# taz.de -- Wirtschaftsministerin Reiche in China: Auf schwieriger Mission
       
       > Bundeswirtschaftsministerin Reiche fordert in China Zugänge zu Seltenen
       > Erden und einen fairen Wettbewerb. Doch die Handelsbeziehungen sind aus
       > dem Lot.
       
 (IMG) Bild: Am Verhandlungstisch: Katherina Reiche (r.; CDU) am 27. Mai 2026 in China
       
       Als die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf ihren
       chinesischen Amtskollegen Wang Wentao trifft, bringt sie zwischen den
       gebührenden Höflichkeitsfloskeln so ziemlich alle zentralen Kritikpunkte
       der deutschen Unternehmen unter. So fordert die CDU-Politikerin einen
       [1][verlässlichen Zugang zu Seltene-Erden-Metallen], bei denen die
       Volksrepublik nach wie vor ein De-facto-Monopol hat.
       
       Und sie spricht auch die [2][ungerechten Wettbewerbsbedingungen zwischen
       den zwei Volkswirtschaften] an. „Wettbewerb ist uns nicht fremd. Wettbewerb
       bringt uns nach vorn“, sagt Reiche in Peking. Doch fair müsse er eben auch
       sein.
       
       In der Wirklichkeit ist dieses Ideal in weiter Ferne. Die einstigen
       Win-win-Beziehungen zwischen der deutschen und der chinesischen
       Volkswirtschaft sind längst aus dem Gleichgewicht geraten. Zwar klagen
       deutsche Unternehmen in China schon seit gut einem Jahrzehnt über
       [3][zunehmende Marktbarrieren] und erzwungene Technologietransfers. Doch
       wurden die Zustände so lange stillschweigend akzeptiert, wie die Profite in
       Strömen flossen.
       
       Spätestens seit der Pandemiejahre hat sich das Machtverhältnis zwischen den
       zwei Handelspartnern allerdings umgekehrt. Xi Jinpings Industriepolitik
       zielt höchst erfolgreich darauf ab, all diejenigen Branchen zu stärken, in
       denen einst deutsche Firmen Marktführer waren. Seither verlieren diese
       rasend schnell Marktanteile an die chinesische Konkurrenz.
       
       ## Konkurrenz der Systeme
       
       Und das liegt nur in Teilen [4][an der eigenen Behäbigkeit] oder zu hohen
       Energiekosten. Im Kern geht es auch darum, dass eine relativ freie
       Marktwirtschaft gegen einen gelenkten Staatskapitalismus konkurriert – ein
       System, das [5][subventionstechnisch] mit anderen Karten spielt.
       
       Ein Blick auf die Handelsstatistik spricht eine eindeutige Sprache. Das
       Handelsdefizit zwischen Europa und China beträgt mehr als eine Milliarde
       Euro – und zwar jeden einzelnen Tag. Bis auf Irland und Finnland gibt es
       kein einziges EU-Land mehr, das mehr nach China ex- als von dort
       importiert.
       
       Deutschland war lange Zeit von dieser Entwicklung ausgenommen. Mittlerweile
       jedoch befinden sich die Warenverkäufe des einstigen Exportweltmeisters
       nach China im freien Fall – allein im März sind sie um 14 Prozent
       eingebrochen.
       
       ## Chinas klare Strategie
       
       „Die von der chinesischen Regierung angekündigten Maßnahmen für
       ausgewogenere Märkte bleiben eher Rhetorik. Deswegen muss die Ministerin in
       ihren Gesprächen mit der chinesischen Regierung die konkrete Umsetzung
       eines nachhaltigen Geschäftsumfelds klar ansprechen“, kommentiert Oliver
       Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in
       Nordchina. Reiche selbst sagte im Vorfeld ihrer China-Reise dem Kölner
       Stadtanzeiger: „Wir haben unsere Interessen in der Vergangenheit nicht klar
       genug benannt.“
       
       Doch den [6][Handelskonflikt] als Kommunikationsproblem abzutun, ist
       reichlich naiv. Chinas Staatschef Xi Jinping verfolgt seit Jahren einen
       konsequenten wirtschaftspolitischen Kurs der „dualen Zirkulation“. Im Kern
       beinhaltet sein Konzept, Chinas Zukunftsindustrien mit staatlicher
       Unterstützung zu stärken, während man sich vom äußeren Handel möglichst
       autark machen möchte. Anders ausgedrückt: China möchte mit seiner
       Industrieproduktion sowohl Selbstversorger werden – und gleichzeitig auch
       die globalen Märkte fluten.
       
       Dazu gehört auch, in [7][strategisch wichtigen Lieferketten gezielt
       Abhängigkeiten zu generieren], die man dann als politisches Druckmittel
       missbrauchen kann. Und bislang geht Xis Plan blendend auf: Wie eine
       aktuelle Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erhob, hat
       sich Deutschlands Abhängigkeit von China bei vielen wichtigen Gütern
       zuletzt stark erhöht – von Akkus über Solarpaneelen bis hin zu Antibiotika.
       Die Rhetorik der Bundesregierung, sich stärker von China zu
       diversifizieren, ist bislang also genau dies geblieben – bloße Rhetorik.
       
       27 May 2026
       
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