# taz.de -- Griechischer Migrationskurs: Griechenland setzt auf Pushbacks statt „Orangen und Decken“
       
       > In Griechenland spitzt sich die Debatte um Pushbacks zu. Hintergrund ist
       > der Streit um einen tödlichen Zwischenfall mit einem Flüchtlingsboot.
       
 (IMG) Bild: Demonstration nach der tödlichen Kollision eines Flüchtlingsboots mit einem Boot der griechischen Küstenwache, Athen, am 5. Februar
       
       Nach dem tödlichen Zwischenfall mit einem Flüchtlingsboot vor der
       griechischen Insel Chios verschärft sich die Migrationsdebatte in
       Griechenland weiter. Zum ersten Mal argumentiert ein griechischer Politiker
       – [1][Makis Voridis von der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia
       (ND)] –, Pushbacks seien legal. Pushbacks sind staatliche Maßnahmen, bei
       denen Schutzsuchende in das vorherige Aufenthaltsland zurückgeschoben
       werden, ohne ihnen die Möglichkeit einzuräumen, einen Asylantrag zu
       stellen.
       
       [2][In einem Interview mit der Athener Wochenzeitung Documento ] sagt der
       ultrarechte Voridis, dass auf dem griechischen Festland keine Pushbacks
       vorgenommen würden. Etwas anderes sei jedoch die Abschreckung auf See. Dort
       sei es legitim, die Boote der Schlepper daran zu hindern, sich der
       griechischen Küste zu nähern. Im gleichen Atemzug greift der Ultrarechte
       die Linke zynisch an:
       
       „Wann darf nach Ansicht der Linken eine Verhinderung (der Ankunft in
       Griechenland) erfolgen? Niemals! Was hat unsere Küstenwache deren Meinung
       nach also zu tun: Suche, Rettung und ein Empfangskomitee, das Orangen und
       Decken verteilt.“
       
       Voridis’ Aussagen haben Gewicht in Griechenland. Bis Ende Juni vorigen
       Jahres fungierte der 61-jährige Jurist als griechischer Migrationsminister,
       er ist ein einflussreicher Abgeordneter in der Regierungspartei.
       
       ## Zweifel an der Version der Küstenwache wachsen
       
       Voridis' Äußerungen erfolgen in einem tragischen Kontext: Ein
       Küstenwachboot war am 3. Februar vor der Küste von Chios mit einem
       Schlauchboot voller Migranten kollidiert, 15 Migranten starben.
       
       Die Küstenwache behauptet, eins ihrer Patrouillenboote habe „eine
       planmäßige Patrouille durchgeführt und dabei ein Schnellboot mit
       ausländischen Passagieren entdeckt, das in Richtung der Ostküste von Chios
       fuhr“. Der Fahrer des Schnellboots habe die Licht- und Tonsignale des
       Schiffes „L.S. 1077“ der griechischen Küstenwache ignoriert. Das mit
       mindestens 39 Migranten besetzte Boot „kehrte stattdessen um und rammte die
       rechte Seite des Schiffes der Küstenwache“. Durch „die Wucht des Aufpralls“
       sei das Migrantenboot gekentert, „wodurch alle Insassen ins Meer fielen“.
       
       [3][Mittlerweile wachsen jedoch Zweifel an der Version der Küstenwache.]
       Gerichtsmediziner stellten durch Autopsien fest, dass alle 15 Toten vor
       Chios schwer an Schädel und Brustkorb verletzt worden seien. Bei einigen
       Opfern sei der Tod sofort eingetreten, also unmittelbar nach der Kollision.
       Keiner der 15 Todesfälle sei auf Ertrinken zurückzuführen. Ferner gibt es
       Berichte von Überlebenden, die besagen, dass die „L.S. 1077“ „mitten in der
       Nacht auftauchte und über das Boot der Migranten hinwegfuhr“. Vor der
       Kollision habe das Patrouillenboot keine akustischen und optischen Signale
       gesendet, wie die Küstenwache behauptet.
       
       Die linke Athener Opposition und Menschenrechtsorganisationen kritisieren
       die rechte Regierung heftig, auch den Migrationsminister Thanos Plevris.
       Der hatte noch vor der Tragödie vor Chios seine Genugtuung über den
       deutlichen Rückgang der Ankünfte von Flüchtlingen und Migranten in
       Griechenland dank seiner harten Migrationspolitik zum Ausdruck gebracht.
       „Die Abschreckung wirkt“, sagte Plevris. 2025 wurden 21 Prozent Geflüchtete
       weniger registriert als im Vorjahr. Damit setzt sich der radikale
       Abwärtstrend fort.
       
       18 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Makis-Voridis-in-Griechenland/!6073537
 (DIR) [2] https://www.documentonews.gr/article/makis-voridis-sto-documento-ta-pushbacks-einai-nomima/
 (DIR) [3] /Fluechtlingstod-vor-Chios/!6152213
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ferry Batzoglou
       
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