# taz.de -- Kanzler Merz in China: Zu Gast bei den Menschen-Maschinen von Hangzhou
       
       > Humanoide Roboter boomen in China, es ist ein regelrechter Hype. Sie sind
       > auch das Ergebnis der Industriepolitik von Chinas Präsidenten Xi Jinping.
       
 (IMG) Bild: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besucht am Donnerstag die Firma Unitree Robotics in der Provinz Zhejiang
       
       Als Friedrich Merz den Robotern beim Kämpfen zuschaut, strahlt der
       70-Jährige wie ein kleiner Junge. Die Menschen-Maschinen des Herstellers
       Unitree legen vor dem deutschen Kanzler eine beeindruckende
       Kung-Fu-Performance hin. Sie bewegen sich geschmeidig wie erfahrene
       Kampfkünstler, führen blitzschnelle Fersenkicks aus, halten dabei stets die
       Balance.
       
       Das Staunen der deutschen Delegation: Es ist nicht gespielt. [1][Am zweiten
       Tag seines China-Besuchs machte Friedrich Merz einen kurzen Abstecher in
       die östliche Metropole Hangzhou] – mit dem Hochgeschwindigkeitszug nur eine
       Stunde von Shanghai entfernt. Es ist eine junge Stadt, bekannt für ihre
       innovativen Tech-Unternehmen und Zukunftstechnologien.
       
       Dass [2][die deutsche Delegation] ausgerechnet beim Robotik-Produzenten
       Unitree Halt macht, ist kein Zufall. Das Unternehmen löst in der
       Volksrepublik derzeit einen regelrechten Hype aus. Über dieselbe
       Roboter-Performance, die am Donnerstag Friedrich Merz zu sehen bekam,
       staunten zuletzt 1,4 Milliarden Chinesen bei der traditionellen
       Frühjahrsgala im Staatsfernsehen.
       
       Längst stehen humanoide Roboter symbolisch für den Industrieerfolg der
       neuen Weltmacht. Die Branche wird nämlich nicht mehr von deutschen oder
       koreanischen Playern dominiert, sondern ist fest in chinesischer Hand. Und
       Unitree ist das vielversprechendste Start-up, das übrigens noch nie zuvor
       von einem westlichen Regierungschef besucht wurde.
       
       ## Massive staatliche Subventionen
       
       Man fühlt sich unweigerlich an die frühen Jahre des E-Auto-Booms erinnert,
       als in China unzählige neue Start-ups aus dem Boden schossen, angezogen
       durch massive staatliche Subventionen. Im Feld der humanoiden Roboter haben
       sich während der letzten Jahre immerhin über 150 Unternehmen gegründet,
       wahrscheinlich werden noch einige dazu kommen.
       
       Die meisten der Firmen, so viel steht bereits heute fest, werden bald
       pleitegehen. Doch diejenigen, die den harten Konkurrenzkampf auf dem
       chinesischen Markt überstehen, dürften wohl zum globalen Marktführer
       avancieren. So lautet das Rezept der chinesischen Industriepolitik.
       
       Warum Xi Jinping die Branche ins Zentrum seiner Fünfjahrespläne stellt,
       liegt auf der Hand: Die Geburtenrate hat sich im Reich der Mitte in nur
       einem Jahrzehnt halbiert, auf China rollt schon bald eine massive
       demografische Krise zu. In einigen Jahren dürfte es zu wenig Arbeitskräfte
       geben, während die Anzahl an Rentnern rapide steigt.
       
       Viele Ökonomen glauben, dass die Alterung die größte Bedrohung für den
       wirtschaftlichen Aufstieg Chinas darstellt – noch vor dem Systemkampf mit
       den Vereinigten Staaten. Andere Regierungen würden wohl auf Migration
       setzen, um die Geburtenrate zu steigern und die Produktivität zu halten.
       Doch dies ist in China politisch nicht erwünscht, auch aus Gründen der
       ideologischen Kontrolle und gesellschaftlichen Stabilität.
       
       ## Keine Androhung von Streiks
       
       Also geht Präsident Xi eine technologische Wette ein: Roboter sollen
       künftig etliche Jobs übernehmen, für die es dann nicht mehr genug Menschen
       gibt. Zudem haben die Mensch-Maschinen von Unitree gewisse Vorteile, über
       die sich nicht nur Unternehmensvorstände, sondern auch eine autoritäre
       Parteiführung freuen: Die Roboter brauchen keine Ferien und wegen zu
       geringer Löhne werden sie ebenfalls keinen Streik androhen.
       
       Doch natürlich kann einem bei den rasanten Fortschritten der humanoiden
       Roboter aus China auch angst und bange werden. Innerhalb der deutschen
       Delegation scherzten einige Beobachter zynisch, dass man sich dank der
       Roboter wohl bald auch die Wehrpflicht ersparen könne.
       
       Und sicher dauert es nicht mehr lange, bis die menschlichen Maschinen auch
       von der Sicherheitspolizei eingesetzt werden – um Verbrecher zu fangen,
       genauso wie Demonstranten oder Dissidenten. Das Militär soll tatsächlich
       bereits Produkte von Unitree bei einigen Missionen einsetzen – allerdings
       nur die Hunde-Roboter, die etwa als Spürtiere dienen.
       
       26 Feb 2026
       
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