute“, sagt Johanssen. „Diese
ideologischen Restriktionen werden es vielen Organisationen, die US-Gelder
beziehen, sehr schwer machen, effektive und bedürfnisorientierte humanitäre
Hilfe zu leisten.“
Die USA unter Trump haben ohnehin einen Großteil ihrer Gelder für
Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe eingestampft und wollen künftig
auch weniger UN-Organisationen finanzieren.
[3][Laut der Nachrichtenagentur Reuters] sind dennoch insgesamt
Fördermittel in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar von der Global Gag Rule
betroffen. Nach der Regel müssen zum Beispiel auch US-Botschaften ihre
Programme anpassen. Die USA haben außerdem eine [4][Reihe bilateraler
Abkommen zu Kooperationen im Gesundheitssektor] mit Staaten im Globalen
Süden abgeschlossen. Auch diese dürften betroffen sein. Vor Kurzem sagten
die USA außerdem [5][2 Milliarden US-Dollar für UN-Hilfsmissionen] zu.
26 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /G7-und-Schwangerschaftsabbrueche/!5509070
(DIR) [2] https://link.springer.com/article/10.1186/s41256-019-0113-3
(DIR) [3] https://www.reuters.com/world/us-missions-review-aid-programs-compliance-with-new-rules-abortion-diversity-2026-01-29/
(DIR) [4] /Deutsche-Entwicklungspolitik/!6144929
(DIR) [5] https://news.un.org/en/story/2025/12/1166678
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
## TAGS
(DIR) Entwicklungspolitik
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Frauenrechte
(DIR) Schwerpunkt Abtreibung
(DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
(DIR) Vereinte Nationen
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Entwicklungspolitik
(DIR) EU-Kommission
(DIR) sexuelle Selbstbestimmung
(DIR) Entwicklungspolitik
(DIR) Entwicklungszusammenarbeit
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Gesundheitsabkommen: Simbabwe will kein Geld von den USA
Simbabwe hat das Gesundheitsabkommen abgelehnt, weil es die Weitergabe
sensibler Daten vorsah. Ein sambischer Leak zeigt Verknüpfung zu
Rohstoffsicherung.
(DIR) Schwangerschaftsabbrüche in Europa: EU-Kommission lehnt Fonds für Abtreibungen ab
Viele Europäerinnen müssen für einen Abbruch lange Wege und hohe Kosten auf
sich nehmen. Eine Unterstützung vonseiten der EU können sie nicht erwarten.
(DIR) „Marsch für das Leben“ in Berlin: Der gegenseitige Wunsch nach Abtreibung
In Berlin, Köln und Zürich demonstrierten fundamentale Christ:innen und
Rechte gegen Schwangerschaftsabbrüche – in Berlin so wenige wie zuletzt
2004.
(DIR) Aids, Tuberkulose und Malaria: „Wir laufen Gefahr, die Kontrolle zu verlieren“
Kürzungen bei globaler Gesundheit kosten Menschenleben, sagt Peter Sands,
Chef vom Globalen Fonds. Ein neues Mittel könnte die HIV-Pandemie beenden.
(DIR) Krise der Entwicklungszusammenarbeit: Senegal allein gelassen
Im Senegal spürt man, was die Auflösung von USAID bedeutet. Sie trifft die
Marginalisierten, langfristig könnte das ganze Gesundheitssystem wanken.