# taz.de -- Reform des Heizungsgesetzes: Ein bisschen Grün muss sein
> CDU und SPD haben sich im Rahmen der Heizungsreform auf eine sogenannte
> Grüngasquote geeinigt. Das Konzept hat jedoch mehrere Schwachstellen.
(IMG) Bild: Als Anti-Wärmepumpen-Tiger gestartet, als Reformkätzchen gelandet?
Bei ihrer [1][geplanten Reform des Heizungsgesetzes] hat sich Schwarz-Rot
auf eine Quote für „klimafreundliche Brennstoffe wie Biomethan und
synthetischem Treibstoff“ geeinigt. Diese sogenannte Grüngas-
beziehungsweise Grünheizölquote bedeutet, dass Energielieferanten ihrem
Brennstoff künftig einen bestimmten Anteil an „grünen“ Energieträgern
beimischen müssen. Diese Quote soll laut einem Eckpunktepapier der
Koalition bei einem Prozent beginnen und dann kontinuierlich steigen.
Entsprechende Energieträger zur Beimischung wären im Fall des Erdgases etwa
Biomethan oder Wasserstoff; im Fall des Heizöls synthetische Kraftstoffe
(„E-Fuels“). Damit wären dann nicht mehr Hauseigentümer dafür
verantwortlich, dass Wärme für Wohnhäuser künftig klimafreundlicher erzeugt
wird, sondern Energielieferanten.
Was zunächst nach einer Vereinfachung klingt, hat einen großen Haken: Die
verfügbare Menge an „grünen Molekülen“ ist in Deutschland begrenzt. Aktuell
liegt der Anteil von Biomethan im Erdgasnetz (also aufbereitetes Biogas,
das ins Netz eingespeist wird) bei rund 1,3 Prozent des deutschen
Erdgasverbrauchs. Allzu sehr lässt sich der Anteil aber nicht steigern,
weil auch die dafür nötige Biomasse ein limitierter Rohstoff ist.
Alternativ oder ergänzend lässt sich auch Wasserstoff oder daraus
synthetisch hergestelltes Methan beimischen. Die Beimischung von
Wasserstoff bis 20 Volumenprozent ist nach Einschätzung der Gaswirtschaft
ohne allzu große Umbauten an der Netzinfrastruktur möglich. Doch diese Gase
sind sehr teuer, weil ihre Produktion sehr viel Strom verbraucht. Würde der
Wasserstoff in Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung mit günstigem Strom aus
Photovoltaikanlagen erzeugt, wäre andererseits der Transport nach
Deutschland teuer.
## Gesetz soll nur Gebäude betreffen
Die nun vorgesehene Quote besagt nicht, dass die „grünen“ Gase in jedem
einzelnen Netzabschnitt tatsächlich beigemischt werden müssen – es handelt
sich vielmehr um eine landesweite Quote. Die Idee ist, das Instrument für
den Staat haushaltsneutral anzulegen, also über eine Umlage der
Gasverbraucher zu finanzieren. Das Gesetz soll nur Gebäude betreffen,
andere Sektoren, insbesondere Industrie und Gewerbe, sollen davon
ausgenommen werden.
Seitens der Energiewirtschaft und der Anlagenhersteller gibt es sowohl auf
der Pro- wie auf der Contra-Seite vehemente Verfechter. Während die
Gaslobby auf den Fortbestand ihres Geschäftes hofft, lehnt die Stromlobby
die weitere Zulassung ihrer Konkurrenz ab.
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) erklärt, es sei
wichtig, „für Endkunden weiterhin Wahlfreiheit zu gewährleisten, indem
technologieoffen etwa im Wärmemarkt dekarbonisierte Gase nicht gegenüber
direktelektrischen Anwendungen benachteiligt werden“.
Auch der Verband der Anlagenbauer (VDMA) befürwortet die Einführung einer
Grüngasquote. Diese schaffe „auf der Anbieterseite einen starken Impuls für
die Nachfrage von Technologien zur Herstellung grüner Gase, insbesondere in
der Wasserstoffwertschöpfungskette“. Die Quote könne „helfen, fossile Gase
schrittweise durch erneuerbare Alternativen zu ersetzen und so die
CO₂-Emissionen im Gassektor deutlich zu senken“.
Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) hingegen sieht in der
Grüngasquote einen Widerspruch zur CO₂-Bepreisung im Rahmen des nationalen
und europäischen Emissionshandels. Eine zusätzliche Grüngasquote wäre „ein
zusätzliches Mengeninstrument in einem ohnehin stark regulierten Markt –
und würde das Signal senden, dass bestehende Gasinfrastrukturen und
gasbasierte Heizsysteme langfristig eine tragfähige Perspektive haben
könnten“. Das untergrabe Investitionsentscheidungen zugunsten elektrischer
Lösungen. Auch Unternehmen der Stromwirtschaft argumentieren gegen die
Quote.
## Finanzielle Belastung hoch, Klimaschutz niedrig
Zu den Kritikern zählen auch Umweltverbände. Die Quote führe „zu einer
massiven finanziellen Belastung“ von Verbrauchern, ohne einen wirksamen
Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, heißt es etwa von BUND und DUH. Auch
Agora Energiewende tendiert in diese Richtung: „Bei der Heizungswahl
berücksichtigen Hauseigentümer spätere hohe Preisaufschläge durch eine
Quote nicht ausreichend, sodass eine Quote keinen Beitrag zum Ausstieg aus
fossilen Heizungen bieten würde.“
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) weist zudem darauf hin, dass die
CO₂-Bilanz von Biomethan sogar schlechter sein kann als die von fossilem
Erdgas. Zumindest, wenn die gesamte Produktionskette betrachtet wird.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie unterdessen will das Konzept nicht
von vorneherein verteufeln: „Eine gut gemachte Grüngasquote kann einen
sinnvollen Beitrag zur Erhöhung der Planungssicherheit für Investitionen
leisten. Das hängt allerdings sehr von der genauen Ausgestaltung ab.“
25 Feb 2026
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