# taz.de -- Debatte über höheren Spitzensteuersatz: Und sie bewegt sich doch
       
       > Laut einem Bericht zeigt sich die Union offen für einen höheren
       > Spitzensteuersatz. Von einer Vermögensteuer will sie aber weiterhin
       > nichts wissen.
       
 (IMG) Bild: Offen für einen höheren Spitzensteuersatz: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesminister der Finanzen Lars Klingbeil (SPD)
       
       afp/taz | CDU und CSU sind laut einem Bericht des Düsseldorfer
       Handelsblatts grundsätzlich offen für einen höheren Spitzensteuersatz. Dies
       gelte dann, wenn ein solcher Schritt Teil eines größeren Pakets mit
       umfassenden Entlastungen für die meisten Steuerzahler:innen sei, hieß
       es in der Freitagsausgabe der Zeitung. Hintergrund sind entsprechende
       Vorschläge von Expert:innen sowie aus der SPD.
       
       Das [1][Handelsblatt verwies in dem Bericht] auf einen Vorschlag des
       Steuerexperten Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung
       (DIW). Demnach solle der sogenannte Mittelstandsbauch – also der starke
       Belastungsanstieg für mittlere Einkommen – abgebaut werden. Auch der
       Solidaritätszuschlag solle wegfallen und in die Einkommensteuer integriert
       werden. Im Gegenzug schlug Bach eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von
       42 auf 49 Prozent vor. Dieser solle jedoch künftig erst ab einem Grenzwert
       von 90.000 Euro für das Jahreseinkommen greifen, was Forderungen der Union
       entgegenkäme.
       
       Dies gehe „in die richtige Richtung“, sagte der finanzpolitische Sprecher
       der Unionsfraktion, Fritz Güntzler (CDU), dazu der Zeitung. Der Vorschlag
       sei geeignet, um „in eine Diskussion über die dringende Reform des
       Einkommensteuertarifs einzusteigen“. Weiter hob Güntzler hervor: „Wir
       brauchen eine spürbare Entlastung der unteren und der mittleren Einkommen.“
       
       Unterstützung signalisierte demnach der CSU-Abgeordnete Florian Dorn. „Es
       ist ein Konzept, das durchaus als Basis dienen kann, wenn wir in der
       Koalition über eine mutige Einkommensteuerreform beraten.“ Die Folge dieses
       Modells wäre: „Fast alle haben mehr in der Tasche, vor allem die
       Mittelschicht wird spürbar entlastet.“ Auch aus der Fraktionsführung der
       Union und der CDU-Parteiführung hieß es dem Bericht zufolge, eine Erhöhung
       des Spitzensteuersatzes könnte notwendig sein, um eine große Steuerreform
       hinzubekommen.
       
       ## Union für Erhöhung der Mehrwertsteuer
       
       Allerdings würde auch der Vorschlag von Bach zu deutlichen Mindereinnahmen
       für den Staat führen. Zwar müssten die 2 Prozent mit den höchsten Einkommen
       nach seinen Berechnungen 5,9 Milliarden Euro mehr zahlen. Trotzdem bliebe
       durch die Entlastungen der restlichen 98 Prozent und gewisse
       Ausweichreaktionen ein Minus von rund 15,5 Milliarden Euro im Jahr.
       Deswegen bringt Bach Mehreinnahmen bei der Erbschaftsteuer oder eine
       Vermögensteuer ins Spiel.
       
       Erst kürzlich hatte der DIW-Steuerexperte [2][in einem Gutachten auch das
       Konzept der Linkspartei] für eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer
       durchgerechnet. Danach könnte das 100 Milliarden Euro, theoretisch sogar
       bis zu 147 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Eine solche
       Vermögenssteuer könne „schrittweise und möglichst international koordiniert
       eingeführt werden“, befand Bach. Doch davon will die Union nach wie vor
       nichts wissen.
       
       So erteilte Grützler Forderungen der Linkspartei wie auch der SPD und der
       Grünen sowohl nach einer Wiedererhebung der Vermögensteuer als auch nach
       einer [3][Verschärfung der Erbschaftsteuer] eine schroffe Absage. „Beides
       käme jetzt zur Unzeit“, sagte er. „Es gäbe weitere Verunsicherung in der
       jetzt schon strauchelnden Wirtschaft.“ Stattdessen plädierte Güntzler zur
       Gegenfinanzierung für Einsparungen im Haushalt und den Abbau von
       Subventionen.
       
       Zudem brachte der CDU-Politiker eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ins Spiel.
       „Ich persönlich könnte mir in diesem Rahmen eine moderate Erhöhung der
       Umsatzsteuer vorstellen“, sagte Güntzler dem Handelsblatt. Eine
       Mehrwertsteuererhöhung würde besonders Geringverdiener belasten.
       
       13 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/steuerreform-union-schliesst-hoeheren-spitzensteuersatz-nicht-mehr-aus/100207220.html
 (DIR) [2] /Linke-stellt-Vermoegenssteuerkonzept-vor/!6152129
 (DIR) [3] /Erbschaftssteuerkonzept-der-SPD/!6140314
       
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