# taz.de -- Krieg am Hindukusch: Zivilisten in der Eskalationsspirale
       
       > Bei einem mutmaßlich pakistanischen Luftangriff im Krieg gegen die
       > afghanischen Taliban sterben Hunderte Menschen in einer Kabuler
       > Suchtklinik.
       
 (IMG) Bild: Rettungskräfte und Anwohner in den Trümmern der bei einem Angriff zerstörten Suchtklinik in Kabul
       
       Hunderte Insassen eines Drogen-Rehazentrums in Afghanistans Hauptstadt
       Kabul sind die jüngsten Opfer des seit bereits 20 Tagen andauernden
       [1][Krieges zwischen Pakistan und dem afghanischen Taliban-Regime]. Ein
       pakistanischer Luftangriff traf am späten Montagabend die
       Suchtbehandlungsklinik Omid („Hoffnung“) im östlichen Vorort Pul-e
       Tscharchi. Dabei seien fünf Blöcke der Klinik zerstört worden. 408 Menschen
       seien umgekommen und 265 weitere verletzt worden, [2][erklärte der
       Taliban-Innenministeriumssprecher Abdul Matin Kaneh].
       
       Die Zahlen seien aber vorläufig, da noch viele Verschüttete unter Trümmern
       lägen. Der Krieg hat damit seinen ersten Vorfall mit einer extremen Zahl an
       zivilen Opfern.
       
       Das Omid-Zentrum ist eine geschlossene Einrichtung für 2.000 Patienten, die
       bereits unter der Vorgängerregierung existierte, aber wohl mit bis zu 3.000
       Menschen stark überbelegt war. Vor drei Jahren berichtete die [3][BBC], die
       Insassen würden dort unter „erbärmlichen Zuständen“ etwa 45 Tage lang für
       ein „intensives Behandlungsprogramm“ festgehalten, das aber „keine
       Garantie“ gegen Rückfälle biete. Die Einrichtung besteht zumindest
       teilweise aus zweistöckigen Unterkünften in Leichtbauweise. Luftschutzräume
       gibt es dort wie in der ganzen Stadt nicht.
       
       Pakistan stritt ab, das Rehazentrum angegriffen zu haben und sprach von
       „[4][Falschberichterstattung]“. Luftangriffe auf „zwei Standorte in Kabul“
       und andere Gebiete Afghanistan in der Nacht zu Dienstag gab Islamabad aber
       zu. Dabei habe es sich um „präzise Luftangriffe gegen militärische
       Einrichtungen des afghanischen Taliban-Regimes“ gehandelt, die der
       „Unterstützung seiner verschiedenen terroristischen Stellvertreter“ gedient
       hätten, postete Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar [5][auf X].
       
       Damit ist vor allem die pakistanische Talibanbewegung TTP gemeint, die
       gegen die Regierung in Islamabad kämpft. Angebliche Nachdetonationen
       deuteten „eindeutig auf die Existenz großer Munitionsdepots hin“. Pakistans
       Zielauswahl sei „präzise, um sicherzustellen, dass keine Kollateralschäden
       entstehen“.
       
       ## Pakistans Präsident sieht „rote Linie überschritten“
       
       Die Tatsache, dass die Taliban schnell Reporter westlicher Medien in das
       Zentrum ließen, spricht allerdings dagegen, dass sich dort militärische
       Installationen befinden. Am Sonntag hatte Pakistans Präsident Asif Ali
       Zardari nach Taliban-Drohnenangriffen auf zivile Gebiete in seinem Land
       gewarnt, damit sei eine „rote Linie überschritten“. Pakistans Militär hatte
       sich allerdings damit gebrüstet, die „wenigen rudimentären Drohnen“ daran
       gehindert zu haben, „ihre beabsichtigten Ziele zu erreichen“.
       
       Die Menschen im Omid-Zentrum waren nicht die ersten zivilen afghanischen
       Opfern dieses Krieges. Nach den bisher letzten [6][UN-Angaben] kam es bis
       zum 5. März zu 185 zivilen Opfern, davon 56 Tote und 129 Verletzte „durch
       pakistanisches Artilleriefeuer und Luftangriffe“, 55 Prozent davon Frauen
       und Kinder.
       
       Am Sonntag wurden [7][nach Taliban-Angaben] in der afghanischen
       Südostprovinz Chost drei Kinder und eine Frau durch pakistanischen Beschuss
       getötet, am gleichen Tag [8][nach pakistanischen Abgaben] fünf Mitglieder
       einer Familie durch einen Taliban-Raketenangriff im Grenzdistrikt
       Badschaur. Laut einem [9][Sprecher des Taliban- Gesundheitsministeriums]
       seien zudem fünf Gesundheitszentren von „Pakistans Militärregime“
       angegriffen worden.
       
       Der Krieg war Ende Februar nach TTP-Angriffen auf pakistanisches Militär
       ausgebrochen. Das antwortete darauf mit Luftschlägen gegen Afghanistan.
       Taliban-Gegenangriffe entlang der Grenze verschärften den Konflikt.
       
       Seit Jahrzehnten kam es dort aufgrund einer [10][umstrittenen, kolonialen
       Grenzziehung] immer wieder zu Gefechten. Sie eskalierten aber noch nie zu
       einem offenen Krieg. Die jüngsten Angriffe dürften einen
       Vermittlungsversuch Chinas zurückwerfen, [11][dessen
       Afghanistan-Sonderbotschafter kurz zuvor die beiden Länder besucht hatte].
       
       17 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Konflikt-Pakistan-Afghanistan/!6158825
 (DIR) [2] https://www.france24.com/en/live-news/20260317-kabul-drug-rehab-clinic-in-ruins-after-pakistan-strikes-on-afghanistan
 (DIR) [3] https://www.bbc.com/news/world-asia-65138423
 (DIR) [4] https://www.straitstimes.com/asia/afghan-taliban-says-400-killed-in-pakistan-air-strike-on-kabul-hospital-pakistan-rejects-claim
 (DIR) [5] https://x.com/TararAttaullah/status/2033694140605861960
 (DIR) [6] /Krieg-Pakistan-Afghanistan/!6161833
 (DIR) [7] https://amu.tv/230811/
 (DIR) [8] https://www.khaama.com/five-family-members-killed-in-pakistan-by-rocket-fired-from-afghanistan/
 (DIR) [9] https://tolonews.com/afghanistan-198396)
 (DIR) [10] /Afghanisch-pakistanischer-Konflikt/!6158490
 (DIR) [11] https://www.straitstimes.com/asia/chinas-mediatio
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Thomas Ruttig
       
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