# taz.de -- „No Good Men“ auf der Berlinale: Liebe im Schatten der Taliban
       
       > Zum Auftakt blickt die Berlinale zurück nach Kabul. Der Eröffnungsfilm
       > „No Good Men“ von Shahrbanoo Sadat erzählt vom Abzug der USA aus
       > Afghanistan.
       
 (IMG) Bild: Restaurantbesuch: Anwar (Anwar Hashimi) und Naru (Shahrbanoo Sadat) in „No Good Men“
       
       Naru ist Kummer gewohnt. Dass sie als einzige Kamerafrau bei Kabul TV bloß
       für harmlose Talkshows eingesetzt wird, erträgt sie geduldig, aber
       einigermaßen frustriert. Als alleinerziehende Mutter, die sich gerade von
       ihrem Mann getrennt hat, muss sie sich vor allem darum kümmern, dass ihr
       Sohn ordentlich im sendereigenen Kindergarten betreut wird. Gleichwohl
       bittet sie ihren Vorgesetzten hin und wieder um andere Aufgaben, was dieser
       zumeist ablehnt.
       
       Als jedoch ein Kollege kurzfristig ein Interview absagt, weil er gerade
       erst übernächtigt von seiner Schicht zurückgekehrt ist, sieht Naru ihre
       Chance gekommen. Selbst wenn der Einsatz sich für sie als Reinfall
       herausstellt. Der prominente Reporter Qodrat (Anwar Hashimi) will sie
       zunächst gar nicht mitnehmen, besteht auf einem „richtigen Kameramann“. Als
       sie dann beim Interviewtermin eintreffen, muss Naru auf schmerzhafte Weise
       lernen, warum sie für den Reporter nicht „richtig“ war.
       
       Die afghanische Regisseurin Shahrbanoo Sadat hat in ihrem Spielfilm „No
       Good Men“, mit dem die Berlinale am Donnerstag eröffnet wurde, selbst die
       Hauptrolle übernommen. Sie schrieb das Drehbuch zusammen mit ihrem
       Co-Hauptdarsteller Hashimi, die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen.
       Dass Naru überhaupt als Journalistin in Afghanistan arbeiten kann, ist dem
       Umstand geschuldet, dass die Handlung im Jahr 2021 spielt, kurz bevor die
       USA ihren Abzug aus dem Land ankündigten und Taliban wieder die Macht an
       sich rissen.
       
       Gedreht wurde der Film daher nicht in Afghanistan. Stattdessen mussten die
       Hamburger Stadtteile Wilhelmsburg und Rothenburgsort als Kulisse für Kabul
       herhalten. Denn Sadat lebt seit August 2021 in Hamburg. Als „afghanisches“
       Kino kann man den Film unter Produktionsgesichtspunkten nur eingeschränkt
       betrachten, da neben Deutschland und Afghanistan noch Frankreich, Norwegen
       und Dänemark als beteilgte Länder mitgewirkt haben.
       
       ## Patriarchale Gewohnheiten der Männer
       
       [1][Shahrbanoo Sadat, die zuvor unter anderem Filme wie „Kabul Kinderheim“
       (2019) gedreht hat], erzählt in „No Good Men“ vor allem von einem Verlust.
       Denn Naru tritt nicht bloß selbstbewusst gegenüber ihren Kollegen auf und
       behauptet sich, so gut es geht, gegen ihren wenig emanzipierten Ehemann,
       sie spricht mit ihren Kolleginnen beim Sender auch freizügig über Männer
       und deren Nachteile.
       
       Als sie einmal losgeschickt wird, um Stimmen zum Valentinstag einzuholen,
       befragt sie in erster Linie Frauen über deren Ansichten zu Männern. Aus
       deren Antworten stammt auch der Filmtitel, denn auf die patriarchalen
       Gewohnheiten ihrer Gatten könnten die Frauen sehr gut verzichten. Dass sie
       sich schon bald in dieser Weise nicht mehr öffentlich werden äußern können,
       ahnen sie zu dem Zeitpunkt noch nicht.
       
       „No Good Men“ wählt als Ansatz eine afghanische Binnenperspektive aus
       feministischem Blickwinkel. Sadat geht den Stoff, der historisch gesehen
       eine Tragödie ist, mit leichtem Humor an, was oft für Situationskomik sorgt
       und den Film womöglich davor bewahren soll, lediglich plattes
       Betroffenheitsdrama zu bieten. Eine Liebesgeschichte baut Sadat in die
       Handlung gleichfalls mit ein.
       
       Doch so ganz glückt diese Strategie nicht. Wenn die Lage ernst wird, gibt
       es für Witz nur noch wenig Raum, und nach und nach schleichen sich auch
       Töne in den Film, die an eine triefige Seifenoper denken lassen. Das wirkt
       besonders dort deplatziert, wo die realen Geschehnisse an völlig andere
       Bilder denken lassen, insbesondere an die verzweifelter Menschen, die am
       Flughafen von Kabul im August 2021 über das Rollfeld rannten, in der
       Hoffnung, irgendwie noch mit einer der startenden Militärmaschinen fliehen
       zu können.
       
       Derlei Bilder spart der Film aus, vermutlich mit guten Gründen. Die Bilder,
       die er stattdessen findet, hinterlassen allerdings ein mehr als schales
       Gefühl. Am Ende bleibt der Eindruck, dass mit „No Good Men“ eine Chance
       vertan wurde.
       
       12 Feb 2026
       
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