# taz.de -- Chinas Nationaler Volkskongress: Für Peking ist Wirtschaftswachstum auch nur eine Zahl
> Beim Nationalen Volkskongress hat China ein historisch tiefes
> Wachstumsziel festgelegt. Was schlecht klingt, ist ein Trick der
> Parteiführung.
(IMG) Bild: Xi Jinping (Mitte), Staats- und Parteichef Chinas nimmt am Nationalen Volkskongress in China teil
Sobald Chinas Ministerpräsident mit seinem einstündigen Arbeitsbericht den
Nationalen Volkskongress eröffnet, stürzt sich die internationale Presse
auf eine Kennziffer: das Wachstumsziel. Dieses fällt mit „4,5 bis 5
Prozent“ so gering aus wie seit Beginn der 1990er nicht mehr. Damit
entspricht die Vorstellung der Parteiführung der Prognose des
Internationalen Währungsfonds, der von einem Wirtschaftswachstum von 4,5
Prozent ausgeht.
Was nach einer schlechten Botschaft klingt, ist das Gegenteil. Die
Wachstumszahlen sind in der kommunistischen Volksrepublik eine politische
Kenngröße, die zuverlässig erreicht wird. Ob Statistiken von den
Parteikadern geschönt werden müssen oder Gelder in Infrastrukturprojekte
mit begrenztem volkswirtschaftlichem Nutzen gesteckt werden –
[1][Hauptsache, der Plan wird erfüllt].
Dass Peking nun die Wachstumszahl etwas herunterschraubt, gibt der
Parteiführung Spielraum, mehr auf Qualität denn auf Quantität zu setzen –
und möglicherweise auch strukturelle Reformen einzuleiten, die erst
mittelfristig Wirkung zeigen. Ministerpräsident Li Qiang räumt in seinem
Arbeitsbericht ein „akutes“ Ungleichgewicht zwischen starkem Angebot und
schwacher Nachfrage im Land ein.
## Xi hat kein Interesse an hohem Konsum im Inland
Ökonomen achten beim Nationalen Volkskongress auf noch eine weitere
Kenngröße: das sogenannte Haushaltsdefizit. Das wurde für 2026 mit „rund 4
Prozent“ festgelegt – für China ein historisch hohes Niveau, das das Land
bereits im vergangenen Jahr erreichte. Dass der Staat sich weiter stark
verschuldet, könnte sich langfristig rächen. Kurzfristig bedeutet es ein
immenses Potenzial für Wachstumsimpulse. Davon hoffen [2][auch europäische
Unternehmen] zu profitieren.
Unter Ökonomen herrscht die Meinung vor, dass Chinas Staatschef Xi Jinping
aus ideologischen Gründen [3][kein Interesse hat, den Konsum anzukurbeln].
Das würde bedeuten, dass der Parteivorsitzende im großen Stil Ressourcen
von staatlicher Hand an die Privathaushalte abgeben müsste – etwa, indem er
die Sozial- und Gesundheitssysteme ausbaut oder aber auch Rahmenbedingungen
für höhere Löhne setzt. Das passiert bisher deutlich zu langsam.
5 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Fabian Kretschmer
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