# taz.de -- Nicht gezahlte Mindestlöhne: Der Sozialbetrug der Arbeitgeber
> Tausende Unternehmen betrügen beim Mindestlohn – zum Schaden von
> Arbeitnehmern und Sozialkassen. Doch die CDU/CSU ist auf diesem Auge
> blind.
(IMG) Bild: Besonders im Bereich Gastronomie zahlen zahlreiche Unternehmen den Mindestlohn von aktuell 13,90 Euro nicht
[1][Es ist ein Sozialbetrug mit immensem Ausmaß: Über 6.000 Verfahren hat
der Zoll im letzten Jahr eingeleitet,] weil seinen Fahndern bei Kontrollen
der Verdacht kam, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten den [2][Mindestlohn]
vorenthalten. Die Zahl, die jetzt durch eine Bundestagsanfrage der Linken
publik wurde, wäre noch um ein Vielfaches höher, wenn der Zoll mehr
Personal hätte und mehr Betriebe prüfen könnte. Verschiedene Befragungen
legen nahe, dass Arbeitgeber das Mindestlohngesetz in Wirklichkeit
millionenfach brechen.
Den offensichtlichsten Schaden haben dabei die direkt betroffenen
Arbeitnehmer. Daneben belastet der Mindestlohnbetrug aber eben auch den
Sozialstaat – und das auf mehreren Ebenen. Erstens, weil durch gedrückte
Löhne mehr Menschen ihr Einkommen aufstocken müssen, also trotz Arbeit noch
Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag benötigen.
Zweitens, weil durch die gedrückten Löhne gleichzeitig weniger Beiträge an
die Sozialversicherungen abgeführt werden. Drittens, weil die
unterbezahlten Beschäftigten somit weniger Rentenansprüche erwerben – und
im Alter wohl wieder ergänzende Transferleistungen benötigen.
Das Problem dürfte in Zukunft noch größer werden: Die Verschärfungen beim
Bürgergeld, die im März durch den Bundestag gehen sollen, erhöhen den Druck
auf Arbeitslose und mies Beschäftigte. Aus Angst vor Sanktionen könnte ihre
Bereitschaft steigen, den Gesetzesbruch durch Arbeitgeber hinzunehmen.
## Geringverdiener als Sündenböcke
Und die Sündenböcke der [3][Sozialstaatsdebatte] bleiben die
Niedrigverdiener trotzdem. Gleichzeitig mit der Meldung über die
Mindestlohnverstöße war am Wochenende CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann
mit einer alten Leier in den Schlagzeilen: Durch Menschen, die wenige
Stunden arbeiteten und zusätzlich Bürgergeld bezögen, entstünde „ein
System, in dem legal Sozialleistungen abgegriffen werden“. Damit müsse
Schluss sein.
Von Arbeitgebern aber, die illegal Arbeitskraft abgreifen und gleichzeitig
den Sozialstaat belasten? Kein Wort. Die meisten Mindestlohnverfahren
eröffnete der Zoll übrigens gegen Gastronomie- und Hotelbetriebe. Gegen die
Lieblingsbranche der Union also, für die sie erst zum Jahreswechsel die
Steuern senken ließ.
15 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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