# taz.de -- Tödliche Fluchtroute: 22 Migranten sterben bei Irrfahrt durchs Mittelmeer
> Dutzende Menschen trieben offenbar tagelang in einem Boot vor der Küste
> Griechenlands. Überlebende berichten, dass Leichen über Bord geworfen
> wurden.
(IMG) Bild: Trieben tagelang auf hoher See: Migranten in einem Schlauchboot
Sie waren auf dem Weg von Ostlibyen nach Griechenland und starben offenbar
auf hoher See: 22 Migranten gelten derzeit als verschollen. Wie die
griechische Küstenwache am Samstag bekannt gab, habe ein Patrouillenboot
der Europäischen Grenzagentur Frontex am Donnerstagmittag 52 Seemeilen
südlich der südkretischen Küstenstadt Ierapetra ein mit 26 Migrant:innen
besetztes Boot ausfindig gemacht. Darunter 24 Männer, eine Frau und einen
Minderjährigen.
Die Passagiere seien aufgegriffen und in den Hafen von Kaloi Limenes
gebracht worden. Allerdings sagten die Geretteten gegenüber den
griechischen Behörden aus, dass sich ursprünglich insgesamt 48 Personen an
Bord befunden hätten, als sie am 21. März von der ostlibyschen Hafenstadt
Tobruk aus in See gestochen seien. Sie hätten die etwa 330 Kilometer
entfernte Insel Kreta angesteuert. Auf ihrer Fahrt nach Griechenland hätten
die beiden Bootsführer aber die Orientierung verloren.
Während der Irrfahrt sei der Kraftstoff des Außenbordmotors ausgegangen,
das Boot trieb anschließend auf dem Meer. Während der sechs Tage auf See
seien dann 22 Migranten an Bord gestorben. Trinkwasser und Nahrungsmittel
fehlten, zudem war es sehr kalt. Ihre Leichen wurden offenbar nach und nach
„auf Befehl eines Schleppers an Bord ins Meer geworfen worden“. Seither
sind diese Menschen verschollen. Zwei der 26 Geretteten seien zur
medizinischen Versorgung in lokale Krankenhäuser in Heraklion gebracht
worden, wie die örtliche Hafenpolizei mitteilte. Die übrigen Geretteten
wurden demnach in eine Auffangstation im Hafen von Heraklion gebracht.
„Tödlichster Jahresstart im Mittelmeer“
Die griechischen Behörden nahmen die beiden Bootsführer als mutmaßliche
Schleuser fest. Dabei handele es sich um zwei Südsudanesen im Alter von 19
sowie 22 Jahren. Sie sollen am Montag der Staatsanwaltschaft in Heraklion
vorgeführt werden. Ihnen werden fahrlässige Tötung und Beihilfe zur
illegalen Einreise vorgeworfen. Für die Überfahrt hätten die Migranten
umgerechnet rund 9.000 Euro pro Person bezahlt, wie griechische Medien
berichteten.
[1][Der Weg über das zentrale Mittelmeer], also von Nordafrika nach Europa,
ist nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) „die
gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt“. Vom Aufzeichnungsbeginn 2014 bis
einschließlich 2025 seien laut IOM mehr als 33.000 Migranten im Mittelmeer
gestorben oder als vermisst gemeldet worden. Beobachter gehen jedoch von
einer hohen Dunkelziffer aus. Die Fluchtroute von Ostlibyen nach Kreta gilt
als besonders gefährlich. Im Februar kenterte ein aus Libyen kommendes Boot
vor Kreta, 30 Menschen ertranken. Seit Jahresbeginn habe es bereits mehr
als 600 tote oder vermisste Migranten im Mittelmeer gegeben, so die IOM.
Dies sei der „tödlichste Jahresstart im Mittelmeer“ seit 2014.
Die Rettung von Menschenleben auf See sowie auf Landwegen sei, wie die IOM
erklärte, „eine gemeinsame globale Verantwortung“. Sie erfordere einen
„stetigen politischen Willen, Ressourcen sowie schutzorientierte
Maßnahmen“. Nur so sei sicherzustellen, dass Migration „sicherer,
geordneter und humaner verläuft“.
29 Mar 2026
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(DIR) Ferry Batzoglou
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