# taz.de -- Kanzler Merz in China: Noch ein Schock – Autoexporte brechen ein
       
       > Deutschland lieferte deutlich weniger Pkws nach China als 2024. Jetzt
       > hofft die Industrie auf hartes Auftreten von Kanzler Merz bei seiner
       > Pekingreise.
       
 (IMG) Bild: Wie abhängig Deutschland von China ist, könnte sich bei Merz’ Reise in die Volksrepublik zeigen
       
       Werden Europa und Deutschland eines Tages zur verlängerten Werkbank Chinas?
       Eine bange Frage, die sich einige aus der 30-köpfigen Wirtschaftsdelegation
       längst gestellt haben dürften, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an
       diesem Mittwoch und Donnerstag bei seinem [1][Antrittsbesuch] in der
       Volksrepublik begleitet.
       
       Das alte Beziehungsgeflecht zwischen dem Billiglohnstandort in Fernost und
       Europas größter Volkswirtschaft droht sich unter den Vorzeichen der neuen
       Geopolitik grundlegend umzukehren. China hat sich nicht nur politisch zur
       rabiaten Supermacht entwickelt, auch wirtschaftlich ist der Systemrivale in
       Sektoren wie Batterietechnik, Elektromobilität oder Umweltgütern an Europa
       vorbeigezogen.
       
       Wie dramatisch der Chinaschock ist, zeigte am Dienstag eine
       [2][Untersuchung] des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft
       (IW): Danach sind die Ausfuhren der deutschen [3][Autoindustrie] nach China
       im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund ein Drittel eingebrochen. Im
       Vergleich zum Höchststand im Jahr 2022 brach das Geschäft mit Pkws und
       Autoteilen sogar um mehr als die Hälfte auf 14 Milliarden Euro ein.
       
       Auch andere Branchen schwächeln: Im Maschinenbau sackten die Exporte um
       fast 10 Prozent, in der metallverarbeitenden Industrie um fast 13 Prozent
       ab. Insgesamt stieg der Importüberschuss von Deutschlands wichtigstem
       Handelspartner im vergangenen Jahr um mehr als 22 auf rund 89 Milliarden
       Euro an. China ist vom Lieferanten zum Konkurrenten geworden.
       
       ## Gezielte Wettbewerbsverzerrung
       
       Chinas Erfolg beruht auch auf gezielter Wettbewerbsverzerrung. „Die
       chinesische Währung ist gegenüber dem Euro deutlich unterbewertet, zudem
       subventioniert China seine Wirtschaft stärker als jedes andere Land“,
       erklärt das IW. Europa müsse Ausgleichszölle einführen, fordert IW-Experte
       Jürgen Matthes.
       
       China sei „wegen seiner schwächelnden Wirtschaft auf den europäischen Markt
       angewiesen und erzielt hier hohe Gewinne. Das ist ein Hebel“, betont
       Matthes. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte am
       Dienstag, Merz solle in China hart auftreten und die
       Wettbewerbsverzerrungen klar adressieren.
       
       Aber: Sich mit Peking anzulegen, ist riskant – das haben Deutschland und
       die EU bereits zu spüren bekommen. Peking führte wegen des
       [4][Handelskrachs mit den USA] Exportbeschränkungen für seltene Erden und
       andere wichtige Rohstoffe ein, europäische Unternehmen leiden.
       
       „Derisking“, also weniger Abhängigkeiten bei strategisch wichtigen
       Produkten aus China und den USA, ist längst deutsche und EU-Politik. Auch
       Merz hat zuletzt angedeutet, sich in Peking nicht anbiedern zu wollen. Und:
       Im Januar hatte er, anders als Olaf Scholz und Angela Merkel vor ihm, als
       erstes großes Land in Asien Indien besucht.
       
       ## Merz fordert fairen Wettbewerb
       
       Auf EU-Ebene bremst Deutschland jedoch ab: Die EU solle sich für fairen
       Wettbewerb statt Protektionismus einsetzen, warnte Merz wiederholt. Unter
       Verweis auf chinesische Subventionen hat die EU bereits [5][Zölle] auf
       E-Autos und Stahlprodukte verhängt, chinesische Unternehmen wurden von
       öffentlichen Aufträgen für medizinische Geräte ausgeschlossen.
       
       Eine Lösung für Deutschland sehen Fachleute in der EU. Aber: Die Europäer
       ‌hätten unterschiedliche Ansätze im Umgang mit China, sagt Mikko Huotari,
       Direktor der China-Denkfabrik Merics. In Paris werde etwa über
       30-prozentige Strafzölle nachgedacht, Brüssel spreche über mehr
       Cybersicherheit.
       
       Die Achse Peking–Moskau wird Merz ohnehin kaum brechen können. Der
       Ukrainekrieg sollte die Beziehungen zwischen Europa und China nicht
       belasten, sagte eine Sprecherin des Außenamts in Peking am Tag vor der
       Ankunft der Deutschen. Eine Abfuhr für Merz, der in Berlin mit Blick auf
       die Staatschefs von China und Russland über den Ukrainekrieg gesagt hatte:
       „Wenn Xi Jinping Putin morgen sagen würde, hör das auf, dann muss er
       übermorgen aufhören.“
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kanzlerreise-nach-Peking/!6156502
 (DIR) [2] https://www.iwkoeln.de/studien/juergen-matthes-china-schock-trifft-vor-allem-die-autoindustrie.html
 (DIR) [3] /Probleme-der-Automobilindustrie/!6145453
 (DIR) [4] /Die-EU-und-die-USA/!6150956
 (DIR) [5] /Gegen-Billig-Autos-aus-China/!6018312
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
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