# taz.de -- Reform der Einkommensteuer: Nur Besserverdiener würden profitieren
> CDU-Generalsekretär Linnemann will die Spitzensteuer erst ab 80.000 Euro
> greifen lassen. Bei genauerer Betrachtung ist der Vorstoß eine
> Mogelpackung.
(IMG) Bild: Linnemanns Vorschlag entpuppt sich wohl für die meisten Beschäftigten als Mogelpackung
Hat die Union wieder plötzlich ihr Herz für die arbeitende Bevölkerung
wiederentdeckt? Nur ein paar Tage ist es her, da sorgten die Partei und ihr
neoliberales Umfeld mit Forderungen wie der [1][Abschaffung des Rechts auf
Teilzeit] oder der Streichung von Zahnersatz als Kassenleistung für
Aufregung. Und nun das: Ausgerechnet CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann
prescht mit der Forderung nach einer Einkommenssteuerreform zur angeblichen
Entlastung der Beschäftigten hervor. Doch keine Sorge! Alles bleibt beim
Alten. Denn bei genauerer Betrachtung entpuppt sich Linnemanns Vorschlag
für die meisten Beschäftigten als Mogelpackung.
Der CDU-Politiker will die Grenze, ab der der Spitzensteuersatz greift, von
derzeit 68.000 Euro brutto im Jahr auf 80.000 Euro anheben. Doch zuletzt
lag das mittlere Jahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten bei rund 47.000
Euro. Die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung ist also weit davon
entfernt, in den Genuss von Linnemanns Vorschlag zu kommen. Und: Das
Ehegattensplitting sowie zahlreiche Abschreibungsmöglichkeiten führen schon
jetzt dazu, dass nur eine kleine privilegierte Minderheit wirklich den
Spitzensteuersatz zahlt. Stattdessen würden von Linnemanns Vorschlag vor
allem auch Superreiche profitieren, weil der Anteil ihres Einkommens, für
den sie den Spitzensteuersatz zahlen müssen, dadurch sinkt.
Da hilft es auch nichts, wenn Finanzminister und [2][SPD-Chef Lars
Klingbeil] nun die Ausarbeitung einer Steuerreform verspricht, mit der er
angeblich niedrige und mittlere Einkommen entlasten will. Denn diese haben
von einer guten öffentlichen Infrastruktur und einem ausfinanzierten
Sozialsystem letztlich mehr als ein paar Euro jährlich netto mehr in der
Tasche.
Stattdessen würde Linnemanns Plan zugunsten einer reichen Minderheit die
Haushaltslücke, die ab kommendem Jahr droht, noch größer machen. Allein für
2028 war zuletzt von einem Fehlbetrag von 60 Milliarden Euro die Rede, die
irgendwo eingespart werden müssen. Die [3][Angriffe auf den Sozialstaat],
wie wir sie jetzt erleben, wären nur der Anfang. Steuersenkungen würden
also die Verteilungskämpfe nur noch weiter anheizen und die Gesellschaft
weiter polarisieren.
16 Feb 2026
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(DIR) Simon Poelchau
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